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Mittelmärker werden nicht aussterben

Neue Bevölkerungsprognose Mittelmärker werden nicht aussterben

Der noch vor wenigen Jahren prognostizierte Bevölkerungsschwund in Potsdam-Mittelmark bleibt aus. Derzeit leben zwischen Havelland und Fläming 207 000 Menschen. Diese Zahl soll bis 2030 nahezu konstant bleiben. Doch es gibt große Unterschiede.

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Die Sozialplaner Steffen Caduff und Andrea Beckert stellen den neuen Demografiebericht für Potsdam-Mittelmark vor.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Bad Belzig. Die Mittelmärker sterben nicht aus. Sie werden dafür immer älter. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse im neuen Demografiebericht für den Landkreis. Die in dieser Woche vorgestellte Prognose betrachtet die Zeit bis 2030. Danach wird sich die aktuelle Zahl der Einwohner zwischen Havelland und Fläming nahezu konstant bei etwa 207 000 halten. Noch im Jahr 2012 schätzten Experten die Entwicklung pessimistischer ein. Damals wurde von einem Bevölkerungsverlust von fünf Prozent ausgegangen. Das hätte einen Schwund auf etwa 194 000 Einwohner bedeutet.

„Das Gegenteil ist eingetreten. Seit dem letzten Bericht wuchs die Einwohnerzahl des Landkreises jährlich zwischen 0,5 und einem Prozent“, sagte Steffen Caduff, Sozialplaner der Kreisverwaltung bei der Vorstellung des 34 Seiten starken Demografieberichtes. Den anhaltenden Zuwachs hat Potsdam-Mittelmark den vielen zugezogenen Familien zu verdanken. Diese zieht es vor allem ins Berliner Umland, wo etwa 80 Prozent der Wanderungsgewinne registriert werden. Spitzenreiter ist die Stadt Teltow, die von 2004 bis 2014 über 5000 neue Einwohner begrüßen konnte. Das ist ein Bevölkerungsanstieg um gut 25 Prozent. Kleinmachnow, Michendorf, Stahnsdorf gehören ebenfalls zu den beliebten Zuzugsgemeinden.

Hohe Sterberate im Amt Ziesar

Der Bevölkerungszuwachs in Potsdam-Mittelmark hat sich im Vergleich zu den 1990-er Jahren deutlich abgeschwächt, hält aber auf niedrigem Niveau an. Dies ist vor allem zugezogenen Familien mit Kindern zu verdanken. Die eigene Geburtenrate würde nicht ausreichen, um die Sterbefälle auszugleichen.

Die markant niedrigste Geburtenziffer im Jahr 2014 wird mit 3,8 Geburten je 1000 Einwohner in Wiesenburg ausgewiesen. Die Sterberate ist fast vier Mal so hoch. Bis auf Nuthetal, Seddiner See und Wusterwitz ist die Anzahl der Gestorbenen in allen anderen Ämtern und Kommunen 2014 höher als die der Geburten.

Die mit Abstand höchste Sterberate hatte das Amt Ziesar mit 21,2 Gestorbene je 1000 Einwohner. Zum Vergleich: Im Amt Wusterwitz betrug die Sterberate 6,8. Eine Erklärung könnte das hohe Alter der Pflegeheimbewohner in Ziesar und Dahlen sein.

Ganz anders sieht die Situation in den berlinfernen Kommunen aus. Im Westen und Süden des Kreises gehen Demografie-Experten unverändert von einer immer dünner werdenden Bevölkerungsdichte aus. Nicht nur die Gruppe der unter 15 -Jährigen schwindet, auch der Anteil der Erwerbsfähigen reduziert sich dramatisch. So hat Wiesenburg in zehn Jahren über 16 Prozent seiner Bewohner verloren. Die aktuelle Bevölkerungsvorausschätzung geht von einem weiteren Rückgang bis 2030 von knapp 20 Prozent aus. Ähnlich traurig sehen die Schätzungen für Treuenbrietzen und Ziesar aus. Flächendeckend gehen die Einwohnerzahlen in allen Kommunen der Altkreise Brandenbug und Bad Belzig zurück. Dagegen bleibt der sogenannte Speckgürtel für Zuzügler weiter attraktiv – so jedenfalls die Prognose.

Sozialplaner Caduff räumte ein, dass die Zahlen nicht in Stein gemeißelt seien. Die Flucht vor steigenden Mieten in den Metropolen oder verstärkte Zuzüge von Ausländern können aktuelle Schätzungen schnell alt aussehen lassen. An den grundsätzlichen Aussagen des Demografieberichtes dürfte sich jedoch so schnell nichts ändern. Dazu gehört die Tatsache, dass das Durchschnittsalter der Mittelmärker weiter ansteigt. Aktuell liegt es bei 45,2 Jahren und damit über dem Bundessdurchschnitt. Die Bevölkerungsgruppe der über 65-Jährigen wird massiv ansteigen – und zwar flächendeckend. In Stahnsdorf soll sich die Zahl der Senioren bis 2030 von derzeit 2300 auf dann 4600 glatt verdoppeln. Für Groß Kreutz (Havel) wird von einer Steigerungsrate von 73 Prozent ausgegangen. Auch im Amt Beetzsee (59 Prozent), Niemegk (52 Prozent), Kloster Lehnin (59 Prozent) und Michendorf (67 Prozent) werden immer mehr Menschen dieser Altersgruppe angehören. „Diese demografische Entwicklung bedeutet Handlungsbedarf für den Kreis und vor allem für die Kommunen. Über Wohnen, Gesundheit und Infrastruktur kann nur vor Ort entschieden werden“, so Sozialplaner Caduff.

Von Frank Bürstenbinder

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