Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Mittelmarks Milchbauern buttern zu

Landwirtschaft in der Krise Mittelmarks Milchbauern buttern zu

Die mittelmärkischen Milcherzeuger stecken in der Krise. Weil die Aufkaufpreise die Kosten schon lange nicht mehr decken, ist die Milchproduktion zu einem Zuschussgeschäft geworden. So wie in der Agrargenossenschaft Krahne. Eine Trendwende bei den Erlösen ist derzeit nicht in Sicht.

Voriger Artikel
Neues Stadtmagazin kommt am Montag
Nächster Artikel
Riva-Stahlwerker protestieren in Brandenburg

Landrat Wolfgang Blasig schaut sich ein Kälber-Iglu in der Agrargenossenschaft Krahne an.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Krahne. Entspannt und ganz von allein schlendern die Kühe zum Melkstand. An ihren Eutern haben lasergesteuerte Roboterarme die Menschenhände abgelöst. Ein Tierwirt pro Schicht reicht aus, um die 240 Holstein-Rinder in der neuen Milchviehanlage von früh bis spät zu managen. Doch trotz Investitionen in teure Spitzentechnologie verdient die Agrargenossenschaft Krahne mit der Milch kein Geld mehr. Im Gegenteil: Auf jeden Liter, der durch die Schläuche in den großen Tank für das Milchauto fließt, zahlt das Unternehmen zehn Cent drauf. Auf den Monat gerechnet werden 30 000 Euro Kapital vernichtet.

Sandboden herrscht vor

Die Agrargenossenschaft Krahne verfügt über eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 3000 Hektar, davon befinden sich 1000 Hektar im Eigentum. Es herrscht Sandboden vor, teilweise sandiger Lehm, mit 18 bis 42 Bodenpunkten.

Schwerpunkte des Unternehmens sind Milchproduktion und Rindermast, Getreide- und Maisanbau, Mutterkuhhaltung im Tochterunternehmen sowie Fleischverarbeitung und Handel mit Waren des täglichen Bedarfs.

Zum Tierbestand gehören derzeit rund 500 Milchkühe, nach einer Aufstockung sollen 650 Tiere erreicht werden. Es werden zwei Biogasanlagen mit 549 KW und 192 KW betrieben. Es gibt 41 Voll- und drei Teilzeitbeschäftigte.

Als „sehr kritisch“, bezeichnet deshalb Agrar-Chef Thomas Vogt die Situation in der Milcherzeugung. Seit Dezember 2014 ist der von den Molkereien gezahlte Preis nicht mehr kostendeckend. Damals rutschte der Auszahlungspreis unter 30 Cent. Im Februar 2016 waren es nur noch 24 Cent. Es könnte noch schlimmer kommen. Die Krahner Milchbauern befürchten für das laufende Jahr 20 Cent. Die Auswirkungen wären verheerend. „Erst sterben die Kleinen, dann die Großen“, sagte Vogt am Montag bei einem Besuch von Landrat Wolfgang Blasig (SPD) in der Milchviehanlage südwestlich der Ortslage.

Dass sich der Betrieb die derzeit insgesamt 520 Kühe überhaupt noch leisten kann, ist den beiden Biogasanlagen in Kahne und Reckahn zu verdanken. Der Strom subventioniert die Milch. So war das Geschäftsmodell zwar nicht gedacht, doch im Moment hilft diese Strategie beim Überleben. 17 Arbeitsplätze hängen in Krahne direkt von der Milchproduktion ab. Das viele Grünland der Agrargenossenschaft (900 Hektar) ist prädestiniert für die Veredlung durch Wiederkäuer. Und der Kapitaldienst für die erst 2014 errichteten drei neuen Ställe samt Güllebehälter und Fahrsilo will auch aufgebracht sein. 3,5 Millionen Euro hat die Gesellschaft damals investiert.

Krahner Kuh am Melkroboter

Krahner Kuh am Melkroboter. Mit jedem Liter machen die Erzeuger Miese.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Aus der Milch auszusteigen kommt für Agrar-Chef Vogt deshalb nicht in Frage. Im Gegenteil: Es soll weiter investiert werden, um Kosten zu sparen und noch effizienter arbeiten zu können. Anderen Milcherzeugern dagegen wird die Puste ausgehen. Vielleicht schon im Sommer, vielleicht erst im Herbst. Bleibt es beim Russland-Embargo und hält der Preisdruck der Handelsketten weiter an, wird sich in Potsdam-Mittelmark das Netz der Milchbetriebe ausdünnen. Davon ist auch Fachbereichsleiter Hans-Georg Hurttig überzeugt, dem in der Kreisverwaltung die Agrarförderung untersteht. Bislang gibt es nur vereinzelte Bauern, die ihre Milchkühe abschaffen.

Blick in den Krahner Kälberstall

Blick in den Krahner Kälberstall.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Durchhalten will auch Gerhard Ullrich von der Brielower Agrar GmbH. Seit 26 Jahren steht er in dem Unternehmen in Verantwortung. „Doch so krass war die Situation bei der Milch noch nie“, berichtet der Geschäftsführer, der auch Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Brandenburg/Havel ist. Einen Blick in die Zukunft wagt Ullrich nicht. Doch was er weiß, klang nicht gut bei der Frühjahrstour des Landrates: „Eine Trendwende beim Preis ist nicht in Sicht.“ Etwas ratlos ist auch Wolfgang Vogeler. Der private Landwirt aus Fohrde hat 65 Milchkühe im Stall. Wegen des Preisverfalls setzt er 3000 Euro im Monat zu. „Ewig kann das so nicht weitergehen“, sagte Vogeler, der die Zukunft seines Familienbetriebes wohl eher in der Zucht von Fleischrindern sieht.

Eine Biogasanlae (192 KW) befindet sich auf dem Krahner Betriebsgelände

Eine Biogasanlae (192 KW) befindet sich auf dem Krahner Betriebsgelände. Die zweite Anlage steht in Reckahn.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Landrat Blasig ist von der Situation in der heimischen Landwirtschaft alarmiert. Doch die Preise für Milch werden am Weltmarkt und nicht in Bad Belzig gemacht. „Trotzdem will ich unseren Bauern den Rücken stärken. Das können Besuche und Gespräche sein. Oder unserer Wirtschaftsförderung, die beim Aufbau regionaler Wirtschaftskreisläufe hilft“, so Blasig.

Von Frank Bürstenbinder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg