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Tod am Heidekrug: Ein Jahr auf Bewährung

Gerichtsurteil gegen fahrerflüchtige Frau Tod am Heidekrug: Ein Jahr auf Bewährung

Die Autofahrerin, die am 23. September 2014 den tödlichen Unfall in der Plauer Straße verursacht hat und dann geflüchtet war, wurde am Donnerstag zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Im Amtsgericht Brandenburg gestand sie erstmals ihre Schuld, wich dem Blickkontakt mit den Eltern des toten Motorradfahrers aber aus.

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Der Motorradfahrer in der Plauer Landstraße hatte keine Chance auszuweichen

Quelle: Christian Griebel

Brandenburg/H. Die 36 Jahre alte Brandenburger Autofahrerin, die am 23. September 2014 den tödlichen Unfall in der Plauer Landstraße verursacht hat, wurde am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Sie hatte nach dem Unfall Fahrerflucht begangen. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht Brandenburg gestand sie ihre Schuld erstmals ein, mied aber permanent den Blickkontakt zu den Eltern des tödlich verunglückten Motorradfahrers.

Christoph Eichner hat keine Chance an jenem Septemberdienstag, als er kurz nach 14 Uhr mit seinem Motorrad auf der Plauer Straße in Richtung Innenstadt unterwegs ist. Er will gerade die Einmündung zum Heidekrug passieren, als ihm im Gegenverkehr die Bürokauffrau mit ihrem dunklen Audi A 8 die Vorfahrt nimmt. Sie übersieht das Motorrad und biegt links in den Heidekrug ab.

Der 30 Jahre alte Fliesenleger versucht noch eine Vollbremsung. Als er merkt, dass er den Zusammenstoß nicht verhindern kann, weicht er nach links aus, Dort gerät er in den Gegenverkehr, stürzt vom Motorrad und prallt mit voller Wucht gegen das nächste Auto im fließenden Verkehr. Dessen Fahrerin ist machtlos, der Mann stirbt.

Die folgenden Ermittlungen der Polizei sind langwierig. Denn die Unfallverursacherin fährt nach Hause, stellt ihren Wagen ab und vertraut sich nur ihrem Partner an. Sie hört das Scheppern auf der Straße, will aber offenbar nicht wahrhaben, dass sie den Unfall verursacht hat. Daran ändert sich auch nichts, als sie wenige Minuten später eine Nachbarin spricht, die kurz hinter ihr ebenfalls in den Heidekrug eingebogen war.

Die schwerwiegenden Folgen des Unfalls

Der Vater des Unfallopfer, Uwe Eichner, war gestern im Gerichtssaal lediglich erleichtert, dass die Audi-Fahrerin ihre Schuld endlich eingestand. Die Strafe, die sie erhielt, wiegt nach seinem Rechtsempfinden das Geschehene nicht im Geringsten auf.

Der Unfall hat nicht nur die Eltern und die anderen Angehörigen schwer getroffen. Auch die machtlose Autofahrerin, die den Tod des jungen Mannes vor Augen hatte, trägt schwer an den Folgen.

Die Verursacherin erlitt einen Zusammenbruch und begab sich zur Behandlung ins Krankenhaus. Sie wartet auf psychologische Behandlung.

Das Verhältnis der Nachbarinnen, die ganz unterschiedlich an dem Unfall beteiligt waren, ist inzwischen „komplett hinüber“, wie die Zeugin sagte.

Aus Zeugenaussagen im Gericht wird klar, dass die Bürokauffrau mit ihrem Freund zum Unfallort geht und versucht herauszufinden, wie schwer der verunglückte Christoph Eichner verletzt ist. Doch weder an dem Tag noch danach gibt sie sich als Unfallbeteiligte zu erkennen.

Im Gerichtssaal sagt die angeklagte Frau, Mutter eines 15-jährigen Jungen, zum Unfall kein Wort. Sie behält ihren Wintermantel an, zieht den schwarzen Schal hoch, dreht sich so weit es geht weg von den gegenüber sitzenden Eltern des Unfallopfers und von den mehr als zwanzig Zuhörern im Publikum des Gerichtssaales.

Ihre Verteidigerin verliest das Geständnis und eine Stellungnahme der Angeklagten. Danach habe sie nach dem fatalen Abbiegen zunächst ein „mulmiges Gefühl“ gehabt, dass sie den Unfall verursacht haben könnte. Sie sei dann panisch gewesen und schockiert. Als nach einem grünen Kastenwagen gefahndet wurde, habe sie die eigene Beteiligung weiter verdrängt und sich erleichtert eingeredet, dass sie sich getäuscht haben müsse und doch unschuldig sei.

Nur indirekte Entschuldigung bei den Eltern

Die erwähnte Nachbarin bringt die Polizei schließlich auf die richtige Spur. Weil sich die Angeklagte weigert, zu ihrer Unfallbeteiligung zu stehen und das Geschehen erst einmal „selbst seelisch verarbeiten“ will, zieht sie einen ihr bekannten Polizeibeamten ins Vertrauen.

Doch auch als die Anklage vorliegt und der Prozess anberaumt wird, räumt die 36-Jährige ihre Schuld nicht ein und findet auch kein Wort der Entschuldigung für die Eltern, für die eine Welt zusammengebrochen ist und die fast anderthalb Jahre darauf warten zu erfahren was passiert ist.

Der Druck für die Angehörigen nimmt weiter zu, als zwei Prozesstermine im September und November platzen, weil einmal die Angeklagte und einmal ihre Verteidigerin sich ganz kurzfristig krank melden.

Der Führerschein wird für vier Jahre entzogen

Ihre Mandantin leide sehr unter dem Unglück, es tue ihr unendlich leid, gerade wenn sie an die Eltern denke, trägt Rechtsanwältin Cecile Behrendt vor. Bei den Angehörigen, die als Nebenkläger am Prozess beteiligt sind, macht das wenig Eindruck. „Sie ist nicht in der Lage, den Eltern in die Augen zu sehen und auch nur einen Satz zu sagen“, kritisiert Nebenklagevertreter Andreas Zillkes. Dabei müsse sie dem, was sie getan hat, doch einmal ins Auge schauen.

Amtsrichterin Caroline du Vinage verurteilt die junge Frau wegen fahrlässiger Tötung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Außerdem verliert die Frau für vier Jahre den Führerschein und muss neben 1000 Euro für einen gemeinnützigen Verein auch die Kosten der Nebenklage tragen.

Von Jürgen Lauterbach

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