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Brandenburg/Havel Muckibuden-Bande zu Haftstrafen verurteilt
Lokales Brandenburg/Havel Muckibuden-Bande zu Haftstrafen verurteilt
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00:19 12.08.2017
Nachts können sich Planerschlitzer-Diebe leicht zwischen den dicht stehenden Lkw verstecken. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Brandenburg/H

Auch Jan W. (32) muss ins Gefängnis, für drei Jahre und zwei Monate. Er ist in dieser Woche im Amtsgericht Brandenburg/Havel der letzte Angeklagte des Planenschlitzer-Sextetts, das Zivilbeamte am 16. Februar 2016 auf der Raststätte Buckautal auf frischer Tat erwischt hatte.

Der große breitschultrige, muskulöse Jan W. gehört zur Muckibuden-Bande, die sich zu einem unbekannten Zeitpunkt in einem Lokal der polnischen Stadt Górzow (früher Landsberg an der Warthe) zusammen gefunden hatte, um in Deutschland schnelles Geld zu machen.

Die Männer kennen sich aus dem Fitnessstudio. Sie eint, dass sie wenig eigenes Einkommen haben, so wie der ungelernte David W., der vor Gericht angibt, auf dem Hof seines Großvaters zu helfen. Die Bande verständigt sich darauf, das Planenschlitzen auf deutschen Autobahnraststätten zur gemeinsamen Einnahmequelle zu machen. Wann es damit losging und ob sie Beute gemacht haben, bleibt im Gericht unklar. Am späten Abend des 15. Februar 2016 ist das Sextett jedenfalls zunächst erfolgreich. Auf der Autobahnraststätte Lostau auf der A 2 postieren sie einen gemieteten Hyundai fluchtbereit an der Raststättenausfahrt. Einen gemieteten Kastenwagen stellen sie in die Nähe der eng beieinander parkenden Laster.

Zwei Männer schlitzen die Planen auf und prüfen, ob die Ladung als Beute tauglich ist. So gelangen sie schließlich in einen Lastwagen, der 174 Jacken der Textilfirma Rabe im Wert von gut 16 300 Euro geladen hat. Sie packen die Kleidung um in den Kastenwagen, um sie später an russische und ukrainische Hehler weiterzuverkaufen.

Hintergrund

Angeklagt waren die sechs Planenschlitzer aus dem Nachbarland zunächst wegen Bandendiebstahls.

Verurteilt wurde das Sextett jedoch wegen schweren Bandendiebstahls, was höhere Strafen zur Folge hat.

Als schwer gilt ein Bandendiebstahl, wenn die Bande gewerbsmäßig stiehlt, damit also den eigenen Lebensunterhalt bestreitet.

Jan W. (32), der sich für seine Tat entschuldigte, hat zehn Vorstrafen auf dem Kerbholz. Bei der ersten Straftat war er 17 Jahre alt.

Die Bande bleibt unerkannt, wendet und steuert nun zu nächtlicher Stunde die Raststätte Buckautal-Süd auf der A 2 in Richtung Berlin an. Sie weiß womöglich nicht, dass das Planenschlitzen dort gerade hoch im Kurs steht. Aus diesem Grund gehen in jener Nacht zwei Zivilbeamte durch die Lkw-Reihen. Fünf aufgeschlitzte Lastwagen aus Polen, Ungarn, Weißrussland und Deutschland fallen ihnen auf, ehe sie zwei Männer entdecken, die gerade einen weiteren Lkw kapern.

Die beiden Polizisten informierten ihre Kollegen und schnappen dann zu. Ein Bandenmitglied fassen sie sofort, den anderen entdeckt die Polizei Augenblicke später im gerade losgefahrenen Hyundai. Denn nicht zufällig winkten die Polizeikollegen jenes Auto heraus, das ein polnisches Kennzeichen trägt und in dem vier junge Männer sitzen.

Viel zu beschönigen gibt es im Gerichtssaal nicht, zumal im Auto auch Sturmhauben, Funkgeräte und Handys sichergestellt und in dem Kastenwagen die gestohlenen Jacken entdeckt wurden.

Fünf der Männer im Alter zwischen inzwischen 28 und 42 Jahren hat das Amtsgericht bereits vorher je nach Vorstrafenregister wegen schweren Bandendiebstahls zu Haftstrafen zwischen zwei Jahren und vier Monaten und drei Jahren und zwei Monaten verurteilt.

Jan W., der ebenfalls diese höchste Strafe erhält, ist der Nachzügler. Gegen ihn wird erst jetzt verhandelt, weil er erst eine andere Strafe in seiner Heimat verbüßen musste und erst danach vom polnischen Staat ausgeliefert wurde. Er muss sofort ins Gefängnis, weil das Fluchtrisiko sonst zu hoch wäre.

Von Jürgen Lauterbach

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