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Brandenburg/Havel Museum stellt Werke von Jürgen Lutzens aus
Lokales Brandenburg/Havel Museum stellt Werke von Jürgen Lutzens aus
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07:22 28.04.2017
Jürgen Lutzens in seiner Ausstellung. Melanie Höhn
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Brandenburg/H

Es war eine Demütigung für Jürgen Lutzens, dass seine Mitgliedschaft im Verband bildender Künstler in der DDR mehrmals verweigert wurde – viele Kunstwissenschaftler und Maler konnten diese Entscheidung damals nicht verstehen. Das Stadtmuseum Brandenburg würdigt jetzt das Lebenswerk des Künstlers anlässlich seines 75. Geburtstages. Kurator der Ausstellung ist der Brandenburger Künstler Jan Beumelburg.

Unter dem Titel „Sehnsucht und Obsession in Bildern und Briefschaften“ sind 15 Ölbilder und 30 Zeichnungen von Jürgen Lutzens aus dem Zeitraum von 1965 bis 1990 zu sehen. Besucher bekommen zudem einen Einblick in seinen intensiven geistigen Austausch mit über 30 namhaften Künstlern aus Ost und West. „Die Korrespondenz war mir immer genauso wichtig wie die Malerei“, resümiert Lutzens diesen Teil der Ausstellung.

Die vielen Facetten des Jürgen Lutzens: Auch ein Stilleben mit dem Namen „Abschied vom Sommer“ wird in der Ausstellung zu sehen sein Quelle: Melanie Höhn

Die ausgestellten Bilder sind nur ein kleiner Teil seines gesamten Schaffens. „Was für mich keinen Bestand hatte oder meinem Anspruch nicht genügte, vernichtete ich“, sagt der 75-Jährige Maler und Briefschreiber. Im Jahr 1941 wurde Jürgen Lutzens in Brandenburg an der Havel geboren und bekam erstmals mit 14 Jahren privaten Zeichenunterricht. Im Alter von 16 Jahren malte er impressionistisch das ehemalige Atelierhaus des Brandenburger Künstlers Paul Hildebrandt und hatte mit 19 Jahren eine Ausstellung im Fontaneklub.

Zunächst lernte er den Beruf des Gebrauchswerbers, seit dem Jahre 1967 arbeitete er freiberuflich als Werbe- und Ausstellungsgrafiker. Lutzens war verheiratet und hat einen Sohn.

Ausstellung läuft bis zum 11. Juni

Die Vernissage zur Ausstellung beginnt am heutigen Freitag um 18 Uhr im Stadtmuseum in der Ritterstraße.

Die Werke von Jürgen Lutzens sind bis 11. Juni zu sehen. Die Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Künstlerisch war er ein Autodidakt: Er suchte immer wieder nach neuer Inspiration und besuchte viele von ihm geschätzte Hallenser und Dresdner Maler in ihren Ateliers. In der Ausstellung im Frey-Haus zeigen Lutzens lyrische Brandenburger Landschaften, wie er ein Verwandter der „Halleschen Schule“ (eine Strömung der modernen Malerei der 1940er und 1950er Jahre) wurde. Eine wichtige Freundschaft entwickelte er zu Curt Ehrhardt, der lange in Brandenburg an der Havel lebte und dessen Werke durch die Nationalsozialisten diffamiert wurden.

Ein großer Teil von Jürgen Lutzens Kunst sind seine späteren kurvenreichen erotischen Frauendarstellungen: Damit huldigt er die Weiblichkeit und formt die Frau als Ikone, immer in Verbindung mit den Themen Liebe, Rausch und Begierde. Seine Werke sind angeregt von jungsteinzeitlichen Idolen, der Aphrodite-Kallipygos, der römischen Leda bis zu modernen Zeugnissen von August Rodin, Gustav Klimt oder George Grosz. „Es geht mir um die Weiblichkeit in all ihren Facetten“, sagt er. In seinem Bild „Die Rätselhafte“ etwa stellt er die Frau als „Femme Fatale“ dar.

Blick in die Ausstellung im Frey-Haus Quelle: Melanie Höhn

In seiner Schaffenszeit ging es Jürgen Lutzens vor allem darum, die Kunst in ihrer vielschichtigen Verbindung zum Leben zu ergründen und gegen affirmative Kunst zu kämpfen. „Ich möchte dem Betrachter meiner Werke einen Spielraum für dessen ganz eigene emotionale Reflexionsmöglichkeit geben“, erklärt er seine Herangehensweise. Persönliche Gründe, unter anderem der Verlust einer Wohnung, führten dazu, dass er seine künstlerische Arbeit 1990 niederlegte.

„Die Wende bedeutete auch für mein Leben eine große Wende“, sagt der Künstler. Doch noch immer bildet er sich weiter und liest viel über Psychologie sowie Körper, Geist und Seele des Menschen. Auf Internet oder Handy verzichtet er: „Ich besitze bloß einen Bleistift, mit dem ich mir alles Wichtige aufschreibe.“

Briefe gehören zu den wichtigen Exponaten der Schau. Quelle: Melanie Höhn

Von Melanie Höhn

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