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Messerstecher tot in der Zelle gefunden

In der JVA erhängt Messerstecher tot in der Zelle gefunden

Anfang Juni hat in Brandenburg an der Havel ein 32-jähriger Mann in aller Öffentlichkeit vor einem Supermarkt seine Ex-Freundin (26) erstochen. In der Nacht zu Donnerstag hat sich der mutmaßliche Täter im Gefängnis das Leben genommen. Der diensthabende Justizbeamte fand ihn erhängt in seiner Zelle auf. Die Schwester des Opfers ist entsetzt.

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Der Rumäne am 5. Juni bei seiner Festnahme. Am Donnerstag erhängte er sich in seiner Gefängniszelle.

Quelle: Uwe Voigt

Brandenburg an der Havel. Der mutmaßliche Mörder von Andrea O. hat sich am Donnerstagmorgen in seiner Zelle in der Untersuchungshaft selbst getötet. Der 32-jährige Rumäne, der seine Ex-Partnerin und Mutter seiner beiden Kinder auf dem belebten Vorplatz eines Edeka-Marktes im Brandenburger Stadtteil Nord auf brutalste Weise erstach, hat sich nach Aussagen aus dem Justizministerium und von der Staatsanwaltschaft Potsdam in seiner Untersuchungszelle erhängt.

Der diensthabende Beamte fand Nicolaiesch V. beim morgendlichen Aufschluss in seinem Haftraum am Fenstergitter erhängt auf. Nach Informationen des Justizministerium nahm er dazu allem Anschein nach die Kordel seiner Jogginghose zur Hilfe. Der genaue Todeszeitpunkt konnte noch nicht festgestellt werden.

Der 32-Jährige war bereits in den Hungerstreik getreten

Nach Informationen der MAZ hatte der 32-Jährige, der kein deutsch spricht, immer wieder angekündigt, sich umzubringen. Etwa zehn Tage hintereinander soll er jegliche Nahrung verweigert haben.

Justizsprecherin Maria Strauß bestätigt einen zumindest zeitweise labilen Zustand des Gefangenen. Nach ihren Worten befand er sich zeitweise in medizinischer Behandlung, unter anderem auch in der psychiatrischen Station der Krankenabteilung.

Maria Strauß: „Er galt zunächst in der Tat als suizidgefährdet und wurde daher in der Krankenabteilung und später in einem Kamera überwachten Haftraum untergebracht.“

Zwei Psychiater erkannten keine Gefahr mehr

Ende Juli habe er jedoch in einen normalen Haftraum verlegt werden können. Denn zwei hinzugezogene Psychiater hätten unabhängig voneinander keine Suizidgefahr mehr erkannt und empfohlen, den Gefangenen in einen normalen Haftraum zu verlegen.

Der Rumäne, der vor der Tat einige Monate lang im Stadtteil Hohenstücken gelebt hatte, wurde dem Ministerium zufolge durch den örtlichen Seelsorger betreut. Dieser habe ebenfalls keine Anzeichen eines nahen Suizid erkannt.

Die Schwester des Opfers ist entsetzt

Die Kinder des Mordopfers und des Mörders sind nun Vollwaisen. Zurzeit leben Maria-Emilia (10) und Alexandru-Gabriel (4) bei den Eltern der Toten in der rumänischen Heimatstadt Bacãu. Der Großvater bemüht sich um die Papiere für die Kinder, damit sie in Deutschland leben können.

Mariana Olteanu (25), die Schwester der Opfers, äußert sich entsetzt über den Selbstmord des Täters, ruft immer wieder „Oh Gott!“ Sie klagt: „Warum tut er das jetzt? Warum hat er sich nicht früher das Leben genommen und meine geliebte Schwester leben lassen?“

Den Selbstmord des 32-Jährigen nennt Mariana Olteanu feige: „Zu sterben ist einfach, einfacher als Verantwortung zu übernehmen für sein schreckliches Verbrechen.“

Das Mordopfer Andrea Olteanu (26) hatte als Verkäuferin einer Obdachlosenzeitung gearbeitet und sich am Tatmorgen vor dem Edeka-Markt in Brandenburg-Nord aufgestellt, wo ihr Mörder ihr auflauerte und sie umbrachte. Die junge Rumänin wollte ihre Kinder nachholen. Nun möchte ihre hinterbliebene Schwester diesen Wunsch erfüllen. Doch sie weiß, wie viel auf ihr lastet und sagt: „Das wird alles sehr schwer für mich.“ jl

Auch, weil der Untersuchungsgefangene noch am Vorabend seines Selbstmordes um Anträge für eine Dauertelefonerlaubnis und um Arbeit bat, war aus Sicht der Justiz nicht von einem nahem Suizid auszugehen.

Der Tod des Rumänen ist der zweite Selbstmord eines Gefangenen in diesem Jahr in der Justizvollzugsanstalt auf dem Görden. Am 25. März hatte sich der 59 Jahre alte Potsdamer Autohändler Rüdiger W. in der Nacht nach seinem Urteilsspruch in seiner Einzelzelle erhängt. Seit 2010 hat die Justiz des Landes sechs Selbstmorde in der JVA Brandenburg registriert und 17 Selbstmordversuche. In allen Haftanstalten des Landes waren es nach den Zahlen des Ministeriums seit 2010 zusammen zwölf Selbstmorde und 19 Versuche.

Mord in aller Öffentlichkeit

Gegen 9.15 Uhr am Freitag, 5. Juni, hatte der 32-Jährige seine langjährige Partnerin grausam in aller Öffentlichkeit umgebracht, vor den Augen zahlreicher Passanten immer wieder auf ihren blutenden Kopf und Körper eingestochen. Seine Landsfrau Andrea O. (26) hatte ihn einige Wochen zuvor aus der Wohnung geworfen und sich von ihm getrennt. Diese Trennung wollte der Mann nicht akzeptieren, der zuvor mit anderen Mitgliedern von Andrea O.’s Familie unter einem Dach im Brandenburger Stadtteil Hohenstücken gelebt hatte.

Nach der Tat erfuhr die Familie des Opfers, das ihre beiden Kinder nur wenig später nach Deutschland holen wollte, eine Welle der Solidarität. Viele Menschen zeigten sich von der Brutalität der Tat zu geschäftstätiger Zeit fassungslos. So sammelte das Deutsche Rote Kreuz Spenden, um den Leichnam in die rumänische Heimat der Familie zu überführen.

Von Jürgen Lauterbach

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