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Mutter schüttelt Säugling bewusstlos

Staatsanwalt ermittelt Mutter schüttelt Säugling bewusstlos

Ein etwa acht Wochen alter Junge liegt seit Anfang Juni mit schweren Hirnverletzungen in einem Krankenhaus in Brandenburg/Havel. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Mutter aus Rathenow, die ihren Sohn mutmaßlich misshandelt haben soll. Die junge Mutter war bereits mit der Erziehung ihres ersten Kindes überfordert gewesen.

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Mit dem Rettungswagen wurde der durchgeschüttelte kleine Junge ins Krankenhaus gebracht.

Quelle: Julian Stähle

Brandenburg/H. Ein etwa acht Wochen alter Junge liegt seit Anfang Juni mit schweren Hirnverletzungen in einem Krankenhaus in Brandenburg/Havel. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt gegen die Kindesmutter aus Rathenow (Havelland). Mutmaßlich hat sie ihren Sohn so heftig geschüttelt, dass er bleibende Schäden erlitten hat. Die junge Frau war bereits mit der Erziehung ihres ersten Kindes überfordert gewesen.

Verdacht auf Misshandlung

Christoph Lange, Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, bestätigt, dass seine Behörde gegen eine Frau aus Rathenow ermittelt, weil sie ihr Kind mutmaßlich misshandelt hat. Einzelheiten über Art und Grad der Verletzungen macht der Staatsanwalt nicht, denn das Ergebnis des in Auftrag gegebenen gerichtsmedizinischen Gutachtens liegt noch nicht vor.

Bewusstlos in die Klinik

Nach Informationen aus Ermittlerkreisen war der kleine Timo B. (Name geändert) Anfang Juni von Rathenow ins städtische Klinikum Brandenburg/Havel gebracht worden. Die Ärzte dort schalteten die Polizei ein. Denn das seinerzeit erst drei bis vier Wochen alte bewusstlose Kind wies schwere Hirnverletzungen auf, die nicht auf körperliche Erkrankungen zurückzuführen waren.

Schütteltrauma mit dauerhaften Schäden

Vielmehr wiesen die Schwellungen und Blutungen im Gehirn und die Veränderungen an den Augen darauf hin, dass Schlimmes passiert sein muss. Derartige Verletzungen sind Ausdruck eines Schütteltraumas: Jemand hat das vermutlich unablässig schreiende Kind so heftig mit Gewalt durchgeschüttelt, dass im Kopf des Kindes alles außer Fugen geraten ist und die Schädigungen nicht mehr rückgängig zu machen sind.

Mit 17 Jahren zum ersten Mal Mutter

Der aktuelle Verdacht richtet sich gegen die 23 Jahre alte Kindesmutter aus Rathenow. Im Alter von 17 Jahren hatte sie schon einmal ein Kind geboren, mit dem sie dann komplett überfordert war. Damals lebte sie noch in Nauen. Seinerzeit hatte sie das Sorgerecht verloren. Inzwischen lebt dieses Kind bei ihrem damaligen Partner, dem leiblichen Vater.

Jugendamt hält sich bedeckt

Das Klinikum und das Jugendamt dürfen keine Angaben zu dem genannten Fall machen. Jugendamtsleiterin Sabine Ziemer bestätigt lediglich, dass sich der Landkreis Havelland nach richterlichem Beschluss nun von Amts wegen um den Jungen und seine Zukunft kümmere. In solchen Fällen muss das Jugendamt die Versorgung dauerhafte Pflege eines Kindes sicherzustellen, möglichst in einem häuslichen Umfeld.

Soweit bekannt gab es für die Behörde keinen Anlass vorsorglich einzuschreiten. Timos Mutter lebte in einer festen Partnerschaft, als sie im Mai ihr zweites kerngesundes Kind bekam. Jugendämter schauen unaufgefordert nur dann genauer hin, wenn es konkrete Hinweise auf gesundheitliche oder soziale Beeinträchtigungen in einer Familie gibt, zum Beispiel Alkoholismus oder Verwahrlosung. Das war bei Timo und seinen Eltern offenbar nicht der Fall.

Kaum Hoffnung auf Genesung

Der kleine Junge wird nun in der Reha-Klinik für Kinder und Jugendliche in Brandenburg-Hohenstücken weiterbehandelt. Diese Klinik ist spezialisiert auf therapeutische Hilfen nach schweren neurologischen Schädigungen. Nach MAZ-Informationen befindet sich der Junge in einem fast hoffnungslosen Zustand, was seine Genesungsaussichten betrifft.

Hilfe bei Schreikindern

Brandenburgs Kinder-Chefarzt Hans Kössel gibt zu dem konkreten Fall in seiner Klinik zwar keine Auskunft. Er bittet Eltern von Schreikindern inständig, Rat und Hilfe anzunehmen. Hebammen und Kinderärzte vermittelten die vielfältige fachliche Unterstützung in der Region.

Was beim Schütteln im Kopf des Babys passiert

Das Schütteln hat nach Kössels Darstellung je nach Dauer und Intensität schwerwiegende Folgen. Denn ein derart kleines Kind hat noch keine ausgebildete Nackenmuskulatur. Wenn sein relativ großer Kopf vorn und hinten durchgeschüttelt wird, reißen Venen im Gehirn und es kommt zu Blutungen. Das Gehirn schlägt beim Schütteln gegen die Schädelknochen und schwillt an, wodurch die Blut- und damit auch die Sauerstoffversorgung abgeschnürt wird.

Auch Havelland-Jugenddezernent Wolfgang Gall betont: „Wir halten sehr viele Angebote für junge Familien.“ Dazu gehöre auch das Netzwerk gesunde Kinder.

Schon der zweite tragische Fall dieses Jahr

In Brandenburg ist Timos Fall leider der zweite Fall, in dem ein Elternteil mutmaßlich die Kontrolle verloren hat, weil ihr Kind nicht aufhört zu schreien. Am 10. Juni soll ein 24 Jahre alter Brandenburger seinem acht Wochen alten Sohn Nase und Mund zugehalten haben, so dass er starb.

Tötete der Vater sein eigenes Baby vorsätzlich?

Von Jürgen Lauterbach

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