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Brandenburg/Havel Nach 44 Jahren sagt Ilona Schragow tschüss
Lokales Brandenburg/Havel Nach 44 Jahren sagt Ilona Schragow tschüss
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19:15 23.08.2016
Geht im November in den Ruhestand: Ilona Schragow mit Heimbewohner Mario Menzel. Quelle: Frank Bürstenbinder
Dahlen

Im Herbst heißt es für Heimbewohner Mario Menzel (48) Abschied nehmen von Ilona Schragow (63). Dann geht die beliebte Pflegerin in den wohlverdienten Ruhestand. Genau 44 Berufsjahre liegen im ASB-Pflegeheim hinter ihr. So lange ist kein anderer Mitarbeiter in Dahlen. Mario Menzel, der seit einem schlimmen Unfall in der Einrichtung lebt, wird die Kollegin im weißen Kittel vermissen: „Schade, dass sie geht. Aber die anderen sind auch in Ordnung.“

Es sind Momente wie diese, die Ilona Schragow daran erinnern, weshalb sie ihre Arbeit gern macht. Ein Wort, ein Blick, ein Händedruck – alles Gesten die alte und pflegebedürftige Menschen ihren Betreuern zurückgeben. Dabei ist ein Job in der Pflege alles andere als ein Zuckerschlecken. Die Gräbenerin ist dem ersten Wohnbereich zugeteilt.

Im Erdgeschoss des 1979 errichteten und nach der Wende sanierten Bettenhauses kümmert sich Ilona Schragow im Wechsel mit ihren Kollegen rund um die Uhr um Menschen von Ende 40 bis über 80, die nicht für sich selbst sorgen können. Einige sind nur auf das Bett angewiesen, müssen regelmäßig gelagert oder künstlich ernährt werden. Andere Bewohner schaffen es in den Rollstuhl. Den meisten von ihnen muss Ilona Schragow das Essen reichen. Lediglich zwei Senioren in der Langzeitpflege sind auf den eigenen Füßen unterwegs. Ohne Pflegestufe wohnt hier niemand.

Vor gut 40 Jahren, als die gelernte Sprechstundenschwester zu ihrem ersten Arbeitstag antrat, sah die Welt der Alten in Dahlen anders aus. Sie lebten im Feierabendheim, waren jünger und mobiler. „Damals gab es noch Tanzabende“, erinnert sich Ilona Schragow. Ganz wenige Pflegekräfte wurden für die damals über 170 Bewohner gebraucht. Dafür wohnte man zum Teil in Sechs-Bett-Zimmern mit Ofenheizung. Heute bestimmen körperliche Gebrechen und Demenz den Zustand der Heimbewohner.

Ilona Schragow hat in 44 Berufsjahren alle Herausforderungen der Pflege in Dahlen ohne zu verzagen angepackt. Von Pflegereformen und Dokumentationen, Umzügen und Umstrukturierungen ließ sie sich nicht bange machen. „Aber jetzt ist auch genug“, findet die langjährige Beschäftigte. Ihr Ehemann Bernhard, der viele Jahre als Hausmeister in Dahlen tätig war, ist bereits in die Rente verabschiedet worden. Ilona Schragow folgt ihm am 1. November. Angst vor Langeweile hat sie nicht: „Haus, Hof und Garten halten uns weiter auf Trab.“

Mit über 60 Mitarbeitern in Voll- und Teilzeit ist das ASB Pflegeheim in Dahlen größter Arbeitgeber zwischen Brandenburg und Wiesenburg. Das über 500 Jahre alte Dahlen ist ein Ortsteil der Gemeinde Gräben.

Von Frank Bürstenbinder

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