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Nach Denkmalstreit geht es bunt zu

Rottstocker weihen Bleiglasfenster ein Nach Denkmalstreit geht es bunt zu

Fünf Buntglasfenster sind der neue Schmuck der Rottstocker Kirche. Am Sonntag werden die Kunstwerke des niederländischen Meisters Jacques Verheijen bei einem Gottesdienst eingeweiht. Lange mussten die Rottstocker um die Installation der Dauerleihgaben kämpfen. Sogar bis vor Gericht. Denn die Denkmalschützer des Landkreises waren dagegen.

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Der gute Hirte Abel als Buntverglasung vor dem Rundfenster der Rottstocker Kirche.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Rottstock. Wie auf Bestellung tasten sich die Strahlen der Wintersonne durch die Fenster der Rottstocker Kirche. Die von innen vorgehangenen Buntglasmalereien verbreiten plötzlich ein gedämpftes Licht und verleihen dem neogotischem Backsteinbau eine weihevolle, aber auch fröhliche Stimmung.

Orgel, Harfe, Pauke und Gitarre zieren neuerdings als 70 mal 52 Zentimeter große Bleiverglasungen die Spitzbogenfenster in den beiden Längswänden. Es ist ein Zufall der Geschichte, dass sich unter den Motiven Schriftbänder mit Sprüchen wie „Singet, rühmet und lobet“ oder „Fahret dahin mit Freuden“ aus der Erbauungszeit der Kirche von 1900 bis 1902 befinden. Hinter dem gemauerten Altar mit dem Jesuskreuz schmückt ein fünftes Kunstwerk das Rundfenster der Kirche. Die ebenfalls vorgehangene bunte Glasarbeit zeigt ein Hirtenbild mit Abel.

Eine offene Kirche

Zum festlichen Gottesdienst am Sonntag um 14 Uhr ist jedermann eingeladen. Die Rottstocker Kirche ist ein offenes Gotteshaus, das nach Absprache besichtigt werden kann. Seit der Eröffnung des Radwanderweges zwischen Ziesar und Görzke besuchen immer mehr Ausflügler die 1902 eingeweihte Kirche.

Erbauer der Rottstocker Kirche ist ein Görzker Maurermeister. Der neogotische Backsteinbau war ein Ersatz für den maroden Vorgängerbau aus dem Jahr 1730. Es gibt eine Orgel auf der Westempore, doch das Instrument ist derzeit nicht bespielbar.

„Die Buntglasfenster sind ein großes Glück für unsere Kirche. Und wir sind froh, dass wir die Geschenke nicht zurückweisen mussten“, sagt Sieglinde Räck vom Gemeindekirchenrat. Fünf Jahre hat es gedauert bis die von der Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts zur Verfügung gestellten Dauerleihgaben angebracht werden durften.

Die Rottstocker Kirche

Die Rottstocker Kirche.

Quelle: Frank Büstenbinder

Bei einem festlichen Gottesdienst zur Einweihung am Sonntag um 14 Uhr sind auch die beiden Stifter anwesend. Das sind Annette und Ernst Jansen-Winkeln aus Mönchengladbach. Das kunsthistorisch versierte Ehepaar hat es sich zur Aufgabe gemacht Glasmalereien aus aufgegebenen Kirchenbauten zu retten und einer neuen Verwendung zuzuführen. „Es ist immer bedauerlich, wenn solche Kunstwerke in einem Depot lagern. Wir sind erleichtert, dass wir in Rottstock endlich Einweihung feiern dürfen“, sagte Annette Jansen-Winkeln der MAZ.

Gemeindekirchenratsmitglied Sieglinde Räck vor einem der vier Seitenfenster

Gemeindekirchenratsmitglied Sieglinde Räck vor einem der vier Seitenfenster.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Die in Rottstock vor die Kirchenfenster gesetzten Buntglasmalereien stammen aus einer Kirche im niederländischen Roermond und sind ein 1947 geschaffenes Frühwerk des 1989 verstorbenen Künstlers Jacques Verheijen. Ginge es nach der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises würden die Bilder in irgendeinem Magazin ein trauriges Dasein fristen. Die Rottstocker mussten um den Kirchenschmuck kämpfen – bis vor das Brandenburger Verwaltungsgericht.

2012 hatte die Untere Denkmalschutzbehörde den Antrag der Kirche auf denkmalrechtliche Erlaubnis abgelehnt. Nach dem Potsdam-Mittelmark auch den Widerspruch gegen die Ablehnung nicht zuließ, entschied sich die Kirchengemeinde für den Klageweg und erzielte vor genau einem Jahr zumindest einen Teilerfolg: Die Fenster durften eingebaut werden. Allerdings ist die denkmalrechtliche Genehmigung zunächst auf drei Jahre befristet. Danach haben die Obere Denkmalschutzbehörde des Landes und die kirchliche Behörden im Kirchenkreis Elbe-Fläming über die Zukunft der Kunstwerke zu entscheiden. Bis zur fertigen Installation und Einweihung verging schließlich noch einmal ein Jahr. So dass die Fenster jetzt noch bis Ende 2017 mit offizieller Genehmigung in Rottstock zu sehen sind.

 

Von Frank Bürstenbinder

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