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Nach Spreewaldart auf der wilden Havel

Kahntouren in Pritzerbe Nach Spreewaldart auf der wilden Havel

Die Untere Havel ist nicht der Spreewald. Doch Carsten Muschol aus Pritzerbe kann seinen flachen Personenkahn auch mit einer Stakstange über das Wasser gleiten lassen. Der Naturführer zeigt seinen Gästen bei mehrstündigen Exkursionen die Tier- und Pflanzenwelt in der Flusslandschaft des Naturparks Westhavelland. Als Konkurrenz zur Fahrgastschifffahrt versteht er sich nicht.

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Naturführer Carsten Muschol zeigt seinen Gästen die Flusslandschaft der Unteren Havel.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Pritzerbe. Es könnte sich um einen Import aus dem Spreewald handeln. Doch Carsten Muschol (40) spricht natürlich lieber von einem Havelkahn. Viel Zeit und Geld hat der Pritzerber in das einst fast vergessene Boot investiert, um es wieder fahrtauglich zu machen. Mit der Indienststellung des rund zehn Meter langen Wasserfahrzeuges ist der Inhaber einer Computerfirma unter die touristischen Dienstleister gegangen. Sein Kunststoffkahn bietet auf sieben mit Sitzkissen belegten Bänken Platz für bis zu 14 Personen, die für einige Stunden den Alltag an Land vergessen wollen.

Für Sport- und Freizeitboote

Die Havel ist geografisch in drei Teilbereiche untergliedert; die Obere Havel, die Mittlere Havel und die Untere Havel. Im Rahmen eines Gewässerrandstreifenprojektes für die Untere Havelniederung zwischen Pritzerbe und Gnevsdorf hat die Renaturierung dieses Flussabschnittes begonnen.

Mit der Umsetzung haben der Bund sowie die Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) beauftragt. Unter anderem werden Altarme und Flutrinnen wieder geöffnet. Deckwerke werden abgetragen und Auenwälder angelegt.

Für die Fahrgastschifffahrt und den individuellen Bootsverkehr ist die Untere Havelniederung so interessant, weil die Berufsschifffahrt aus dem Renaturierungsgebiet herausgenommen wurde. Für diese ist der Fluss zwischen Rathenow und Havelberg seit 2008 gesperrt.

Muschol will mit seinem Kahn weder der Fahrgastschifffahrt Konkurrenz machen, noch feuchtfröhliche Bootspartien feilbieten. Der ausgebildete Naturführer unternimmt mit seinen Gästen Entdeckungsreisen entlang der Unteren Havel. Bei ihm an Bord sind Leute richtig, die Trauerseeschwalben oder Eisvögel beobachten wollen. Muschol kennt sich aus mit Seeadlern und Biberburgen, kann über die begonnene Renaturierung des Flusses und die Geschichte der menschlichen Besiedlung berichten. Das Leben in und an der Havel bestimmt den Fahrplan für die Naturexpeditionen des Pritzerbers.

In der Regel führen die Fahrten zunächst talwärts durch die Bahnitzer Kahnschleuse in Richtung Milow. Muschol steuert in Abstimmung mit der Naturparkverwaltung Altarme und verwunschene Buchten an, die Fahrgastschiffe, Bungalowboote und Charterflotten links liegen lassen müssen. So flexibel wie die Touren sind auch die Antriebsquellen des Bootes. Es kann mit einem 10-PS-Außenborder Strecke machen. In sensiblen Bereichen, wo die Uferzonen noch wild sind, rüstet der Bootsführer auf Elektroantrieb um. Es geht auch auf Spreewaldart. Dann greift Muschol zur sechs Meter langen Stakstange, die aus einem Eschenholzbohlen gefertigt wurde. Die Stange kann weit auf den Grund reichen, denn am Flussgrund gibt es zahlreiche Löcher, die deutlich tiefer als vier Meter sind.

Mit Motor geht die Fahrt schneller

Mit Motor geht die Fahrt schneller.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Wer den Naturführer für eine Kanutour bestellt, sollte mindestens zwei, besser drei Stunden einplanen. „Erst dann lohnt sich ein Ausflug, um die schönsten Seiten der Unteren Havel kennenzulernen“, weiß Muschol. Die Flusslandschaft rund um die über 1000-jährige Stadt Pritzerbe will entdeckt und nicht nur befahren werden. Das gilt auch für den Pritzerber See mit seinen ehemaligen Tonlöchern, die der Naturführer ebenso gern ansteuert. Für längere Beobachtungen an einem Standort gehört eine Steckstange für das Festmachen zur Ausrüstung.

Bis zu 14 Personen bietet der Kahn Platz

Bis zu 14 Personen bietet der Kahn Platz.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Die Lokale Aktionsgruppe Fläming-Havel fand die Idee für Bootsexkursionen auf der Unteren Havel für so attraktiv, dass dem Pritzerber Zuschüsse aus dem EU-Fördertopf für die ländliche Entwicklung bewilligt wurden. Weil solch ein Kahn eine Heimatbasis braucht, musste Muschol in eine Steganlage am Havelufer unterhalb der Kietzstraße investieren, die auch Platz für weitere Bootsbesitzer bietet. Der Publikumsverkehr für das Ein- und Aussteigen wird jedoch am Pritzerber Bootshaus oder an der Steganlage der Haveloase abgewickelt. Zusammen mit dem Naturhafen in Kützkow auf der anderen Seite der Havel hat sich mit Muschols Kahntouren der Wassertourismus in Pritzerbe vielseitig aufgestellt.

Nieselregen oder pralle Sonne sind für die Bootsfahrten auf der Havel kein Problem. Muschol hat den Kahn mit Spriegel und Plane nachgerüstet. Für jeden Teilnehmer ist eine Schwimmweste an Bord. „Problematisch werden die Ausfahrten allerdings bei starkem Wind. Dann kann es schon mal zu einer Terminverschiebung kommen“, so der Naturführer. Wer die Flusslandschaft lieber auf eigene Faust entdecken oder vom Boot aus angeln möchte, kann sich bei Carsten Muschol ein Ruderboot oder Kanus mieten.

Von Frank Bürstenbinder

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