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Brandenburg/Havel Nach Kindstod: Schornsteinfeger muss zahlen
Lokales Brandenburg/Havel Nach Kindstod: Schornsteinfeger muss zahlen
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00:19 25.01.2018
Torsten Jankwitz mit dem Foto seiner toten Tochter auf dem Weg in den Gerichtssaal. Quelle: Claudia Nack
Brandenburg/H

Die Hinterbliebenen der kleinen, im eigenen Elternhaus erstickten Charlotte aus Gollwitz wussten davon bisher nichts. Durch hartnäckiges Nachfragen ist jetzt herausgekommen, dass der Schornsteinfeger (66), der seinerzeit die Abgasanlage des Hauses und damit die tödliche Falle abgenommen hatte, doch nicht ganz ungeschoren davon gekommen ist.

Vier Menschen überleben, die Kleinste stirbt

Fünf Menschen verbrachten die Unglücksnacht des 19. Februar 2011, im Haus Schlossallee 119 im Brandenburger Ortsteil Gollwitz. Wegen einer falsch verbauten Heizungsanlage drang unsichtbares und geruchsloses, dafür aber lebensgefährliches Kohlenmonoxid in die Räume, während die Familie schlief. Vier Menschen kamen mit dem Leben davon, wurden am nächsten Morgen gerettet und in eine Spezialklinik gebracht. Die Kleinste von allen, Charlotte Jankwitz, damals drei Jahre alt, erstickte an dem tödlichen Gas.

Verfahren gegen Heizungsmonteure gegen Geldzahlung eingestellt

Erst mehr als sechs Jahre später kam der Fall vor Gericht. Zwei Heizungsmonteure waren angeklagt wegen fahrlässiger Tötung. Die Brandenburger Amtsrichterin stellte das Verfahren ein, noch ehe irgendein Beweis zur Sprache kam. Die Heizungsmonteure bezahlten als Trostpflaster jeweils 2000 Euro an die hinterbliebenen Eltern des toten Kindes.

Schornsteinfeger mitschuldig?

Vater Torsten Jankwitz, der dem Tod selbst knapp entgangen war, sah von Beginn an eine erhebliche Mitschuld des seinerzeit verantwortlichen Bezirksschornsteinfegermeisters. Zunächst fand er mit seinen Argumenten kaum Gehör.

Erst 2014 nahm die Staatsanwaltschaft Potsdam auch die Ermittlungen gegen den Kaminkehrer auf, der mit seiner Unterschrift die Freigabe dafür erteilt hatte, „dass Menschen in dem Haus wohnen dürfen“, wie Jankwitz es ausdrückt.

Die Ermittlungen gegen den Schornsteinfeger ruhten jedoch gut drei Jahre lang – nämlich bis das Verfahren gegen die hauptsächlich beschuldigten Heizungsmonteure im Juni 2017 abgeschlossen war. Im Lichte dieses Verfahrens kommt Staatsanwalt Peter Petersen zwar zu dem Schluss, dass der Schornsteinfeger hinreichend verdächtig sei, am 7. November 2009 in Gollwitz eine Straftat begangen zu haben. Dieses lautet auf fahrlässige Tötung, weil er die Freigabe trotz der schweren Montagefehler erteilte.

Staatsanwalt: Schornsteinfeger hat geringe Schuld

Jedoch findet der Staatsanwalt Gründe, das Verfahren wegen geringer Schuld einzustellen, denen das Amtsgericht zustimmt. Die Tatzeit im Jahre 2009 liege lange zurück, der Mann habe keine Vorstrafen und sein Verschulden sei im Vergleich zu den beiden Monteuren mindestens nicht gravierender.

Ein Feilschen um die Summe der Wiedergutmachung

Der Staatsanwalt will das Verfahren gegen den Schornsteinfeger daher einstellen, doch soll er 1500 Euro Wiedergutmachung an Charlottes Eltern zahlen.

Sein Rechtsanwalt will die Summe runterhandeln auf 1000 Euro und weist den Staatsanwalt darauf hin, dass sein Mandant kein Geld an den Kindesvater bezahlen möchte, weil der alles unternommen habe, ihn in der Öffentlichkeit an den Pranger zu stellen. Der Staatsanwalt zeigt dafür Verständnis und legt endgültig einen Betrag von 1200 Euro fest, den nun ersatzweise die Kinderkrebshilfe erhalten soll. Die geforderte Summe hat der Schornsteinfeger inzwischen bezahlt. Somit ist der Fall für ihn nun strafrechtlich abgeschlossen.

Staatsanwalt wollte Charlottes Eltern nicht informieren

„Wieder einmal ist alles hinter dem Rücken der Angehörigen passiert“, empört sich Torsten Jankwitz, dem die strafrechtliche Aufbereitung von Charlottes Tod ohnehin den Glauben an Gerechtigkeit genommen hat.

Von den Ermittlungen gegen den Schornsteinfeger und dem Ausgang des Verfahrens sollte er gar nichts erfahren. Der Staatsanwalt verfügte ausdrücklich, dass Torsten Jankwitz kein Bescheid und keine Mitteilung bekommen soll.

Doch Charlottes Vater hat nicht locker gelassen und will auch künftig nicht klein beigeben. Offen sind noch mögliche zivilrechtliche Ansprüche, die er und andere durch die Gasvergiftung verletzten Menschen geltend machen könnten.

Von Jürgen Lauterbach

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