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Nachtführung durch Gotthardtkirche inspiriert

Brandenburg an der Havel Nachtführung durch Gotthardtkirche inspiriert

Am späten Dienstagabend in die Kirche – warum nicht? Die erste Nachtführung durch die Brandenburger Gotthardtkirche bot dem Besucher einige Überraschungen. Vertraute Perspektiven und Ansichten erschienen dabei in einem ganz anderen Licht. MAZ-Redakteur Heiko Hesse war dabei, und meint: Die Premiere mit Pfarrer Philipp Mosch ist gelungen.

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Pfarrer Philipp Mosch hat den Besuchern zu später Stunde eine Menge über die Gotthardtkirche, die Reformation und das Christentum berichtet.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Die Sonne geht im Osten auf, am klaren Morgen in einem satten Orange. Oder nachts in der Gotthardtkirche. Ein paar Leuchten klug aufgestellt, lassen den Chor der ältesten Kirche der Stadt Brandenburg wie im Sonnenaufgang erstrahlen, nur dass das Licht nicht durch das Fenster dringt. Denn draußen ist es dunkel.

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Erste Nachtführung durch die Gotthardtkirche in Brandenburg bietet dem Besucher einige Überraschungen – Vertraute Perspektiven und Ansichten erscheinen in einem ganz anderen Licht – Premiere mit Pfarrer Philipp Mosch ist gelungen

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Am Abend vor dem längsten Tag des Jahres lud Gotthardt-Pfarrer Philipp Mosch zur Nachtführung durch das heilige Haus, zur ersten ihrer Art seit der Reformation, wie er sagt. Und genauso vergnüglich und launig ging es weiter. Rund 50 Leute hatten ihre Freude.

Die Idee dazu: „Als wir die Reformations-Ausstellung aufgebaut haben, fiel uns auf, wie schön es in der dunklen Kirche eigentlich ist“, erzählt Philipp Mosch. Warum also nicht einmal eine Führung zu nachtschlafender Zeit? Anfangs fürchtete Mosch, es komme kaum jemand. Doch in den letzten fünf Minuten vor Beginn strömten dann doch so viele Menschen durch den Turm aus dem 12. Jahrhundert in das Kirchenschiff, dass Mosch rundherum zufrieden war.

Viele Menschen strömen zu nachtschlafender Zeit ins Gotteshaus

Die Ouvertüre lag in den beiden Händen von Organist Andreas Patz-wald. Seine Improvisationen tragen die Gedanken des Besuchers durch das hohe Haus, zu den farbigen Stellen, hier blau, da grün, dort rot. So wandelbar ist eine Kirche, wenn man dem Betrachter die Chance, dieses erkennen zu können. Als Andreas Patzwald ein Kirchenlied anstimmt und die Wucht der Orgel entfaltet, ist dieser Zauber der Gedanken vorbei, ist die Kirche wieder der übliche Gottesdienstraum.

Den Eingang der Nordkapelle haben die Experten in ein fast schon magisches Blau getaucht, die Stiege zu ehemaligen Bibliothek gegenüber in ein leuchtendes Rot. In einen einstigen Weinkeller führt die Farbe Lila hinab. Das alles kann nur wirken, weil das Drumherum dunkel ist. Farbinsel leuchten auf.

Neuauflage und Ausstellung

Die nächste Nachtführung mit Orgelklängen soll es am 18. Juli geben. Beginn ist um 22 Uhr.

„Reformation konkret“ ist der Titel der Ausstellung an sieben Orten in der Kirche – zu sehen bis zum 31. Oktober. Die Kirche in der Brandenburger Altstadt ist täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Mehr zur Ausstellung unter www.gotthardtkirche.de

Wer meint, dies mache allein modernste Technik möglich, staunt über zwei betagte Bildwerfer. Zwei Dia-Projektoren brummen gemütlich vor sich. Ihr Job: Sie werfen am Abschnitt „Bildersturm“ Worte und Buchstaben an die Wand. Im Gegensatz zu Katharinenkirche in der Brandenburger Neustadt, wo einige Altäre und Bilder aus der katholischen Zeit aufbewahrt worden sind, ist man in St. Gotthardt mit einem festen Besen durch das Haus gegangen.

„Man wollte die Kirche möglichst komplett erneuern“, erzählt Mosch. Dieser Bildersturm bescherte der Altstadt-Kirche allerdings den ersten nachreformatorischen Altar in der Mark Brandenburg. Auch die Kanzel, die im Jahre 1624 die örtliche Tuchmachergilde gestiftet hat, gehört zu den frühesten ihrer Art.

Kanzel wurde im Jahre 1624 gestiftet

Der Geistliche reichte einen Korb mit Taschenlampen herum – Lampen mit einem Kurbeldynamo. Überall surrte es, ehe die Lichtpunkte aufblitzten. „Leuchten Sie mal nach oben“, bat Mosch. Ein Sternenhimmel zeichnete sich im Gewölbe ab.

Mit den Lampen durften die Besucher den Namenspatron der Kirche ins Licht setzen. An einer Seitenwand hat der Heilige Godehard seinen festen Platz und ist ein gutes Medium für besondere Geschichten. Godehards Tag ist der 5. Mai. Am 5. Mai 1972 brannte die Orgel nieder, die Kirche bekam eine neue Orgel – unter größten Mühen.

Als einmal ein loser Stein auf ein Dach fiel

Am 5. Mai 2012 fiel ein loser Dachstein auf ein Auto herab, die Kirche bekam eine neue Dacheindeckung – wieder unter größten Mühen der Gemeinde. Pfarrer Mosch hofft inständig, dass der Gemeinde weitere Schläge am Godehardstag erspart bleiben.

Von Heiko Hesse

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