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Nachts kommen die Fischdiebe

Kriminelle Machenschaften am Rietzer See Nachts kommen die Fischdiebe

Reusen am Quenz und auf dem Rietzer See wurden geplündert. Hecht, Aal und vielleicht auch Zander werden nun über dunkle Kanäle zu Geld gemacht. Durch 1000 Euro Belohnung erhoffen sich die Betroffenen die Aufklärung des Falls. 

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Dieser Fisch hat vielleicht noch mal Glück gehabt. Aber er könnte beim nächsten Mal den Fischdieben in die Hände geraten.

Quelle: dpa

Brandenburg/Havel. Die Fischdiebe fackeln nicht lange. Mit Messern durchschneiden sie das Netzwerk von vier Reusen und ziehen die Fangkammern an Land. Dann wird geplündert. Hecht, Aal und vielleicht auch Zander werden nun über dunkle Kanäle zu Geld gemacht. Was sich in der Nacht zum Montag am Quenzsee, an der Einfahrt zum Totenkopfgraben und im Totenkopfgewässer abspielte, ist der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Diebstahlserie. Der betroffene Plauer Berufsfischer muss drei Tage Fangausfall und mehrere tausend Euro Schaden verkraften.

"Wir rennen den Ereignissen leider hinterher", ärgert sich Ronald Menzel, Vorsitzender der Fischereischutzgenossenschaft "Havel" (FSG). Menzel vertritt die Interessen von rund 20 Berufsfischern zwischen Ketzin und Strodehne. Und die melden ihm jährlich etwa 30 Fischdiebstähle, die in der Regel immer mit schweren Zerstörungen am Fanggerät einhergehen. Im aktuellen Fall hat die berufsständische Interessenvertretung 1000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung des Falls führen.

Zwar hat die Schutzgenossenschaft einen Fischereiaufseher unter Vertrag, doch das zu kontrollierende Gebiet ist einfach zu groß. Nachtsichtkameras zur Überwachung der Netze reichen allein nicht aus. Selbst satte Geldstrafen für vom Brandenburger Amtsgericht verurteilte Aal-Diebe, wie im vergangenen Jahr, schrecken Nachahmer nicht ab. Erst letzte Woche wurden wieder mehrere Reusen im Rietzer See geplündert, auch auf der unteren Havel sind Fischdiebe eine Plage geblieben.

Was mit dem ganzen geklauten Fisch passiert, bleibt Spekulation. Für mafiöse Strukturen fehlen der Schutzgemeinschaft die Beweise. "Sollten wir diese je bekommen, werden wir dagegen vorgehen", kündigte Vorsitzender Menzel an. Als sicher gilt, dass es Angler gibt, die Gaststätten mit Nachschub versorgen. Das habe nichts mehr mit privatem Verbrauch zu tun, sondern sei schoflige Auftragsangelei zum Nachteil der Berufsfischerei, warnt Menzel.

Neben der kriminellen Szene, muss sich die Schutzgenossenschaft gerade im Sommer mit so genannten Schwarzanglern beschäftigen. 115 Feststellungen wurden vergangenes Jahr gemacht. In 64 Fällen hatten die kontrollierten Personen keine Angelkarte und keine Fischereiabgabemarke. Beides wird auch dann gebraucht, wenn sich Petrijünger auf Friedfische beschränken. Lediglich der prüfungspflichtige Fischereischein ist seit 2006 für das Friedfischangeln entfallen. Geahndet wurden 51 Ordnungswidrigkeiten. Dazu gehören das Angeln mit mehr als zwei Handangeln, vergessene Papiere oder die Schleppangelei mit dem Boot, wie es die FSG auf ihren Mitgliedsgewässern nicht erlaubt. Erinnert sei an einen Fall, der 2012 für Schlagzeilen sorgte. Damals fing ein Brandenburger beim Schleppen auf dem Wusterwitzer See gleich vier Meter-Hechte. Dabei ist dort das Angeln grundsätzlich tabu, weil der Wusterwitzer See als Produktionsgewässer gilt.

Von Frank Bürstenbinder

Information

Kontakt zur Fischereischutzgenossenschaft unter 0 33 81/40 32 44.

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