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Brandenburg/Havel Der Biber rettet den Ententeich
Lokales Brandenburg/Havel Der Biber rettet den Ententeich
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13:57 27.09.2018
Der kunstvoll angelegte Biberdamm am Sandfurtgraben Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Familie Biber hat der Stadtverwaltung ein Schnippchen geschlagen: Was lange nicht möglich schien, nämlich den Wasservogelteich im Krugpark zu retten, hat der baulustige Nager nun in Eigeninitiative erledigt.

Doch der Reihe nach: Anfang der 1980er-Jahre wurde die ehemalige Verlobungswiese nahe des Sandfurtgrabens vertieft und ein Zu- und Ablauf gegraben, damals waren sie noch nicht verrohrt. Der so entstandene Teich diente nicht nur den Stockenten und anderen Wasservögeln als Biotop sondern vor allem Lurchen und unzähligen Insekten, beispielsweise Libellen. In den Sandfurtgraben wurde eine so genannte Sohlschwelle eingebaut, dazu bedurfte es einer wasserrechtlichen Genehmigung. Das Bauwerk besteht aus Pfählen in der Grabensohle, vor die Steine geschichtet waren. Das Wasserspiegel an dieser Stelle etwas an, dennoch konnte das Wasser fließen. So wurde gesichert, dass genügend Wasser zum Teich fließen konnte.

Obwohl der Krugpark in Trägerschaft der Stadt liegt, hat wohl keiner in der Verwaltung daran gedacht, die zeitlich befristete Erlaubnis für die Sohlschwelle zu verlängern, erzählt Winfried Kohls vom Bürgerbeirat Eigene Scholle. Er ist auf vielen Gebieten Experte, beispielsweise im Naturschutzbund Deutschland und als Garten- und Landschaftsbauer. Zwischenzeitlich wurden große Teile des Krugparks zum FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) erklärt, was einem hohen Naturschutzstatus entspricht. „Wir haben immer gefordert die Schwelle muss in der Sohle bleiben, doch niemand wollte es hören, vor zwei, drei Monaten wurde sie abgebaut.“ Kurz darauf fiel der Wasservogelteich beinahe trocken – im Graben war nicht viel Wasser und der ultraheiße Sommer tat ein Übriges. Zudem ist der Teich durch Eintrag von Sand und Laub um einige Sedimentschichten und Schlamm sowieso in die „Höhe“

Wilfried Kohls sorgt sich um den Krugpark. Quelle: JACQUELINE STEINER

gegangen, er müsste ohnehin bald mal mit dem Bagger entschlammt werden. Das gilt vor allem für den Zustrombereich, da wo die nachträglich eingelassenen Betonröhren enden.

Nun kommt der Biber ins Spiel, wahrscheinlich sind es sogar mehrere. Sie haben es nämlich geschafft, nur wenige Meter hinter der alten Sohlenschwelle den Sandfurtgraben erneut anzustauen, mit einem kunstvollen Bauwerk, dass sie innerhalb weniger Tage errichtet haben. „Der Biber will einfach frei schwimmen, deshalb staut er Gewässer an“, sagt Kohls. Die richtige Biberburg hat er noch nicht gefunden. Am Fuße einer schräg stehenden Erle mit Doppelstamm liegt ein Deckwerk aus Ästen, das mit ziemlicher Sicherheit von einem Biber angelegt wurde. Doch ob die darunter teilweise hohl liegenden Wurzeln für eine Biberburg ausreichen, ist noch nicht klar.

Die Tiere sind nach Artenschutzverordnung und europäischem Recht streng geschützt, nicht nur ihre Burgen, auch ihre anderen Bauwerke dürfen in der Regel nicht zerstört werden. Wenn doch, dann nur nach einem langen Antragsverfahren, wenn das Gemeinwohl gefährdet ist. In der Stadt und in der näheren Umgebung gibt es mehrere Tiere, erzählt der Nabu-Experte. An der Havel sowieso, auch im Gränert und bei Wenzlow.

Der Wasservogel-Teich ist auch ein Paradies für Lurche und Libellen. Quelle: JACQUELINE STEINER

Zur anstehenden Einwohnerversammlung mit Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) wollen die Mitglieder des Scholle-Bürgerbeirats das Thema Sandfurtgraben und Wasservogel-Teich ansprechen. In diesem Zusammenhang geht es ihnen auch um den Uferschutz. Auf der anderen Grabenseite liegt der teilweise schon bebaute Rehhagen. Der geltende Bebauungsplan sieht vor, dass ein 25 Meter breiter Streifen bis zum Ufer naturbelassen liegenbleiben soll, doch darum scheren sich einige Anwohner nicht. „Wenn bei der Sohlschwelle Naturschutzrecht durchgesetzt wird, muss man es auch beim Uferschutz tun“, fordert Kohls.

 

Von André Wirsing

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