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Brandenburg/Havel Netzen: Kita soll Flüchtlingsunterkunft werden
Lokales Brandenburg/Havel Netzen: Kita soll Flüchtlingsunterkunft werden
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06:56 11.12.2015
Die ehemalige Kindertagesstätte in Netzen soll für Flüchtlinge ausgebaut werden. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Kloster Lehnin

Nach der Ankunft der ersten jungen Ausländer im ehemaligen Jugendheim in der Gohlitzsstraße haben die Bemühungen zur Unterbringung weiterer Flüchtlinge in Kloster Lehnin an Dynamik gewonnen. Mit Verspätung soll ab dem 21. Dezember die Belegung einer Erntehelferunterkunft in der Lehniner Waldsiedlung beginnen (ehemalige Fallschirmjägerkaserne). „Die Zusammensetzung der Ankömmlinge ist unklar“, sagte Bürgermeister Bernd Kreykenbohm in dieser Woche auf der Gemeindevertretersitzung.

Zunächst werden 50 Personen erwartet, weitere 59 Flüchtlinge sollen folgen. Während die mittlerweile über 20 unbegleiteten Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren im „Haus Lehnin“von der AWO Kinder- und Jugendhilfe Potsdam gGmbH betreut werden, ist der Arbeits- und Ausbildungsförderverein Kuhlowitz für das Objekt in der Waldsiedlung als Betreiber zuständig.

Die alte Netzener Kita soll zum Wohnraum für Flüchtlinge werden. Quelle: Jacqueline Steiner

Die Kommune selbst ist nicht untätig. So haben die Kloster Lehniner Gemeindevertreter den Weg für eine mögliche Sanierung der ehemaligen Kita in Netzen freigemacht. „Wir wollen in dem vom Verfall bedrohten Gebäude Wohnraum für Flüchtlinge einrichten, die ihre Erstaufnahme hinter sich haben“, teilte Bürgermeister Kreykenbohm mit. Die Finanzierung soll über ein spezielles Darlehensprogramm erfolgen. So ist eine zinsfreie Kreditaufnahme über 385 000 Euro vorgesehen. Einstimmig votierten die Abgeordneten die Aufnahme der Maßnahme in den Nachtragshaushalt 2015. Die Kommunalaufsicht muss zustimmen.

Unverändert bietet Kloster Lehnin dem Landkreis Quartiere für 150 bis 200 Personen in der Damsdorfer Kaserne an. „Seit Ende September warten wir vergeblich auf einen Eintritt in konkrete Verhandlungen“, bedauerte Bürgermeister Kreykenbohm am Mittwoch bei einem Treffen der Arbeitsgemeinschaft „Flüchtlinge Willkommen“ (AG) in Damsdorf. Aktuell wollen sich 60 Männer und Frauen in die Betreuung von Flüchtlingen einbringen. Mittlerweile sieht AG-Vorsitzender Axel Schmidt die Gefahr, dass die Motivation der Freiwilligen bald schwinden könnte: „Die Leute stehen Gewehr bei Fuß und nichts passiert.“ Noch im Sommer wollte der Landkreis am liebsten bis zu 600 Personen in der Damsdorfer Kaserne unterbringen. Nun wird die Offerte aus Kloster Lehnin immer noch geprüft, wie Kreissprecherin Andrea Metzler am Donnerstag bestätigte.

Das Tauziehen um die Kaserne Damsdorf als Flüchtlingsunterkunft hält an. Quelle: Jacqueline Steiner

Die Kommune will dem Kreis die Wahl des Trägers nicht selbst überlassen, sondern bringt den Betreiber gleich mit – den handwerklich orientierten Beschäftigungsträger Kubus (MAZ berichtete). Die gemeinnützige GmbH will nicht nur Betten zur Verfügung stellen. „Außer Wachschutz und medizinische Versorgung wollen wir Betreiber mit allen Konsequenzen sein“, erläuterte Kubus-Geschäftsführer Siegfried Klaßen den AG-Mitgliedern das Konzept, das als Modellprojekt Schule machen soll. Im Kern geht es um Integration durch Arbeit. Werkstätten sollen eingerichtet werden. Die Kinderbetreuung und die Reinigung der Gemeinschaftsräume soll in Eigenverantwortung erfolgen. Klaßen will Unterrichtsräume für Deutschkurse einrichten und Grillplätze anlegen lassen. Die Turnhalle wird genutzt und der Kinosaal soll nach einer Wiederherrichtung als offener Veranstaltungsort dienen.

„Mit diesem Konzept haben wir die Hoffnung, dass wir auch die Damsdorfer mitnehmen. Angesichts der Flüchtlingsnot ist die Verzögerung unverständlich“, so Bürgermeister Kreykenbohm. Der Haken am Kubus-Projekt: Geschäftsführer Klaßen plant mit dem doppelten Personalschlüssel wie in üblichen Flüchtlingsunterkünften. In Potsdam-Mittelmark wird ein Sozialpädagoge je 100 Flüchtlinge in Ansatz gebracht. Das ist schon besser als vom Land vorgegeben. Doch der in Damsdorf geplante Personalaufwand bereitet dem Kreis, der das alles bezahlen muss, wohl Kopfzerbrechen.

Unverständnis herrscht in Kloster Lehnin noch aus einem anderen Grund. Statt der Damsdorfer Kaserne fasst der Landkreis schon wieder ein anderes Objekt als Notunterkunft ins Auge. „Im Gewerbegebiet des Ortsteils Rietz wurde dem Kreis eine leerstehende Gewerbeimmobilie angeboten. Die Verhandlungen mit den Eigentümern laufen noch“, so Kreissprecherin Metzler. Dem Vernehmen nach fehlen nur Sanitärcontainer. Es handelt sich um den aufgegebenen Standort des Fahrzeugteile-Logistikers Hofmeister und Meincke. Die Eigentümer bieten die Immobilie allerdings auch zum Verkauf an.

Von Frank Bürstenbinder

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