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Netzener Monteur will Bedrohung erfunden haben

Erpressungsversuch oder Vortäuschung einer Straftat Netzener Monteur will Bedrohung erfunden haben

Das Landgericht Potsdam behandelt einen Fall aus der Autotuning-Szene. Drei Männer sollen einem Werkstattbesitzer aus Netzen gedroht haben, seine „Bude anzustecken“. Jetzt sagt das mutmaßliche Opfer, er habe den Fall erfunden aus Angst vor Garantieforderungen eines der Männer, dessen Golf er aufmotzen sollte, was misslang.

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Der Ort des Gerichtsprozesses: das Justizzentrum Potsdam.

Quelle: Foto: mai

Netzen/ Potsdam. Das Landgericht Potsdam rollt den Fall eines mutmaßlichen Erpressungsversuches in Netzen neu auf. Vor knapp einem Jahr hatte das Amtsgericht Brandenburg die drei Angeklagten freigesprochen. Dagegen war die Staatsanwaltschaft Potsdam in Berufung gegangen.

So kommt es, dass sich das mutmaßliche Opfer Felix M. und die drei Angeklagten wieder gegenüberstehen. Letztere sind der 23-jährige Steven Z. (23) und die beiden 30 Jahre alten Männer Christopher R. und Sven T. Sie sollen nach Überzeugung der Anklage am 10. Juli 2014 den Werkstatt-Betreiber Felix M. gedroht haben, „ihm die Bude anzustecken“, solle er ihnen nicht 4500 Euro zahlen.

Es geht um einen aufgemotzten Golf und Autotuning

Der Fall handelt von einem 25-Jährigen Kfz-Meister, der für seinen Ein-Mann-Betrieb ackert und um seine finanzielle Existenz kämpft, wie er vor Gericht mehrmals betont. Sie handelt auch von drei arbeitslosen Männern, die Verbindungen zur Rockerszene haben sollen. Es ist die Geschichte aus der Auto-Tuning-Szene. Es geht um einen aufgemotzten Golf , in den absurd viel Geld gesteckt wurde, und einem aus dem Ruder gelaufenen Werkvertrag zwischen dem Kfz-Meister und Steven Z.

Mit einem Freispruch endete die Verhandlung in der ersten Instanz, weil die Aussage von Felix M. für eine Verurteilung der Männer nicht ausreichte. Und auch dieses Mal sagt M wohl dutzende Male: „Ich kann mich daran nicht erinnern.“ Und gesteht: „Ich habe die Sache verdrängt und nach der letzten Verhandlung gedacht, dass die Sache jetzt gut ist.“ Der junge Netzener redete sich fast um Kopf und Kragen, so dass der Anwalt des Angeklagten Sven T. schließlich einwarf, dass der Zeuge nochmals belehrt werden müsse, sich nicht selbst zu belasten. Denn im Raum steht nun auch der Verdacht, dass der KfZ-Meister eine Straftat bei seiner polizeilichen Aussage vortäuschte, die es so gar nicht gegeben hat. Oder ist Felix M. derart eingeschüchtert von den drei Angeklagten, dass er zu seiner polizeilichen Aussage nicht mehr steht? Das ist die andere Variante.

Bei der Probefahrt zu schnell gefahren

Unbestritten ist folgender Sachverhalt: Der ungelernte Steven Z. kaufte sich in Aachen einen Golf 5 für 13 000 Euro. Auf einem Treffen von Tuningfans einigte er sich mit Felix M., dass dieser den Golf Baujahr 2006 mit einem leistungsstärkeren Motor aufmotzen sollte. Z. behauptet, dem Werkstattmeister dafür über 20 000 Euro in bar gegeben zu haben. Finanziert worden sein soll die Summe von seiner Großmutter. Zwei Motoren baute Felix M. nacheinander in den Golf. Jeder hielt nur kurz. Einmal soll Z. auf einer Probefahrt zu viel Gas gegeben haben, beim zweiten Motor, so räumt M. ein, seien ihm Fehler beim Einbau unterlaufen.

Schließlich verkaufte Steven Z. den Golf, offenbar weit unter Wert, für 2500 Euro. Ein 8500 Euro teures Zubehörteil hatte der Automonteur da schon ausgebaut, weil Steven Z. noch nicht alle Rechnungen bezahlt hätte. Dann kaufte Felix M. den Golf von dem neuen Eigentümer zurück, baute ihn auseinander, offenbar, um seine Einzelteile zu Geld zu machen.

Opfer suchte Schutz bei der Polizei

Wenig später, am besagten Julitag vor zwei Jahren, soll Z. dann mit den beiden Mitangeklagten, zwei bullig wirkende Männer, in der Werkstatt aufgetaucht seien und erst 8000, dann 4000 Euro gefordert haben. Zwei Tage später ging M. zur Polizei und sagte dort, die drei Männer versuchten, ihn zu erpressen. „Ich hatte Angst, dass Steven zivilrechtlich gegen mich vorgeht und Geld fordert. Dann hätte ich meine Werkstatt zumachen können. Ich suchte deswegen den Schutz der Polizei und habe das erfunden“, sagt Felix M.

Die drei Angeklagten verweigern die Aussage. Am 26. April wird das Urteil der 7. Kleinen Strafkammer erwartet.

Von Marion von Imhoff

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