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Neue Schlossbesitzer in Warchau

In altes Fachwerk verguckt Neue Schlossbesitzer in Warchau

Über mangelnde Arbeit können die neuen Besitzer des Warchauer Schlosses nicht klagen. „Wir haben zehn Jahre auf dem Plan, um es bewohnbar zu machen“, sagt Raumausstattermeister Torsten Beckmann. Der 35-jährige Berliner und Renè Köppe, ein Bautechniker, kauften das leerstehende denkmalgeschützte Herrenhaus von einem holländischen Immobilienmakler.

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Die neuen Schlossherren von Warchau: Torsten Beckmann (links) und René Köppe.

Quelle: Claudia Nack

Warchau. Für die neuen Besitzer des Warchauer Schlosses ist Arbeit ohne Ende angesagt. „Wir haben zehn Jahre auf dem Plan, um es bewohnbar zu machen“, sagt Torsten Beckmann. Eine gehörige Portion Idealismus und Freiheitsliebe gehören dazu. „Es muss auch Träumer geben“, findet der Raumausstattermeister.„Ich habe mich in dieses Fachwerk verguckt.“

Der 35-jährige Berliner und Renè Köppe, ein befreundeter Bautechniker, haben das denkmalgeschützte Herrenhaus im Sommer vorigen Jahres von Ronald Edgar de Bie gekauft. Der holländische Immobilienmakler hatte das stark sanierungsbedürftige Anwesen 2009 für 6400 Euro von der Gemeinde erworben, seitdem kaum etwas gemacht und wollte es im Internet für das Zwölffache wieder veräußern. „Wir liegen irgendwo dazwischen“, hält sich Beckmann bedeckt. Auch die Investitionssumme sei angesichts des Berges an Arbeit nur schwer abzuschätzen.

Zur Geschichte

Im Hauptgebäude des 235 Jahre alten Wachauer Schlosses, das bis 1945 von der Adelsfamilie von Britzke bewohnt wurde, befand sich zu DDR-Zeiten der Kindergarten. Im großen Kulturraum feierte das Dorf.

Vor der Wende verwaltete die Gemeinde das Objekt mit 13 Mietwohnungen selbst, danach die Wohnungsbaugesellschaft Ziesar. Da das Geld fehlte, um den Sanierungsstau abzuarbeiten, wurde es 2009 an de Bie verkauft. 2012 zogen die letzten Mieter aus.

„Wir fangen im Anbau an und arbeiten uns ohne Zeitdruck Stück für Stück in Richtung Schloss vor“, sagen die Freunde, die viel selber machen wollen, aber auch Fachfirmen einbinden. Während die Fachwerkfassade originalgetreu erhalten bleibt, wird im Inneren unter Beachtung der historischen Bausubstanz mit Einsatz ökologischer Baumaterialien wie Kalk- und Lehmputz saniert. „Wir möchten in erster Linie hier wohnen, aber auch der Kultur von Musik über Lesungen bis hin zu Geburtstagsfeiern einen Raum geben“, erklären beide, die sich Warchau als Altersruhesitz vorstellen. Perspektivisch sei auch eine Übernachtungsmöglichkeit für Wanderer oder Radler denkbar.

Schritt für Schritt ohne Zeitdruck

Der 37-jährige René Köppe arbeitet bei einer Duisburger Sanierungsfirma und kommt, wenn immer er Zeit hat. Der selbstständige Torsten Beckmann, der deutschlandweit vor allem im Messe- und Veranstaltungsbau tätig ist und eine Werkstatt suchte, hat seinen Wohnsitz inzwischen im Dorf und lebt auf der Baustelle. „Es ist ein bisschen wie Campingurlaub, denn Dusche und WC befinden im Holzschuppen im Garten, weil im Haus nichts nutzbar ist“, erzählt er, der an den Wochenenden von seiner Freundin unterstützt wird.

Stolz vor dem Gebäude

Stolz vor dem Gebäude.

Quelle: C. Nack

Offene Stellen im Dach nebst Rinne seien repariert, kaputte Ziegel ausgetauscht, „Notfallmaßnahmen“ durchgeführt. „Jetzt sind wir im mehrfach umgebauten Anbau dabei, Bad und Küche unter Erhalt historischer Substanz herzurichten.“ Sechs Wochen mussten sie im Sommer auf die Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde warten. Stellenweise haben beide das Gefühl ausgebremst zu werden. Beckmann umschreibt es so: „Die Zusammenarbeit ist verbesserungswürdig.“

Förderverein ist gegründet worden

Das Warchauer Herrenhaus war um 1780 von der Adelsfamilie von Britzke errichtet und 100 Jahre später erweitert worden. Im Hauptgebäude befand sich zu DDR-Zeiten der Kindergarten, im großen Kulturraum feierte das Dorf. Vor der Wende verwaltete die Gemeinde das Objekt mit 13 Mietwohnungen selbst, danach die Wohnungsbaugesellschaft Ziesar. Nach dem Verkauf an de Bie zogen 2012 die allerletzten Mieter aus. Den aus den 1950er Jahren stammenden simplen Stallanbau, durch den sich lange Setzungsrisse ziehen, würden die neuen Schlossherren gern durch eine Fachwerkstruktur für Werkstatt und Heizungsanlage ersetzen.

Der Bauantrag wurde im November gestellt. Nachbarn, die Beckmann ab und an durch das Haus führt, finden es toll, dass endlich etwas passiert. Gemeinsam mit Freunden und Familie ist ein Förderverein zum Erhalt des Warchauer Dorfschlosses gegründet.

Von Claudia Nack

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