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Neue Wohnungen in alter Schule

Netzen Neue Wohnungen in alter Schule

Netzen hat ein Problem, das der Ort mit nicht wenigen Dörfern der Region teilt. Die Orte, insbesondere mit guter Verkehrsanbindung, wären für Zuzügler an sich attraktiv, was fehlt ist jedoch häufig freier Wohnraum. Deswegen hat sich der Ortsbeirat jetzt etwas einfallen lassen und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe, sollte das Vorhaben gelingen.

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2001 räumten die letzten Schüler ihre Klassenräume leer. Seitdem harrt das frühere Schulhaus einer neuen Nutzung.

Quelle: Marion von Imhoff

Netzen. Bauboom im Land Brandenburg: Doch Potsdam platzt aus allen Nähten, Bauland ist für Normalverdiener kaum noch zu bezahlen, gleiches gilt für Kaufinteressenten von Einfamilienhäusern. So wandert der Blick jener, die aus Berlin hinaus ins Grüne ziehen möchten, über den engen Speckgürtel weiter hinaus ins Umland. Das Dorf Netzen mit eigenem Autobahnanschluss ist für Zuzügler durchaus attraktiv, zumal es im benachbarten Lehnin nun auch einen Abiturzweig am Schulcampus gibt – wäre da nicht ein Problem: „Es mangelt an freiem Wohnraum“, sagt Netzens Ortsvorsteherin Doris Triebsch (Die Linke). „Wir können die Nachfrage von Zuzüglern gar nicht befriedigen.“ Nun gibt es einen neuen Vorstoß des Ortsbeirates, dieses Problem zu lösen. So könnte das seit 2002 leestehende frühere Schulhaus in der Netzener Dorfstraße in Mietwohnungen umgewandelt werden. So lautet die Idee, die gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte.

Sie ist eine erfahrene Kommunalpolitikerin und seit einem Jahr Netzens Ortsvorsteherin

Sie ist eine erfahrene Kommunalpolitikerin und seit einem Jahr Netzens Ortsvorsteherin: Doris Triebsch am Gebäude des Kindergartens, der dort vor elf Jahren eröffnete.

Quelle: Marion von Imhoff

Denkbar seien ebenso altersgerechte Wohnungen wie solche für Familien, sagte Triebsch in einem Gespräch mit der MAZ. „Wir haben uns als Ortsbereit an die Gemeinde Kloster Lehnin gewandt mit der Bitte zu prüfen, ob Wohnungen dort zu realisieren sind“, sagte Triebsch.

Zwei Problem-Immobilien in einer Straße

Das Schulgebäude liegt direkt am Dorfanger und ist ein schmuckes, wenn auch mittlerweile etwas heruntergekommenes Haus mit Wintergarten und großem Grundstück. Ganz anders sieht es um die zweite Problem-Immobilie Netzens aus, das in der selben Straße liegt: In der Netzener Dorfstraße 8 war bis 2005 der Kindergarten beheimatet. Das schmucklose Gebäude harrt ebenso einer Zukunft wie das Schulhaus, das mehrfach schon ausgeschrieben war, für das bisher – auch angesichts seiner Größe – noch kein Käufer gefunden wurde.

In der Dorfstraße 8 war bis 2005 der Kindergarten zu Hause

In der Dorfstraße 8 war bis 2005 der Kindergarten zu Hause. Dann zog die Kita eine Querstraße weiter. Seitdem steht das marode wirkende Gebäude leer.

Quelle: Marion von Imhoff

Doris Triebsch und ihre Kollegen vom Ortsbeirat denken, die neuen Wohnungen könnten auch für Netzener interessant sein, die sich zu alt für die weitere Unterhaltung ihrer Häuser und Höfe fühlen, aber aus Netzen dennoch nicht wegziehen möchten. „Es gibt ältere Leute, die ihre Grundstücke nicht mehr unterhalten können. Junge Familien könnten dann diese Häuser übernehmen“, so die Ortsvorsteherin. Doris Triebsch ist seit Jahren schon Mitglied im Ortsbeirat. Sie kennt sich bestens in ihrem Heimatdorf aus.

Immer wieder erreichen Bauanfragen die Ortsvorsteherin

Immer wieder kämen auf sie auch Bauwillige zu, berichtet die 70-Jährige, die seit einem Jahr Ortsvorsteherin ist. Sie verweist auch auf das bekannte Ziel der Gemeinde Kloster Lehnin von Neuausweisung von Bauland und Vergrößerung der Einwohnerzahl. Weiteres Bauland könnte nach Einschätzung der Ortsvorsteherin entlang der Ortsdurchfahrt L 77 werden. „Laut Flächennutzungsplan ist es ausgewiesen für mögliche Bebauung. Wir haben den Antrag gestellt, in dieser Sache die Machbarkeit zu prüfen und im Haushalt 2017 dann einzuplanen“, so Triebsch. Es geht um die Fläche „Hackstücke West“ als Bauland und die mögliche Wiederaufnahme des Areals „Hackstücke Ost“ als Wohnbebauung.

Netzen hat rund 570 Einwohner. Beliebt ist das Dorf auch wegen seiner Naturbadestelle und seines Erholungsgebietes „Am See“. 2001 schloss die Netzener Grundschule. Seit 1999 wurde im Ort schon nicht mehr eingeschult. Es fehlte an Nachwuchs. Zuletzt unterrichteten vier Lehrerinnen 66 Kinder. Von 1854 an gab es in dem Dorf eine Schule. Doris Triebsch selbst hatte dort bis 2001 unterrichtet und schon ihre Ur-Großeltern hatten die Dorfschule besucht.

Netzener Dorfstraße 13

Die frühere Netzener Schule war bis 1945 Wohnsitz der Reichstein-Familie. Zuletzt lebte in der Netzener Dorfstraße 13 jahrzehntelang der Brennabor-Fabrikantensohn Carl Reichstein junior. Der Dreiseitenhof stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Car Reichstein junior war es auch, der die Dorfstraße mit 165 000 gelben Steinen befestigen ließ. Heute ist die Straße längst als Denkmal anerkannt. Reichstein war es auch, der den Teich am Dorfanger zuschütten ließ, weil er dort mit dem Auto beim Rangieren hineingefahren war.

Nach dem Krieg beschlagnahmten die Russen das Gebäude. Später zog die Schule in das Anwesen. Zuletzt unterrichteten vier Lehrerinnen drei Klassen. Auf Druck der Eltern schloss das Schulamt 2001 die Einrichtung – ein Jahr früher als geplant.

Von Marion von Imhoff

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