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Neuer Glanz für alten Jugendstil

Brandenburg an der Havel Neuer Glanz für alten Jugendstil

Mehr als zehn Jahre dauerte der Kampf um das Erhalten der Alten Plauer Brücke. Das Denkmal von 1904 hat zwar für den Verkehr nur noch eine sehr eingeschränkte Bedeutung, ist aber stadtbildprägend für das Fischerstädtchen. Jetzt kommen 1,8 Millionen Euro Fördergeld vom Innenministerium.

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Mit zahlreichen Protestaktionen wie im September 2016 hatten die Plauer für ihre Brücke gekämpft.

Quelle: André Wirsing

Brandenburg/H. Es zahlt sich am Ende aus, wenn die Lobby für ein Herzensprojekt nur groß und stark genug ist. Am Mittwochnachmittag hat Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) den Fördermittelbescheid über 1,8 Millionen Euro für das Sanieren der Alten Plauer Brücke unterschrieben, am Donnerstag hat dies Staatssekretärin Katrin Lange (SPD) dem Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) mitgeteilt.

Damit endet ein mehr als zehn Jahre währender Kampf, viele Plauer und Brandenburger hatten sich für den Erhalt des denkmalgeschützten Bauwerks von 1904 stark gemacht, auch wenn heute weder die Straßenbahn noch Autos oder Busse hier verkehren.

„Die lange Suche nach einer Förderung verlief bis zum Mittwoch ergebnislos. Daran war Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann maßgeblich beteiligt, sie suchte unter anderem Unterstützung bei dem SPD-Bundestagsabgeordneten Frank-Walter Steinmeier, dem damaligen IHK-Präsidenten Victor Stimming und beim ehemaligen Landeskonservator Detlef Karg“, sagt Scheller. Im Juni 2013 habe der damalige Innenminister Dietmar Woidke (SPD) den kreisfreien Städten weitere Hilfen aus dem so genannten Paragrafen 16 des Finanzausgleichsgesetzes vom Land zu, wenn diese die damals geforderte Erhöhung der Hebesätze für Grundsteuer B und Gewerbesteuer vornehmen würde. Im Paragraf 16 sind außerordentliche Hilfen für notleidende Kommunen geregelt.

Diese Bedingungen hat die Stadt im Herbst 2013 erfüllt – und entsprechend entschieden. Scheller hatte als Kämmerer maßgeblich einen Ergänzungsantrag initiiert, nachdem sich die Stadtverordneten am 28. August 2013 für den Erhalt der Brücke ausgesprochen hatten. Darin ging es um investive Hilfen für Kita-Sanierungen, technische Ausstattung von Schulen sowie das Sanieren der Plauer Brücke. „Den Antrag auf Förderung habe ich dann im März 2014 an das Ministerium des Innern und für Kommunales MIK geschickt. Im April 2016 wollte das MIK dann, dass wir diesen Antrag zurückziehen, weil dieser keine Aussicht auf Erfolg haben solle“, erzählt der Bürgermeister. Nach Gesprächen mit Ministeriumsvertretern habe er dann darum gebeten, wenigstens den Antragsteil für die Plauer Brücke noch mal zu prüfen. Offensichtlich erfolgreich.

Leichtbau-Variante ist vom Tisch

Zwischenzeitlich waren hinter vorgehaltener Hand Pläne diskutiert worden, die denkmalgeschützte Brücke komplett abzureißen und durch eine „Leichtbau“-Variante mit Rad- und Gehweg zu ersetzen.

Dagegen wären die Plauer allerdings Sturm gelaufen, sie sehen das Bauwerk als identitätsstiftend für das Fischerstädtchen an und veranstalten beispielsweise in jedem Jahr ein öffentliches Brückenpicknick, um auf den voranschreitenden Verfall der Brücke aufmerksam zu machen.

Im Jahr 2010 hatte das Potsdamer Büro VIC Brücken- und Ingenieurbau im Zusammenhang mit dem Erleichtern der Brücke – große Teile des schweren Fahrbahnbelages wurden ausgebaut – ein Papier geschrieben und mehrere Varianten zum Sanieren vorgeschlagen.

Die Kitasanierungen und Neubauten bestreitet die Stadt im Wesentlichen aus den Mitteln des Kommunalen Investitionsprogramms, aus dem die Kommune mehr als zehn Millionen Euro vom Bund erhalten hat. Nun hofft man auf weitere Bundesmittel aus einem angekündigten, aber noch nicht eröffneten, Programm zur Digitalisierung an Schulen, um die Bildungseinrichtungen mit moderner Technik versorgen zu können.

Für die alte Brücke haben sich verschiedene Interessengruppen eingesetzt: der Unabhängige Bürgerverein Plaue UBV, Ortsvorsteherin Lieselotte Martius (SPD), die überparteilich agierenden Brückenfreunde Plaue/Kirchmöser sowie zuletzt eine vor wenigen Monaten gegründete Bürgerinitiative als Gerüchte kursierten, das Bauwerk könne möglicherweise abgerissen werden. Die Sorge war unbegründet, wie sich nun herausstellt.

„Es ist eine unglaubliche Erleichterung für uns nach all den Widrigkeiten und fruchtlosen Versprechen, mit denen wir zu kämpfen hatten“, sagt Carsten Eichmüller von den Brückenfreunden. „Was lange währt, wird endlich gut.“ Die verschiedenen Interessenvereinigungen werden den Bau, der für das kommende Jahr angekündigt ist, interessiert begleiten. „Uns ging es im Wesentlichen um das Herrichten der drei Stahlbogenkonstruktionen sowie des Metall-Jugendstil-Gitters. Wenn noch der Belag so ertüchtigt wird, dass man vernünftig zu Fuß und mit dem Rad passieren kann, ist uns doch schon viel geholfen. Und ein stadtbildprägendes Gebäude für das Fischerstädtchen bleibt erhalten“, sagt Eichmüller. Kommende Woche soll über ein mögliches Brückenfest beratschlagt werden.

Von André Wirsing

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