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Neues Haus auf uraltem Grund

Bauen in Ziesar Neues Haus auf uraltem Grund

Es ziehen doch noch junge Leute in Ziesars Altstadt. Sophie Schönfeld-Köppen (28) und ihr Ehemann Stephan (30) haben in der Badstraße ein Einfamilienhaus gebaut. Der Bauplatz liegt mitten in Ziesars Sanierungsgebiet. Die Auflagen wirbelten einige Pläne durcheinander.

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Sophie Schönfeld-Köppen und Ehemann Stephan vor ihrem Haus in der Badstraße.
 

Quelle: Frank Bürstenbinder

Ziesar.  Die Badstraße hat ihre Nummer 10 zurück. Zu lesen ist die Zahl neben der Eingangstür von Sophie Schönfeld-Köppen (28) und Stephan Köppen (30). Das junge Ehepaar hatte den Mut, eine Baulücke mitten im Sanierungsgebiet der Stadt Ziesar zu ihrem künftigen Lebensmittelpunkt zu erklären. „Wir haben uns sofort in das große und trotzdem zentrale Grundstück verliebt“, erinnern sich die Lehrerin und der Landschaftsbauer. Beide lebten acht Jahre in Beelitz und wollten zurück in die Heimat. Sie stammt aus Rottstock, er ist in Ziesar groß geworden. Kita, Schule, Ärzte, Apotheke und Einkaufen waren für das Paar wichtige Kriterien bei der Suche nach einem Bauplatz. Mit Stephan Köppen hat Ziesars Feuerwehr ein neues Mitglied bekommen.

Welches Abenteuer nach dem Erwerb des über 2000 Quadratmeter großen Grundstücks von der Kommune folgen sollte, konnten die Käufer nicht ahnen. Den Einzug schafften die Köppens nach achtmonatiger Bauzeit im Dezember 2015. Und zwar ohne Baufirma. Dafür mit riesiger Hilfe der Familie sowie von Freunden und Bekannten. Der Weg zu ihrem neuen Heim ist leicht zu beschreiben. Genau vor dem Haus steht der aus Klinkersteinen errichtete Schaubrunnen, der an die historische Wasserversorgung Ziesars erinnern soll. Originelles Alleinstellungsmerkmal ist die wie zum Sprung ansetzende Katze, die den Schlussziegel auf der zur Straßenseite reichenden markanten Gaube bildet.

Das Bauen in einem Sanierungsgebiet ist mit Auflagen verbunden, auf die sich Bauherren wohl oder übel einlassen müssen. Am Anfang klang alles harmlos: Holzfenster, Tonziegel und Putzfassade. Am Ende konnten die Köppens ihre erste Hausvariante im nordischen Stil und mit vorspringendem Eingangsbereich zu den Akten legen. Erst der zweite Versuch fand das Wohlwollen der Denkmalschützer.

Dafür wurde auch aus der Erdgasheizung nichts. Erneuerbare Energien verlangten die Behörden. Doch Sonnenkollektoren passen nicht in eine historische Altstadt. Und weil der Baugrund ein Bodendenkmal aus der frühen Siedlungsgeschichte Ziesars ist, war die Gewinnung von Erdwärme tabu. „Am Ende blieb eine Luft-Wärme-Pumpe mit 15 000 Euro Mehrkosten“, berichtet Stephan Köppen. Die Fenster mussten zweiflüglig werden und zum hellbraunen Fassadenanstrich gab es keine großen Alternativen.

Herausgekommen ist ein Einfamilienhaus aus Porenbetonziegel, das sich in seiner zurücknehmenden Architektur gut in die historische Bausubstanz der Nachbarschaft einpasst. „Wir sind stolz und dankbar, dass uns das Haus mit viel Hilfe so gelungen ist, wie es heute steht. Auch wenn einiges anders lief als geplant“, sagt Sophie Schönfeld-Köppen. Schon vergessen scheint der Vorgängerbau, bei dem es sich um das ehemalige Gasthaus Störtebeker handelte. Die Stadt hatte die ruinöse Immobilie erworben und abreißen lassen. Der uralte Gewölbekeller ging dabei verloren.

Die Köppens haben es bei einer Bodenplatte belassen. Nicht ohne Dokumentation des Baugrundes durch einen Archäologen. Eine uralte Keramikscherbe und ein Pfeifenkopf aus der Zeit Friedrichs des Großen belegen, dass sich schon vor den Köppens Menschen auf diesem Grundstück wohl gefühlt haben. Kein Wunder bei dem Ausblick aus dem Dachfenster, der so traumhaft ist wie der große Garten, der zu einer Lebensaufgabe werden kann.

Von Frank Bürstenbinder

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