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Wirbel um Auftritt von Hitler-Double

Am Rande der NPD-Demo dreht Filmteam "Er ist wieder da" Wirbel um Auftritt von Hitler-Double

Ein Hitler-Double winkend auf einem Balkon vom "Hotel am Molkenmarkt". Da staunten einige Brandenburger am Samstagnachmittag nicht schlecht. Was die Brandenburger nicht wissen, es ist ein Schaupieler, der dort winkt - während wenige Meter weiter die NPD demonstriert.

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Das Hitler-Double auf dem Balkon.

Quelle: M. Petig

Brandenburg an der Havel. Die Frau ist entsetzt: „Da oben steht Hitler und winkt.“ Tatsächlich, da ist einer, der Hitler sehr ähnlich sieht, im beigefarbenen Trenchcoat, schaut er mit starrer Miene über den Molken- und den Neustädtischen Markt und winkt vom Balkon des Hotels am Molkenmarkt.

Keine Bange, alles nur für einen Film. Das Kuriose daran ist allerdings, dass die Berliner Produktionsfirma „Mythos-Film“ auf Brandenburgs Neustädtischem Markt ausgerechnet zu dem Zeitpunkt eine Hitler-Satire dreht, zu dem ein paar Meter weiter die Neonazis der NPD für ihre Sache demonstrieren und dazu zwei Gegenveranstaltungen laufen.

Dem Hitler-Darsteller Oliver Masucci zu Füßen grölt also ein Rechtsradikaler braune Parolen ins Megaphon, dazu schrillt es aus zig Trillerpfeifen zurück, geblasen von den Gegnern der NPD-Kundgebung am Samstagnachmittag. Für etliche der rund 70 Gegendemonstranten rückt die NPD-Aktion mit ihren etwa 30 schwarz gekleideten Teilnehmern so für eine Weile aus dem Blickpunkt.

"Stinkefinger" für die NPD.

Quelle: Heike Schulz

Zu skurril ist die Szene, die sich dem Betrachter auf dem Balkon des Hotels am Molkenmarkt bietet. Männer mit Kameras auf dem Balkon und unten auf dem Platz filmen den Trenchcoat-Hitler. Einige Augenzeugen unterstellen, die Neonazis würden einen Symphatisanten über den Markt winken lassen. Andere glauben an einen Beitrag für das NDR-Satire-Magazin „Extra Drei“.

Doch selbst als klar wird, dass es sich offenbar um etwas Komisches dreht, platzt einigen Gegendemonstranten der Kragen. Angesichts der dumpfbräsigen Demagogie, die aus dem NPD-Lautsprecher quillt, ist ihnen nicht nach Witzen über Hitler zumute.

Gedreht wird an diesem Samstag in Brandenburg die Kino-Verfilmung des Bestseller-Romans „Er ist wieder da“ (s. Info-Kasten). Warum in Brandenburg, für welche Szenen und warum ausgerechnet, wenn die NPD aufmarschiert? All diese Fragen bleiben unbeantwortet. Den am Set hüllt sich das Filmteam um Regisseur David Wnendt in eisiges Schweigen. Er verweist nur auf die Berliner Produktionsfirma „Mythos-Film“, die den Millionen-Bestseller Constantin Film in einem Jahr auf die große Kinoleinwand bringen will.

So müssen die Leute vom Film damit leben, dass sich die Außenstehenden ihren Mythos selbst zusammenreimen. Überrumpelt fühlt sich Hotelier Mario Mischker. Das Filmteam habe ihn lediglich gebeten, vom Balkon herab filmen zu dürfen. Man habe ihm eine Drehgenehmigung gezeigt.

„Als dann aber dieser Hitler hinter dem Regisseur hoch auf das Zimmer lief, kam mir das doch seltsam vor“, sagt Mischker. So stochert auch er im Nebel, welchen Zweck dieser Aufzug eigentlich hat. Vor dem Haus fährt nun ein kleiner weißer und ziemlich alter Fiat-Kastenwagen vor – von der Firma „Blumentraum M. Sawatzki“ aus Berlin. Der Trenchcoat-Hitler kommt mit Kamera-Gefolge aus dem Hotel und sieht sich von ein paar Neugierigen umringt. Ob ihm bewusst sei, dass er für viel Aufregung gesorgt habe“, fragt ihn die MAZ.

Schauspieler Masucci behält seine Satire-Rolle bei: „Ich bin wieder da“, sagt er in ernstem Ton. Ob er direkt aus Österreich gekommen sei? „Aus Berlin“, kontert er knapp und lässt seinen Blick über die NPD-Horde schweifen. Er kommentiert sie mit den Worten: „Alles Schlappschwänze.“ Das klingt ein wenig nach Christoph Maria Herbst, der auch schon den Hitler gegeben hat und ebenfalls im Film mitspielen soll. Masucci schiebt sich auf den Beifahrersitz des Blumenhändler-Autos. Abfahrt und ein letztes Winken.

Info

  • Oliver Masucci, der Mann mit dem strengen Seitenscheitel und der Rotzbremse, ist ein Theater- und Filmschauspieler, er soll offenbar die Rolle als auferstandener Adolf Hitler spielen.
  • Der Bestseller „Er ist wieder da“ stammt aus der Feder von Timur Vermes. Mit seinem Debütroman gelang dem Autor und Journalist ein Überraschungserfolg, der sich knapp 1,4 Millionen Mal verkaufte. Die Hitler-Satire steht auch in England in der Times-Bestenliste auf Platz 1.
  • Die Handlung: Hitler wacht im Jahr 2011 mitten in Berlin auf einer Wiese auf und glaubt, der Krieg sei noch im Gange. Unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel, startet er eine neue Karriere – im Fernsehen, weil ihn jeder für einen Komödianten hält, obwohl er doch der echte Führer ist. Timur Vermes hat, soweit bekannt, auch das Drehbuch geschrieben.

Von Heiko Hesse

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