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Brandenburg/Havel Noch ist das Handwerk nicht verloren
Lokales Brandenburg/Havel Noch ist das Handwerk nicht verloren
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15:12 26.02.2018
Matthias Specht (l.) und Maximilian Salomon sind die neuen Kfz-Mechatroniker in der Jürgens GmbH.  Quelle: JACQUELINE STEINER
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Götz

 Die Jürgens GmbH kann sich glücklich schätzen. Nach dreieinhalbjähriger Ausbildungszeit werden zwei junge Kfz-Mechatroniker ihrem Ausbildungsbetrieb treu bleiben. Der Standort in Bad Belzig bekommt Verstärkung durch Max Salomon.

Im Autohaus Jürgens in Brandenburg kann Matthias Specht seine Kenntnisse in der Werkstatt einbringen: „Hinter uns liegt eine solide Ausbildung. Da freue ich mich auf die neue Herausforderung.“

Sieben Mechatroniker haben die Lehre erfolgreich absolviert

Die beiden Jungfacharbeiter gehören zu den sieben erfolgreich ausgelernten Kfz-Mechatronikern, die am Mittwoch im Zentrum für Gewerbeförderung in Götz ihre Gesellenbriefe in Empfang nehmen durften.

Die Gesellen und ihre Ausbildungsbetriebe

Die Kfz.-Innung Brandenburg an der Havel hat folgende Gesellenbriefe übergeben:

– Max-Oliver Bölker (Automobilservice Robert Heymann, Brandenburg)

– Sebastin Otto (Autohaus Weinreich, Inhaber Stefan Weinreich, Lehnin)

– Maximilian Salomon (Jürgens GmbH Brandenburg)

-Matthias Specht (Jürgens GmbH Brandenburg)

– Paul Chistian Winke (Heinz Lucht e.K. Inhaber Alexander Lucht, Ziesar)

– Tim Leisner (Dehn GmbH, Brandenburg)

– Steven Pahl (Autohaus Mothor GmbH, Brandenburg)

Eigentlich hatte sich die Kreis-Handwerkerschaft Brandenburg/Belzig auf 14 Absolventen eingestellt. „Doch leider hat die Hälfte davon die Prüfung nicht geschafft“, bedauert der Obermeister der Kfz-Innung, Alexander Lucht aus Ziesar.

Die Durchfaller dürfen sich in einem halben Jahr der Nachprüfung stellen. Lucht selbst muss dieses Jahr ohne neuen Gesellen auskommen. Sein Lehrling Paul Christian Winke hat nach erfolgreicher Gesellenprüfung einen Job in seiner Heimatstadt Burg gefunden. „Wenigstens bleibt er unserer Branche erhalten“, tröstet sich der Obermeister.

Fachkräfte der Zukunft

Gute Handwerker können sich ihren Arbeitgeber heutzutage aussuchen. Fast in allen Gewerken wird händeringend Nachwuchs gesorgt. „Selten waren die Chancen für Berufsanfänger so gut. Ihr seid jetzt die Fachkräfte, auf die sich die Kunden verlassen“, sagte Robert Wüst, Präsident der Potsdamer Handwerkskammer in seiner Begrüßung zur Gesellenfreisprechung.

An der Veranstaltung nahm auch der Jahrgang der Zimmerer mit sechs Absolventen teil. Nur wenige Stuhlreihen reichten aus, um den Nachwuchs in beiden Berufsgruppen samt Freunde und Verwandte aufzunehmen.

Kfz-Innungsobermeister Andreas Lucht und Prüfungsausschussvorsitzender Klaus Sattler (l.) übergeben die Gesellenbriefe an den Berufsnachwuchs ihrer Zunft. Quelle: JACQUELINE STEINER

Kammerpräsident Wüst ist optimistisch, dass die Lehrlingszahlen bald wieder nach oben gehen: „Die Talsohle liegt hinter uns.“ Im gesamten Kammerbezirk Potsdam wurden 2017 rund 3000 Ausbildungsverträge abgeschlossen. So viele wie seit 2000 nicht.

An eine deutliche Entspannung auf dem Fachkräftemarkt ist kurzfristig jedenfalls nicht zu denken. Zur Erinnerung: 1998 konnte das Handwerk im Kammerbezirk Potsdam etwa 11000 Lehrlinge aufnehmen.

Aufträge gibt es, nur Personal finden ist schwer

Ausgerechnet in Zeiten der Personalnot ist über das heimische Handwerk eine Auftragsflut hereingebrochen. Wegen der guten Konjunktur müssen Kunden bis zu zwei Monate auf einen Handwerker warten. „Im Baugewerbe können Auftraggeber froh sein, wenn sie überhaupt einen Betrieb finden“, berichtete Kammerpräsident Wüst.

„Euch gehört die Zukunft“, rief er den jungen Kfz-Mechatronikern und Zimmern zu. Die Gesellen hätten allen Grund selbstbewusst in ihr Berufsleben zu starten.

Mit drei Hammerschlägen leitet Kreishandwerksmeister Bernd Elsner die Übergabe der Gesellenbriefe ein. Quelle: JACQUELINE STEINER

Ähnlich optimistisch sieht Brandenburgs Beigeordneter Wolfgang Erlebach die Chancen für die jungen Handwerker: „Sie werden kein Jobcenter brauchen.“ Erlebach überbrachte die Grüße der Havelstadt und lud die Zimmerer in seinen Dienstsitz ein, um den mittelalterlichen Dachstuhl des Gotischen Hauses in Brandenburg zu besichtigen.

Kreishandwerksmeister Bernd Elsner leitete nach den Grußworten mit drei Hammerschlägen die Öffnung der Innungslade ein, in der sich die Gesellenbriefe befanden. Das traditionelle Ritual gleicht sich seit 1990 bei allen Freisprechungen. Die reich verzierte und hölzerne Innungslade war damals ein Präsent der Drechslerinnung.

Lehre vorzeitig beendet

Die Kfz-Mechatroniker bekamen ihre Gesellenbriefe aus den Händen von Obermeister Andreas Lucht und dem Vorsitzenden des Gesellenprüfungsausschusses, Klaus Sattler.

Andreas Graf, Obermeister der Havelländischen Zimmererinnung übergab die Zeugnisse an die neuen Gesellen seiner Zunft. Darunter hauptsächlich junge Leute aus Oberhavel und dem Potsdamer Raum, wo es wegen der geringen Zahl Auszubildender keinen eigenen Prüfungsausschuss mehr gibt. Besonders stolz kann Zimmerermeister Renè Quappe von der gleichnamigen Zimmerei in Blankenfelde sein.

Der Betriebsinhaber hat zum sechsten Mal ausgebildet. Auch in diesem Jahr haben seine beiden Lehrlinge die Prüfung bestanden. Mit Alexandru Domasneanu stellt seine Firma sogar den besten Lehrling n seines Jahrgangs, der sogar ein halbes Jahr vorzeitig seine Lehre abschließen konnte.

Ilona Tietz von der Innungskrankenkasse übergibt dem vorzeitig ausgelernten Alexandru Domasneanu die Urkunde für die Ehrung als bester Lehrling seines Jahrgangs. Quelle: JACQUELINE STEINER

Was die scheinbar goldenen Zeiten des Handwerks anbelangt, fand Kreishandwerksmeister Bernd Elsner aus Brandenburg gegenüber der MAZ nachdenkliche Worte. Arbeit gebe es in der Tag genug, doch sie müsse auch auskömmlich sein, so Elsner.

Ein Hebesatz von 450 bei der Gewerbesteuer in Brandenburg an der Havel sei dem Handwerk jedenfalls nicht förderlich, so Elsner.

Von Frank Bürstenbinder

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