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Brandenburg/Havel Noch ist das Läuten in Gollwitz verboten
Lokales Brandenburg/Havel Noch ist das Läuten in Gollwitz verboten
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16:15 26.10.2016
Mitglieder des Gollwitzer Kirchenfördervereins mit Regina Rahn, Erhard Rahn, Riccardo Rahn, Ursula Hausmann und Erika Kühn (v.l.) Quelle: Rüdiger Böhme
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Gollwitz

Die Kirchturmspitze ist nicht mehr im Lot. Risse ziehen sich durch das Mauerwerk aus Feldstein. Die Fenster sind im schlechten Zustand. Die Biberschwänze halten nicht mehr dicht. Der kleinen Dorfkirche in Gollwitz bei Warchau geht es schlecht. Sogar die eiserne Glocke ist tabu. „Geläutet werden darf aus Sicherheitsgründen nur in Ausnahmefällen“, berichtet Ursula Hausmann vom Kirchenförderverein. Bleibt Hilfe aus, schafft das Gotteshaus keine weiteren 850 Jahre. So alt ist der Feldsteinbau nämlich. In Gollwitz ist eine der ältesten Kirchen in der Mark Brandenburg in Gefahr.

Die Gollwitzer Glocke darf nicht geläutet werden. Quelle: Rüdiger Böhme

Doch Rettung naht. Aus dem Leader-Programm für die ländliche Entwicklung fördert die Europäische Union den Erhalt des architektonischen Kleinods mit 240 000 Euro. „Als wir von der Bewilligung des Förderantrages erfahren haben, ist uns ein Stein vom Herzen gefallen. Unsere gemeinsamen Bemühungen mit der Kirchengemeinde und der Kommune waren nicht vergebens“, freut sich Ursula Hausmann. Der Kirchenkreis Elbe-Fläming und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland leisten einen Eigenbetrag in Höhe von 80 000 Euro. Das Geld reicht aus, um zunächst die bauliche Hülle der Kirche zu sanieren.

Zeugnis wechselvoller Geschichte

Die Gollwitzer Kirche ist Zeugnis der wechselvollen Geschichte des Dorfes, das unter dem Namen „Golwicz“ vor rund 800 Jahren gegründet wurde. Siedler errichteten die Kirche in der zweiten Etappe der Ostexpansion im 13. Jahrhundert.

Für Durchreisende ist die Kirche auch ein touristischer Anziehungspunkt. Diese befindet sich entlang der Fahrradroute „Bunter Dörferweg“, der Gollwitz über eine 4,5 Kilometer lange und begrünte Wegstrecke mit Wusterwitz verbindet.

Die nächste Veranstaltung des Kirchenfördervereins Gollwitz findet am 5. November um 19 Uhr im Warchauer Dorfgemeinschaftshaus „Mach mit“ statt. An diesem Abend liest der Heimatschriftsteller und Zeichner Eugen Gliege aus Semlin Sagen und Geschichten aus unserer Region von Wusterwitz bis Ziesar. Es besteht die Möglichkeit, signierte Bücher zu kaufen.

Für die fachliche Betreuung ist das Architekturbüro Fleege + Oeser zuständig, wo bereits an den Ausschreibungen für die einzelnen Gewerke gearbeitet wird. „Sanierungsbeginn soll im zeitigen Frühjahr 2017 sein. Denn bis zum Jahresende muss das Geld eigentlich ausgegeben sein“, so Erika Kühn. Sie wohnt direkt gegenüber der Kirche und sorgt sich wie andere Gollwitzer um die Zukunft des Bauwerkes. „Weil ich nicht eines Tages auf eine Ruine schauen will, engagiere ich mich sehr gern im Förderverein“, berichtet Erika Kühn.

Die Holzkonstruktion des Kirchturms ist marode. Quelle: Rüdiger Böhme

In fast jeder Familie hat der 2013 gegründete Förderverein einen oder mehrere Mitstreiter. Auf 15 Mitglieder kann Vereinsvorsitzender Werner Fräßdorf inzwischen zählen. Bei nur 20 Häusern im Dorf ist die Resonanz damit erfreulich hoch. Fräßdorf selbst konnte die Freude über den Förderbescheid nur kurz mit den Gollwitzern teilen. Er ist als Entwicklungshelfer im afghanischen Mazar al Sharif tätig und kommt nur alle zwei Monate nach Hause. Der MAZ sagte Fräßdorf am Telefon: „Wir sind einfach happy, dass es jetzt bald los gehen kann. “ Über Skype und Telefon lässt sich der Vereinsvorsitzende von seinen Mitstreitern über den Fortgang der Dinge informieren.

Die Gollwitzer Kirche soll wieder zu einem Schmuckstück werden. Quelle: Rüdiger Böhme

Grundlage für die bewilligten Fördermittel ist ein Nutzungskonzept, den der Förderverein mit der Kirchengemeinde Wusterwitz unter Pfarrer Holger Zschömitzsch abgeschlossen hat. Die Kirche ist danach nicht mehr nur ein Ort der Verkündigung. Unter ihrem Dach gibt es auch kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und Konzerte. Weltliche Trauerfeiern sind unter der Empore möglich. Auch am Kirchenraum nagt der Zahn der Zeit. Wassereinbrüche haben ihre Spuren hinterlassen. „Die Restaurierung im Innern ist noch Zukunftsmusik. Allerdings für das kommende Jahr eine Begasung gegen den Holzwurm geplant“, berichtet Ursula Hausmann vom Förderverein.

Der Gollwitzer Kanzelaltar. Quelle: Rüdiger Böhme

In den Sternen steht auch ein Ersatz für die zu schwere Eisenglocke, die nach dem 1.Weltkrieg als Ersatz für eine eingeschmolzene Vorgängerin aufgehangen wurde. Das neue Geläut soll aus zwei kleineren Glocken bestehen. Klang und Tonart wurden schon ausgewählt, weil davon die Konstruktion des Glockenstuhls abhängt. Doch zunächst steht die Rekonstruktion der Hülle mit Turm, Dach und Mauerwerk an. Eingebaut werden soll auf alle Fälle ein barrierefreier Zugang an der Westseite.

Schon vor der Förderung haben sich Vereinsmitglieder und Helfer bei Notsicherungen an Fenstern und am Turm um den Erhalt der Kirche verdient gemacht. Fehlende Ziegel wurden ergänzt und Fugen ausgebessert. Hilfreich zur Seite standen dabei unter anderem die Agrargenossenschaft Wusterwitz und der Warchauer Dachdecker Lahn.

Von Frank Bürstenbinder

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