Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Norbert Busch hängt den Kittel an den Nagel

Brandenburg an der Havel Norbert Busch hängt den Kittel an den Nagel

Norbert Busch, der älteste, noch praktizierende Allgemeinmediziner der Stadt Brandenburg geht in Ruhestand. Seine Patienten wollen gar nicht glauben, dass er mit 78 Jahren schon Schluss machen will. Doch er meint es ernst. Seine Nachfolgerin steht in den Startlöchern.

Voriger Artikel
Havelstadt-Kids lernen Herrn Wolke kennen
Nächster Artikel
MAZ unterwegs mit dem neuen Repo

Wo es am Schönsten ist: Norbert Busch hat jetzt mehr Zeit, die Stadt Brandenburg und Reisen in die weite Welt zu genießen.

Quelle: privat

Brandenburg/H. Also so richtig mögen es seine Patienten ja noch immer nicht glauben. „Doktor Busch geht in Ruhestand? Der Doktor doch nicht“, sagt eine ältere Dame, die das Haus in der Rosa-Luxemburg-Allee verlässt, in dem auch Norbert Busch sein Praxis hat. Oder besser hatte. Denn nun ist Schluss. Der älteste noch mit eigener Praxis arbeitende Allgemeinmediziner der Stadt Brandenburg hängt den weißen Kittel an den Nagel. Seit ein paar Jahren erzählt Norbert Busch, Jahrgang 1939, immer wieder mal davon, dass er bald aufhören werde.

Und womöglich hätte er, wäre mit Regina Rusch nicht die ideale Nachfolgerin gefunden worden, auch schon etwas eher dauerhaft den Weg in sein gemütliches Zuhause am Mühlendamm gefunden. Aber so ist er mit Regina Rusch durch alle Widrigkeiten gegangen, die die frühere Bundeswehrärztin noch aus dem Weg räumen musste, bevor sie sich nun am 1. Juli ganz offiziell in Hohenstücken als seine Nachfolgerin niederlässt.

Ursprünglich hatte Norbert Busch Zahntechniker gelernt. Aber das war ihm nicht spannend genug und es habe damals auch nicht genug schöne Mädel in diesem Berufsfeld gegeben, erzählt der Doktor, verschmitzt grinsend. Glücklich ist er seit vielen, vielen Jahren mit seiner Friderike. Die ehemalige Geigerin der Brandenburger Symphoniker wartet nun schon einige Jahre darauf, dass ihr Mann ihr in den Ruhestand folgt. Schließlich haben sie genug gemeinsame Pläne.

Allein: Bis dato ging immer die Praxis vor. Von 1964 bis 1970 hatte Norbert Busch in Berlin Medizin studiert. Dann folgte die Facharztausbildung, der sich ab 1975 die Arbeit im Brandenburger Plattenwerk in der Bebelstraße im Betriebsgesundheitswesen anschloss. 15 Jahre später, die Wende war eben gekommen, nahm Norbert Busch allen Mut zusammen und gründete seine erste eigene Praxis. Immer dabei: Die Schwestern Heike und Christa. „Daran, dass die Praxis gut lief, haben die Schwestern einen großen Anteil. Dafür muss ich mich einfach bedanken“, sagt Norbert Busch. 17 Jahre wuchs diese Praxis, 2007 kam dann der Umzug in die Luxemburg-Allee.

Wenn Freunde, Familie und Patienten Norbert Busch beschreiben fällt auf: Alle erinnern sich, dass er sich als Arzt Zeit genommen habe. Trotz des Drucks der Kassen, trotzt des Ärztemangels und voller Wartezimmer. Ja, manchmal habe es schon länger gedauert, heißt es aus berufenem Patientenmund. Doch man habe gern auf die Sprechstunde bei Norbert Busch gewartet. Da Busch seinen Schwestern mit auf den Weg gab: „Wir weisen niemanden ab!“, wurde die Patientenkartei immer dicker und die Arbeit immer mehr.

Doch auch das hat Norbert Busch nicht gestört. Bereitschaftsdienste, Hausbesuche, Überstunden – das gehörte bis zum Schluss zum Alltag des 78-Jährigen. Und glaubt man seiner sportlichen Nachfolgerin, dann ist der alte Herr in jedem Hausflur wieselflink nach oben unterwegs, weil er mindestens zwei Stufen nimmt.

Längst schon behandelt Busch drei Generationen von Brandenburgern. Die, mit denen er anfing, brachten ihre Kinder mit. Und die bringen ihrerseits nun längst ihren Nachwuchs zu Busch gebracht haben. Auf 47 Berufsjahre hat es der feierfreudige Gastronomen-Sohn nun gebracht. Seine noch bei ihm tätige Schwester, geht in die Praxis von Regina Rusch mit über. So bleibt jetzt Zeit für Kinder und Enkelkinder.

Offiziell endet seine Arbeit am 30. Juni. Doch am 27. Juni ist er zum letzten Mal in seiner Praxis. Dann locken Freizeit und Rente. Er will Sport machen, hat er seiner Frau Fritzi erzählt. Und auch seinem Shanty-Chor will er mehr Zeit widmen. Doch vorher geht es in die Ferne. Nach Singapur und Bali will das Paar nun unbedingt.

Allerdings: Wenn man mit dem Norbert Busch plaudert, ist er ganz schnell wieder bei der Medizin, erinnert sich an seine Zeit als Notarzt und die Flüge mit dem Hubschrauber. Und man merkt: Er brennt noch immer dafür. Der Doktor ist mit seiner Profession noch nicht fertig.

Von Benno Rougk

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg