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Otto-Normal-Patienten warten 44 Minuten

Notaufnahme in Brandenburg/Havel Otto-Normal-Patienten warten 44 Minuten

37 000 Menschen suchten im 2014 Hilfe in der Notaufnahme. Je nach Dringlichkeit warteten sie durchschnittlich zwischen knapp zwei Minuten und einer Stunde. SPD-Politiker Carsten Eichmüller hat allerdings deutlich länger gewartet. Woran er sich stört: Dass Patienten mit Qualen in der Wartezone den Blicken von Fremden ausgesetzt sind.

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Erfahrene Pflegekräfte kümmern sich um die Notfälle in der Rettungsstelle

Quelle: Klinikum Brandenburg

Brandenburg/H. Die Wartezeiten, die Patienten der Rettungsstelle im Klinikum Brandenburg in Kauf nehmen müssen, sind im vergangenen Jahr verglichen mit 2011 deutlich gesunken. Diese Auskunft gibt Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) den Brandenburger Stadtverordneten, nachdem sich der SPD-Kommunalpolitiker Carsten Eichmüller danach in einer Anfrage an die Verwaltung erkundigt hatte. 37 000 Menschen suchten im vergangenen Jahre Hilfe in der Notaufnahme.

Scheller bezieht sich auf Informationen der Klinikum-Geschäftsleitung zu den durchschnittlichen Wartenzeiten, bin ein Patient in der Notaufnahme nach seinem Eintreffen erstmals einen Arzt zu Gesicht bekommt. Also nicht darauf, wie lange es bis zum Ende der medizinischen Versorgung dauert.

Die Patienten werden nach einem bestimmten System, den sogenannten MTS-Kategorien, in Dringlichkeitsgruppen von „Sofort“ bis „Nicht dringend“ eingeteilt. „Sofort“-Patienten mit der Signalfarbe Rot hatten im Jahr 2014 nach Angaben des Klinikums innerhalb einer Durchschnittswartezeit von 55 Sekunden einen Arzt an ihrer Seite. Drei Jahre zuvor mussten sie den Angaben zufolge noch im Durchschnitt eine Minute und 39 Sekunden auf den Arzt warten.

„Nicht dringende“ Behandlungsfälle gingen schneller als „normale“

„Sehr dringende“ Patienten kamen im vergangenen Jahr nach durchschnittlich fünf Minuten an die Reihe. 2011 warteten sie sechs Minuten auf ärztliche Hilfe. Als mittlere Kategorie gelten die „dringenden“ Patienten in der Notaufnahme. 2014 kümmerte sich nach durchschnittlich 22 Minuten ein Mediziner um sie und damit ebenso schnell wie drei Jahre zuvor.

Die doppelte Zeit, nämlich statistisch 44 Minuten, mussten sich „normal“ eingestufte Patienten in der Rettungsstelle gedulden, sieben Minuten weniger als im Jahr 2011. Wo nach dem ersten Blick der Pflegepersonals „nicht dringende“ Behandlungsfälle vorlagen, wurde im vergangenen Jahr eine Wartezeit von 42 Minuten fällig, also sogar zwei Minuten weniger als in der „Normal“-Stufe. 2011 war noch eine Wartezeit von einer Stunde der Durchschnitt.

Carsten Eichmüllers Erfahrung: Nicht unter drei Stunden

Carsten Eichmüller, der sich über die Wartezeiten informieren ließ, kann die Angaben nicht entkräften, doch er wundert sich. Denn nach eigenen Erfahrungen und seinem subjektiven Eindruck sind deutlich längere Wartezeiten an der Tagesordnung, solange nicht Kinder betroffen sind.

„Ich war mit meinem Sohn in der jüngeren Vergangenheit zweimal dort und wir sind nicht unter drei Stunden rausgekommen“, berichtet der SPD-Politiker.

Er habe sich auch in seinem Bekanntenkreis umgehört. Auch andere Bürger hätten deutlich länger, als die Statistik verrät, auf ärztliche Hilfe warten müssen. Was ihn auch erheblich stört ist die fehlende Diskretion in den Räumen der Rettungsstelle. Schwerst kranke oder verletzte Menschen lägen vor den Augen aller Anwesenden in der Wartezone, das sei unwürdig und daher unbefriedigend.

Entlastung durch Bereitschaftspraxis

Am 5. Oktober 1985 öffnete die Rettungsstelle als neue Abteilung am Bezirkskrankenhaus in Brandenburg.

Erster Chef war Oberarzt Michael Hamann. Oberärztin Wiebke Weiland leitet die heutige Notaufnahme.

Rund 37 000 Menschen suchten im vergangenen Jahr medizinische Hilfe in der Notaufnahme des Klinikums in der Hochstraße. Das entspricht etwa hundert Patienten pro Tag. 2011 erhielten etwa 35 400 Menschen ihre Erstbehandlung in de Rettungsstelle.

Die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) befindet sich in Räumen des Klinikums, gehört jedoch nicht zum Krankenhaus. Seit dem 2. Juni 2014 werden dort akute, nicht lebensbedrohliche Erkrankungen in den Zeiten behandelt, in denen die Arztpraxen in der Regel geschlossen sind.

Eine gewisse Entlastung hat die KV-Bereitschaftspraxis der Klinikum-Notaufnahme gebracht. Die Geschäftsführung des Klinikums schätzt, dass wegen der Praxis etwa tausend Patienten weniger im Jahr Hilfe in der Rettungsstelle suchen.

Zur Besetzung der Notaufnahme teilt Bürgermeister Scheller mit, dass die Notaufnahme mit 20,5 Vollzeitstellen in der Pflege ausgestattet sei. Die Stellen seien auch besetzt, von krankheitsbedingten Ausfällen einmal abgesehen. Hinzu kämen noch Arbeitskräfte, die den Patiententransport in die Notaufnahme unterstützen. Seit dem vergangenen Jahr arbeite ein Arzt mehr in der Rettungsstelle, die Zahl der Vollzeitarztstellen somit auf 3,5 Stellen erhöht worden.

Der Service für Bürger, die auf die Schnelle medizinische Hilfe benötigen.hat seinen preis. Die Rettungsstelle, die im Oktober ihr 30-jähriges Bestehen feierte, ist ein Zuschussgeschäft fürs Klinikum. Das Defizit lag im vergangenen Jahr nach Verwaltungsangaben bei mehr als einer Million (1,15) Euro. Bis Mitte des Jahres 2015 habe die Notaufnahme erneut rote zahlen geschrieben und zwar mit einem Minus von knapp 500 000 Euro.

Von Jürgen Lauterbach

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