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Brandenburg/Havel Notaufnahme: Nur jeder 2. Patient ist ein Notfall
Lokales Brandenburg/Havel Notaufnahme: Nur jeder 2. Patient ist ein Notfall
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00:17 10.10.2017
Eigentlich für Notfälle gedacht: Die Notaufnahme Quelle: dpa
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Brandenburg/H

Brandenburger, die sich unwohl fühlen, streben Tag für Tag in großer Zahl zur Rettungsstelle. Dabei ist fast egal, wie krank sie sind. Lieber gleich in die Notaufnahme als erst zum Hausarzt, scheint oft genug die (falsche) Devise zu sein. Diese Entwicklung führt dazu, dass von den täglich etwa hundert Patienten der Notaufnahme im städtischen Klinikum Brandenburg/Havel nach den dortigen Erfahrungen etwa die Hälfte nicht als Notfall kommt.

Solche nicht wirklich bedrohlich kranken Patienten rauben Notärzten und Krankenschwestern Zeit. Sie sind für das Klinikum inzwischen auch extrem unwirtschaftlich. Die eigentlich zuständigen niedergelassenen Ärzte würden und wollen sich um diese Patienten kümmern, die in den allermeisten Fällen durchaus behandlungsbedürftig sind, nur eben nicht als Notfälle.

Die Faktenlage: Anfang der 90-er Jahre behandelte die Rettungsstelle des städtischen Klinikums nach Angaben von Geschäftsführerin Gabriele Wolter etwa 16 000 Menschen pro Jahr. Inzwischen liegt die Zahl zwischen 38 000 und 40 000. Wolter: „Nur ein Drittel der Patienten in der Notaufnahme werden danach stationär aufgenommen.“ Die anderen werden zum niedergelassenen Arzt oder nach Hause geschickt, außer natürlich verletzte oder schwer angeschlagene Menschen, die mit dem Rettungswagen gebracht werden.

Die Notaufnahme ist beliebt bei hilfesuchenden Patienten. Doch oft genug wären sie beim Hausarzt besser aufgehoben. Quelle: Ruediger BoehmeRuediger Boehme

„Wir müssen unterscheiden zwischen Notfällen und akuten Behandlungsfällen“, erklärt Marianne Eisenschmidt, die im Ärztenetzwerk der Stadt engagiert ist. „In akuten Behandlungsfällen ist die Notaufnahme keine Option“, sagt die niedergelassene Allgemeinmedizinerin. Ein Kratzen im Hals oder jeden Rückenschmerz als Notfall zu behandeln liegt weder im Interesse des Krankenhauses noch der niedergelassenen Ärzte.

„Die Brandenburger werden doch beim Hausarzt genauso gut behandelt wie bei uns“, versichert Wiebke Weiland, die ärztliche Leiterin der Rettungsstelle. Für ihren Arbeitgeber, das städtische Klinikum, bedeutet die starke Nachfrage in der Notaufnahme eine hohe Belastung für die Ärzte und Pflegekräfte dort. Außerdem geht es empfindlich ans Geld.

Zum 1. April hatte die Kassenärztliche Vereinigung bundesweit eine „Abklärungspauschale“ eingeführt, berichtet Gabriele Wolter. Das Personal soll innerhalb von zwei Minuten pro Patient abklären, ob es sich um einen Notfall handelt. Dafür bekommen die Krankenhäuser 4,74 Euro pauschal. „Wir können ganz oft nicht innerhalb von zwei Minuten abklären, ob Schulterschmerzen nicht doch mit einem Herzleiden zusammenhängen könnten“, erklärt Wiebke Weiland. Sie macht deutlich, dass der Aufwand für eine verantwortungsvolle Erstuntersuchung höher ist. Bagatellfälle, die innerhalb weniger Minuten festgestellt werden, seien in der Notaufnahme selten.

Seit dem 1. Juli gilt die geänderte Abrechnungsordnung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Brandenburg, die aus Sicht der Krankenhausmediziner unvollkommen ist. Die Notärzte in der Klinik sind nun verpflichtet zu begründen, warum sie Kassenpatienten ambulant in der Notaufnahme behandeln.

Die KV habe die Notwendigkeit damit begründet, dass zum Beispiel Patienten in die Notaufnahme gehen, nur weil sie verreisen wollen und ihre Impfungen prüfen lassen wollen. Das sei aber eine ebensotypische Arbeit für den Hausarzt wie die Behandlung einer Hautrötung.

Wiebke Weiland weist darauf hin, dass die von der KV genannten Beispielfälle in der Notaufnahme des Klinikums so gut wie nie vorkommen. Auf der anderen Seite vermisst sie bestimmte Erkrankungen wie Knochenbrüche und Blutungen im Kopf in der geänderten Abrechnungsordnung , die seit Juli gilt. Alle Beteiligten wollen eine bessere Verteilung der Patientenströme erreichen. Wer zwar dringend behandelt werden muss, dabei aber nicht in großer Gefahr schwebt, sei am besten bei den Hausärzten aufgehoben oder außerhalb der üblichen Sprechzeiten in der Bereitschaftspraxis, die sich nur wenige Meter entfernt von der Notaufnahme ebenfalls im Klinikum befindet.

Ärzte stehen in der „KV Regio Med“ täglich bis abends bereit, auch an Samstagen, Sonn- und Feiertagen. Nachts sind die Bereitschaftsärzte unter Telefon 116117 erreichbar. Im Gegensatz zur Notaufnahme hätten diese oft weniger zu tun als sie leisten könnten, heißt es.

Von Jürgen Lauterbach

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