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Nur eine Streife im Einsatz: Polizei lässt hilflose Frau liegen

Brandenburg an der Havel Nur eine Streife im Einsatz: Polizei lässt hilflose Frau liegen

So unbefriedigend es ist: Auch Polizisten können sich nicht teilen. Eine Streife in Brandenburg an der Havel ließ eine Frau trotz Hilferufs im Vorraum einer Post liegen, weil sie zeitgleich einen Einbrecher jagen sollte. Der Grund: In dieser Nacht gab es nur eine Streife für 70.000 Einwohner.

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Ein Polizeiwagen im Einsatz.

Quelle: dpa

Brandenburg/Havel. Auch Polizisten in Brandenburg an der Havel können sich nicht teilen. So ließ eine Polizeistreife trotz eines Hilferufs eine Frau zu nächtlicher Stunde im Vorraum der Post in der Sankt-Annen-Straße liegen, weil sie zeitgleich einen Wohnwageneinbrecher in Hohenstücken jagen sollte. Ein Brandenburger Bürger findet es unbefriedigend, wenn das Personal nicht ausreicht, zwei Fälle gleichzeitig zu bearbeiten.

Heinz-Ulrich Fuhrmann (65) war in der Nacht des 24. Mai unterwegs zum Briefkasten in der Sankt-Annen-Straße. Im Vorraum der dortigen Post vor dem Geldautomaten fiel ihm ein Mensch mit Plastiktüten auf, der reglos am Boden lag. Ein Vagabund vielleicht, vielleicht aber auch ein hilfloser kranker Mensch.

Der Bürger klärte den Fall nicht selbst, sondern suchte die Hilfe der Polizei. Tatsächlich kam gegen 0.30 Uhr eine Streife des Weges, die er erfolgreich anhielt. Doch die Beamten waren in Eile, teilten Fuhrmann mit, dass sie dafür jetzt keine Zeit hätten, weil sie zu einem Einbruch nach Hohenstücken müssten. Andere Kollegen, die sich darum kümmern könnten, gebe es nicht. Denn zu dieser Stunde seien sie die einzige Polizeistreife in der Stadt.

Aktiver Einbrecher hatte Vorrang

„Das kann doch nicht wahr sein in einer Stadt mit mehr als 70.000 Einwohnern“, findet Heinz-Ulrich Fuhrmann. Polizeisprecher Heiko Schmidt hat den Vorgang intern recherchiert. Nach seinen Angaben hatten die Streifenbeamten in der Tat etwa zeitgleich den Auftrag erhalten, zu einem Einbruch in einen Wohnwagen zu fahren.

Der Täter soll zu diesem Zeitpunkt noch am Tatort aktiv gewesen sein, daher war der Einsatz eilig und hatte Vorrang. Einer der betreffenden Beamten berichtete dem Polizeisprecher, dass aus dem Bürgerhinweis kein Anhaltspunkt für eine Gesundheitsgefährdung oder Hilflosigkeit der im Vorraum liegenden Person hervorgegangen sei.

Die Beamten haben laut Schmidt bereits mehrfach schlafende Personen im Postvorraum geweckt und des Platzes verwiesen. Nach ihrem Einsatz in Hohenstücken sei die Streifenwagenbesatzung zurück zur Post in der Sankt-Annen-Straße gefahren.

Nur ein Streifenwagen für 70.000 Einwohner

Dort hätten sie eine 66 Jahre alte Berlinerin fest, die angab, obdachlos zu sein. Der Frau, die den Kollegen bereits bekannt gewesen sei, fehlte gesundheitlich nichts. Die Polizisten forderten sie auf, den Postvorraum zu verlassen. Sie ging daraufhin in Richtung Bahnhof.

Die Einbrecher in Hohenstücken waren übrigens schon weg, als die Polizei eintraf. Sie waren nicht in den Wohnwagen eingedrungen, sondern hatten es nur versucht.

Polizeisprecher Schmidt bestätigt mit seiner Schilderung, dass in jener Nacht nur ein Streifenwagen bereit stand. Der genannte Bürger, eine ehemaliger Polizist, findet das unter Sicherheitsgesichtspunkten in einer 70.000-Einwohner-Stadt zu wenig.

Von Jürgen Lauterbach

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