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Brandenburg/Havel Ohne Hilfe von „dem da oben“
Lokales Brandenburg/Havel Ohne Hilfe von „dem da oben“
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20:17 01.10.2017
Enthüllung: Die beiden Pfarrertafeln wurden übergeben von Hans-Christian Fauth, Andreas Büchtemann und Jens Meiburg (von links). Quelle: Rüdiger Böhme
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Brandenburg/H

Fern von jedem Pfarrsprengel, seit 50 Jahren ohne eigenen Pfarrer – und dennoch eine quicklebendige Kirchengemeinde. Der Klein-Kreutzer Dorfkirche fehlt nur noch das Wiederaufsetzen der Turmspitze, die es in den 1980er-Jahren vom Orkan herunter geweht hat.

Ansonsten kümmert sich der Gemeindekirchenrat um Hans-Christian Fauth um den neogotischen Bau von 1868, der das Vorgänger-Gotteshaus von 1463 ersetzt hat. Vor vier Jahren erst wurden die neuromantischen Fenster des Glaskünstlers Günter Grohs aus Wernigerode eingesetzt, die dem schlichten Kirchenbau auch bei trübem Wetter ein besonderes Licht verleihen. Zu Ostern erst konnten in einem Kraftakt und nach langer Diskussion mit dem Denkmalamt die Emporenbilder der Vorgängerkirche wieder sichtbar gemacht werden – 16 Bilder mit Propheten, Evangelisten und Apostel – in ganz einfacher, doch bildhafter und verständlicher Malerei für die damals noch unter weitgehender Analphabetisierung leidenden Menschen. Seiot diesem Sonntag sind die beiden Pfarrertafeln zu sehen, die eine wurde von der Empore geholt und restauriert, die andere etwas schlichter und moderner neu geschaffen. „Damit können wir nachweisen, dass in Klein Kreutz seit der Reformation ununterbrochen reformatorisches Geisteswirken war“, sagt Fauth.

Möglich wurde dies durch Andreas Büchtemann, der studierte Physiker und heutige Rentner wohnt in Potsdam, hat aber eine besondere Verbindung nach Klein Kreutz. Sein Vater Paul Ernst Emil Büchtemann war bis 1967 der letzte ordentliche Pfarrer im Dorf. „Ich bin in Brandenburg an der Havel geboren und im Alter von zweieinhalb Jahren 1951 nach Klein Kreutz gekommen, als mein Vater die Stelle hier antrat.“ Er sei auch heute noch historisch interessiert, schreibt gerade an seinem zweiten Erinnerungsbuch und wird beim Erstellen der Kirchenchronik wesentlich mithelfen, die im kommenden Jahr zum 150-jährigen Bestehen des „Neubaus“ erscheinen soll.

Was aber haben Aktionen wie das Aufhängen der beiden Pfarrertafeln mit dem am Sonntag gefeierten Gottesdienst zum Erntedank zu tun? Diesen Bogen schlug Pfarrer Jens Meiburg in seiner kurzweiligen Predigt.

Für ihn sei Erntedank eines der größten Feste, nicht allein, weil er 18 seiner 22 Dienstjahre auf dem Dorf – unter anderem in Golzow – verbracht hat. Zwischen den großen Feiertagen Ostern und Weihnachten gehe es nämlich ans Eingemachte, um die Existenzgrundlagen fürs Leben. „Wer macht denn heute noch Gemüse ein, um sich für die weniger fruchtbaren Jahreszeiten zu versorgen?“ Zudem sei das Einfrieren von Lebensmitteln ungleich ökonomischer, zudem seien fast alle Lebensmittel zu jeder Jahreszeit weltweit verfügbar – wenn man sie bezahlen kann. Viele Erwachsene kennen noch die Zeiten, in denen Obst und Gemüse eingeweckt wurden, das sei heute scheinbar überflüssig. Und wenn man vom „Speicher füllen“ spreche, denken die Kinder heute nur noch ans Abspeichern von Bildern oder PC-Spielen. Selbst das Speichern von Geld auf dem Sparbuch sei kaum noch eine vernünftige Vorratsmöglichkeit.

Es gehe nämlich um ganz andere Werte als die rein materiellen. So seien es beispielsweise gemeinsame Erinnerungen, welche eine Gemeinschaft stützten. Ebenso gemeinsame Werte, eine gemeinsame Kultur, ein intaktes Dorfleben. Auch in so einer reichen Gesellschaft wie der unseren gebe es nicht nur einen Hunger nach Essen, sondern auch Hunger nach Würde und Gemeinschaft.

Deswegen sei es auch heute noch modern, Erntedank zu feiern. Das hätten auch schon viele Generationen zuvor viele Christen in ganz anderen Lebenssituationen und Nöten so gehalten. Wenn sich eine Kirchengemeinde so sehr engagiere für ihr kleines, feines Gotteshaus, wenn Menschen helfen, Erinnerungen und Traditionen zu bewahren, fahren sie auch eine Art Ernte ein.

„Es ist schon etwas ganz Besonderes, Klein Kreutz ist die einzige Gemeinde im Kirchenkreis, die keinem Pfarrsprengel angehört und damit auf das Recht verzichtet, mitzuwirken und beispielsweise bei der Wahl des Pfarrers mitzubestimmen“, sagt Meiburg.

Gemeindekirchenratschef Fauth antwortet pragmatisch: „Wir haben hier schon so viele Pfarrer kommen und gehen gesehen, die Gemeinde aber blieb immer zusammen.“

Von André Wirsing

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