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„Ohne Wurzeln gibt es keine Flügel“

Band Patchwork im MAZ-Interview „Ohne Wurzeln gibt es keine Flügel“

Raymund Menzel von der Brandenburger Band Patchwork spricht im MAZ-Interview über das Brandenburg-Lied „Woanders“, was er an seiner Heimatstadt so liebt und woher der Name Patchwork kommt. Außerdem verrät er, warum er froh ist, kein Berufsmusiker geworden zu sein und ohne wen es die Gruppe heute nicht mehr geben würde.

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Quelle: Juliane Menzel

MAZ: Ihr Lied „Woanders“ ist eine Hommage an  Brandenburg an der Havel. Wie kam es dazu?
Menzel: Wir alle haben unsere wichtigsten Lebensjahre in dieser Stadt verbracht, viele von uns wohnen noch immer hier oder in der näheren Umgebung.  Das Lied sollte einen slawischen Räubercharme haben, denn Brandenburg ist ein alter Ort. Das Stück passte zur Buga und ja, es ist ein Heimatlied, eine Hommage an unsere Stadt. Für mich steht fest: Ohne Wurzeln gibt es keine Flügel. Wir sind ein Teil unserer Heimat und wir prägen sie mit.

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Was mögen Sie an der Havelstadt besonders?
Menzel: Ich mag den Wasserreichtum,  bin viel mit Booten unterwegs. Außerdem finde ich toll, dass sich die Stadt so wunderbar seit der Wende entwickelt hat. Es leben hier viele Menschen, die mir nahe sind und mit denen ich den Alltag teilen kann. Brandenburger sind liebenswerte Menschen, mit Herz und Schnauze.

Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben?
Menzel: Wir sind kräftige Individualisten, jeder hat einen anderen Musikgeschmack und andere Ideen. Unsere Musik hat eine große Bandbreite, man kann sie nicht wirklich stilistisch abgrenzen. Einflüsse aus Rock, Soul, Blues, Ska oder Reggae spielen bei uns eine Rolle.

Kommt daher auch der Name der Band? Patchwork bedeutet ja so viel wie Flickenteppich.
Menzel: Ja, einerseits kommt der Name von den vielen musikalischen Einflüssen, die wir haben. Andererseits sind wir auch eine Band mit einem christlichen Menschenbild, bis 1987 hießen wir Ökumenische Kreiskirchenband Brandenburg. Die Musiker haben sich in   den evangelischen und katholischen Gemeinden in und um Brandenburg kennengelernt – insgesamt waren es etwa 50 Mitglieder, die sich immer wieder seit der Gründung der Band in den 1960er-Jahren die Klinke in die Hand gegeben haben.

Wie lange sind Sie schon Teil der Band?
Menzel: Seit meinem elften Lebensjahr, das war 1972. Unsere Mitgliederzahl ist seit 25 Jahren stabil: Wir sind sechs Musiker, ein Ton- und zwei Lichttechniker. Insgesamt sind 24 Kinder mit der Band aufgewachsen. Es gibt auch eine enge Verbundenheit der Frauen untereinander – ich würde das fast als Großfamilienmodell bezeichnen und das ist wahrscheinlich der Grund, warum es uns noch gibt.

Bedauern Sie es, kein Berufsmusiker geworden zu sein?
Menzel: Nein, ich bin sogar froh darüber. Wir haben alle unsere Berufe behalten und uns die Freiheit des Amateurmusikerstatus bewahrt. Und nur wir haben bestimmt, was wir inhaltlich spielen. Die Grundregel der Band ist jedoch, ein Wochenende im Monat im In- und Ausland auf Tour zu gehen. Im Sommer waren wir eine Woche in Rom und sind in den Vatikanischen Gärten aufgetreten. Das hätte ich mir nie träumen lassen. Unsere Bandausgaben können wir von dem, was wir machen, gut bestreiten  und bezahlen davon Mieten, Neuanschaffungen und Technik.

Sind schon neue Songs geplant?
Menzel: Ja, wir proben ständig. Unser Texter kommt immer mit neuen Ideen,  wir üben  jede Woche eifrig, was sich realisieren lässt. Manchmal erproben wir auch live.

Interview: Melanie Höhn

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