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„Opa Rudi“ ist Kult in Wusterwitz

Dorfleben „Opa Rudi“ ist Kult in Wusterwitz

Nach Halloween ist vor Halloween: Stockbrot backen mit Opa Rudi ist Kult in Wusterwitz. Der 74-Jährige widmet sich mit Tochter Veronika, Schwiegersohn und Gewerbevereinschef Ralf Becker den Kindern der Stadt. Doch Opa Rudi hat auch noch andere Interessen.

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Opa Rudi und Heide haben sich noch einmal in Halloween-Schale geworfen.

Quelle: Claudia Nack

Wusterwitz. Nach Halloween ist vor Halloween: Stockbrot backen mit Opa Rudi und Heide ist Kult in Wusterwitz. Der 74-Jährige macht es seiner mittleren Tochter Veronika, Schwiegersohn und Gewerbevereinschef Ralf Becker und den vielen dankbaren Kindern zuliebe.

„Ich stehe seit drei Jahren beim Halloweenfest des Gewerbevereins fünf Stunden an der Feuerschale und achte darauf, dass die Kinder ihr Brot nicht verbrennen“, sagt er. „Die meisten halten es mit der Spritze in die Flamme, es muss aber gleichmäßig über der Glut backen.“ Die Wartzeit verkürzt er ihnen mit Späßen und Gruseleinlagen, sonst wäre Opa Rudi nicht Opa Rudi. „Dieses Jahr haben wir drei Kilo verarbeitet“, schätzt Heide Rietz, die den Hefeteig um die Stöcke wickelt. Während der Teig sonst vom Bäcker kam, bereitete ihn diesmal Beckers Frau. „Uns macht es Spaß, wenn man die lachenden Kinder sieht, denen es schmeckt“, so die unternehmungslustigen Rentner. Manchmal sei Schlange stehen angesagt.

Stockbrot mit Opa Rudi

„Ich muss immer auf Achse sein, denn wer rastet, der rostet“, sagt Rudi Wolanke, der mehrere Talente hat. „Ich backe selbst gern“, verrät er. Während er für Schwarzwälder Kirsch oder Quarksahnetore eine Backmischung verwendet, stammt das Rezept für seinen legendären Hefekuchen von seiner niederschlesischen Oma Martha.

Rudi Wolanke mit seinem selbst gebackenen Hefekuchen

Rudi Wolanke mit seinem selbst gebackenen Hefekuchen.

Quelle: Nack

Kochen kann er nicht so gut. „Aber ich habe 29 Jahre lang Stahl am Siemens-Martin-Ofen gekocht“, sagt er. Bis 1985 arbeitete er im Stahl- und Walzwerk Brandenburg als Schmelzer, Gießer, Kranfahrer. Später wechselte er als Schlosser für Fahrzeugwaschanlagen zu den Berliner Verkehrsbetrieben und war nach der Wende „Hilfshandwerker“ für Fahrkartenautomaten. Dressman ist er seit drei Jahren. „Ich stehe aber nicht unter Vertrag und kriege keine Gage, sondern mache es als Hobby.“ Als Models für den Fashion Day gesucht wurden, hatte er sich auf eine Anzeige beworben und läuft seitdem bei der jährlichen Open-Air-Modenschau über den Brandenburger Laufsteg.

„Erst für Adler, dann für Ullerich, jetzt für Brillen Outlet“, zählt er auf. „Mir macht’s Spaß, ich bin unter Leuten, außerdem gebe ich als Löwe gern an.“ Privat steht er auf Jeans mit Hosenträger: „Ich bin sparsam im Einkauf.“ Für das Brandenburger Theater, wo er zu DDR-Zeiten zwei Jahre als Kartenabreißer tätig war und sich 2014 als Servicekraft beworben hatte, ist er offenbar zu alt. Offiziell hieß es, man habe sich ein anderes Klientel vorgestellt.

Gern auf dem Laufsteg unterwegs

Mit 69 machte Wolanke noch die Berechtigung für das Begleitfahrzeug BF 3, um Schwerlasttransporte abzusichern. „Ich wollte etwas Neues kennen lernen und meine Rente aufbessern.“ Wegen der anstrengenden Nachtfahrten blieb es nur eine Zwischenepisode.

Heide und Opa Rudi in Halloween-Kostümierung

Heide und Opa Rudi in Halloween-Kostümierung.

Quelle: Nack

Seine Leidenschaft für Dampfmaschinen hält ein Leben lang. „Ich wollte als Junge Lokführer werden, was wegen einer Sehschwäche nicht ging“, erklärt er. Der 74-Jährige kennt sie alle _ die Baureihen. Seine H0 will er aus Platzgründen verkaufen. Seit einigen Jahren fährt er mit einer Gruppe Eisenbahnfreunden quer durch Europa _ natürlich mit Dampfloks. Im Laufe der Zeit viele Tausende Kilometer. Die längste Reise von Peking zur tibetischen Hauptstadt Lhasa saß er in einer Diesel. Für seinen Traum muss er wieder sparen: „Ich will ein zweites Mal zur größten Dampfmaschinenausstellung ins südenglische Dorset.“

Von Claudia Nack

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