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Open-Air-Schau zeichnet neues Lehnin-Bild

Ausstellung an Klosterkirche Open-Air-Schau zeichnet neues Lehnin-Bild

Sechs Litfaßsäulen zeigen Kloster Lehnin und seine kulturelle Vielfalt als blühende Gemeinde. Die Ausstellung „Stadt-Land gestalten“ ist eine große Chance für die Gemeinde, sich auf Altes und Neues zu besinnen. Möglich macht das der detaillierte Blick des Berliner Teams Best auf alle 14 Ortsteile.

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Andrea und Christian Schulze an ihrem Nahmitzer Hafen. Das Foto ist Teil der „Tafeln der Aktivisten".

Quelle: Team Best

Kloster Lehnin. Kloster Lehnin kurz und knackig beschrieben: „Sieben Dörfer links von der Autobahn, sieben rechts“, so sagt es die Kunsthistorikerin Simone Oelker vom Berliner Team Best – Projekte für Baukultur und Stadt. Mit ihren Kolleginnen, der Kunsthistorikerin Nicola Bröcker und der Architektin Celina Kress, warf Simone Oelker im Auftrag der Landesarchitektenkammer und des Infrastruktur-Ministeriums einen forschenden Blick auf Kloster Lehnin.

Dafür fuhr sie viele hundert Kilometer von Trechwitz nach Reckahn, von Krahne bis Emstal, von Rädel bis Prütze und zurück nach Lehnin. Immer wieder. Auch die Gemeinde selbst bezuschusst das Projekt, es ist das dritte im Rahmen von „Stadt-Land gestalten“. Das Ergebnis ist ein spannendes Portrait der Gemeinde Kloster Lehnin, zu besichtigen nun auf sechs Litfaßsäulen als Open-Air-Ausstellung vor der Klosterkirche Lehnin. Es ist eine Untersuchung, eine Studie, ein Ins-Gespräch-Kommen mit möglichst vielen Menschen, die diese Region mit prägen. Genannt ist die Ausstellung „Zauche, Ziegel, Zisterzienser“. Die Begriffe stehen für die Landschaft und prägen deren Geschichte.

Zauche. Ziegel. Zisterzienser

Das Land Brandenburg fördert das vor drei Jahren geborene Projekt „Stadt-Land gestalten“ der Landesarchitektenkammer. Dabei wird eine Region soziokulturell untersucht auf Perspektiven und Chancen hin.

Das monatelange Projekt, das mit einer Gesamtpräsentation im Dezember in Berlin endet, bringt auch viele Akteure vor Ort ins Gespräch. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. Dezember zu sehen.

Für den 29. September sind dazu auch ein Architektengespräch und ein Workshop geplant.

Das, was die Ortsteile der Gemeinde verbindet, das trennt sie auch. Die Autobahn. Zugleich aber ist die Verkehrsader einer der Gründe für den Zuzug von Pendlern in die Kommune. Sie erhöht die Attraktivität und bringt doch immens Verkehr hinein in die Idylle.

Renate Fuchs im Stellmachermuseum in Damsdorf

Renate Fuchs im Stellmachermuseum in Damsdorf.

Quelle: Team Best

Jeden der 14 Ortsteile haben die Akteurinnen des Teams Best mit einem Slogan versehen. Prützke, das Reiterdorf mit Tradition, Reckahn steht für engagierte Baukultur, Krahne erhält die Überschrift Rittergut mit Tradition. Über Rietz wird da berichtet, das Zentrum sei die Schapwasche (einst Schafwäsche), eine Wiese am Naturschutzgebiet Rietzer See. Als Problem in Rietz gilt das hohe Aufkommen von Lastwagen im Ortskern.

Ein Ausbau der Alten Heerstraße zwischen Holzberg und Rietzer Berg könne da helfen, lautet die Empfehlung. Netzens Tradition als Ziegelleistandort bis 1967 ruft die orange gehaltene Litfaßsäule mit dem Titel „Gemeinsam handeln – Lieblings- und Einblicksorte“ in Erinnerung. Die Landbäckerei Kirstein in Rädel weisen die Litfaßsäulen als Lieblingsort aus, ebenso das Alte Spritzenhaus in Nahmitz mit der Ausstellung über die Feuerwehr-Geschichte. Einblicksort ist die Dorfkirche Trechwitz mit dem schwebenden Taufengel.

Wer den Kirchenschlüssel in Obhut hat und eine Führung anbietet, nämlich Kai-Uwe Manske, verrät die Open-Air-Ausstellung dem Betrachter nebenbei auch. Überhaupt, die Menschen. Ihnen sind Plakat-Poster gewidmet, die am Elisabethhaus aufgehängt sind – am Gebäude und nicht darin, denn es ist ja eine Open-Air-Schau, keine hinter Fensterglas.

Die Open-Air-Ausstellung vor der Klosterkirche in Lehnin mit Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner, Lieselotte Martius, Ortsvorsteherin vo

Die Open-Air-Ausstellung vor der Klosterkirche in Lehnin mit Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner, Lieselotte Martius, Ortsvorsteherin von Plaue, und dem Kommunalchef von Letschin im Oderbruch, Michael Böttcher. Plaue und Letschin standen in den beiden vorherigen Ausstellungen im Fokus. Auftraggeber ist jeweils die Landesarchitektenkammer Brandenburg.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Die Fotos sind eine Schau für sich: Da ist der Trechwitzer Ortsvorsteher Wolfgang Koßmehl, der Gärtner ist, inmitten eines blühenden Pflanzenmeeres. Das Material ist witterungsbeständige Lkw-Plane. Zu sehen sind auch Christian und Andrea Schulze, die seit dem Jahr 2000 den Hafen in Nahmitz betreiben. Natürlich stehen beide, Arm in Arm, am Netzener See.

Es ist ein typisches Bild, das die Menschen nicht nur als Charaktere zeigt, sondern zugleich inmitten ihres Wirkungs- und Schaffensortes. Lehnins Ortschronist Jürgen Back ist an seinem Lieblingsort fotografiert, dem Kessel, dem einstigen Verladehafen in Lehnin. Bernd Kreykenbohm, Kloster Lehnins langjähriger Alt-Bürgermeister, hat sich mit Hanno Schmitt und Silke Siebrecht-Grabig, ablichten lassen.

„Gemeinsam engagierten sie sich mit vielen Ehrenamtlichen für das historische Ensemble in Reckahn“, heißt es über den Bildungshistoriker, die Museumschefin und den früheren Verwaltungschef Kloster Lehnins. Bei der Ausstellungseröffnung stand ein begeisterter Hanno Schmitt vor den Litfaßsäulen: „Es ist eine sehr schöne Sache.“

Annett Förster aus Göhlsdorf in ihrem Seifengeschäft Sauberkunst

Annett Förster aus Göhlsdorf in ihrem Seifengeschäft Sauberkunst.

Quelle: Team Best

Die Tafeln der Aktivisten nennt Kloster Lehnins Bürgermeister diese Foto-Ausstellung. Die Gemeinde hat die Litfaßsäulen gekauft. Sie gibt die Ausstellung nicht mehr her. Wie anders war es beim ersten Stadt-Land-Projekt über Kirchmöser und die Gartenstadt Plaue. Monatelang bemühte sich damals das Team Best wenigstens um eine Ausstellungsfläche in der Stadt Brandenburg, bis die Litfaßsäulen vor der Stadtverwaltung in der Klosterstraße für ein paar Wochen Asyl fanden. Von da wanderten sie nach Letschin ins Oderbruch, dem Ort für das zweite Projekt Stadt-Land.

Bau-Kultur zeigt eine weitere Litfaßsäule über Kloster Lehnin, Wege-Netze. Da heißt es über die Kirche in Michelsdorf „Lehnins schöne Tochterkirche (...) Sie kommen dem Mittelalter ganz nah.“ Auf der gelb gehaltenen Litfaßsäule geht es um Land-Lehre, Bildung für alle.“

Das Institut für Kunst und Kultur findet dort seinen Auftritt, der herrliche Verein JustKultur mit der Kirche von Meßdunk und – nicht überraschend – das Schulmuseum Reckahn, ein Leuchtturm Kloster Lehnins wie der Schulcampus in der Goethestraße in Lehnin. Wirtschaftsorte sind auf der blauen Litfaßsäule, Gipsnich in Emstal, die Milchtankstelle in Damsdorf und das Stellmachermuseum in Damsdorf.

Und schließlich in Grün, wie sonst Wasser-Wald – Unsere Zauche über den Damsdorfer Fenn, den Strengsee und die Naturbadestelle am Görnsee in Grebs.

„Es geht mit diesem Format darum, Stadt-Planung verständlich zu machen und die Menschen dafür zu interessieren und zu motivieren, sich einzumischen und dabei mitzumachen“, sagt Celina Kress vom Team Best.

Die Ausstellung ist noch bis zum 3. Dezember zu besichtigen. Es ist so viel neu zu entdecken.

Von Marion von Imhoff

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