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Oper im Dom: Gespräche der Karmeliterinnen

Brandenburg an der Havel Oper im Dom: Gespräche der Karmeliterinnen

Der Brandenburger Dom ist ein beeindruckender Ort, um die „Gespräche der Karmeliterinnen“ (1957) des französischen Komponisten Francis Poulenc aufzuführen. Das Ensemble „Sakrale Oper Berlin“ war damit am Mittwochabend zu Gast. Den Künstlern gelang eine beeindruckende Vorstellung. Besonders eine Szene rührte das Publikum gewaltig.

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Sängerinnen des Projektes „Sakrale Oper Berlin“ bei der Aufführung am Mittwochabend im Brandenburger Dom.

Quelle: J. Steiner

Brandenburg/H. Es sind blutige Zeiten: Die Französische Revolution tobt im Land. Auch das Kloster zu Compiègne in der Nähe von Paris bleibt von den gesellschaftlichen und oft mörderischen Geschehnissen nicht verschont. Die junge Adlige Blanche tritt in den Orden ein, um ihren Angstzuständen zu entfliehen. Doch das revolutionäre Volk vertreibt brutal die Nonnen. Diese sind bereit, in den Opfertod für Frankreich und die Kirche zu gehen.

Blanche flieht zunächst panisch aus dem Kloster zurück nach Hause. Doch ihr Elternhaus steht leer, denn ihr Vater ist exekutiert worden. Auch die Nonnen werden zum Schafott gebracht. Im letzten Moment schließt sich Blanche freiwillig den Verurteilten an und geht mit ihnen in den Tod. Diese bewegende Geschichte wurde am Mittwochabend im Dom in Szene gesetzt. Die Sakrale Oper Berlin hat die Aufführung innerhalb der Sommermusik realisiert. Doch eine große Besucherschar, die ansonsten die Konzerte im Gotteshaus bevölkert, blieb aus. Schade auch deswegen, weil in der Havelstadt die Oper ein Schattendasein fristet.

Das reichhaltige Opernrepertoire von biblischen, aber auch allgemeinen religiös-philosophischen Themen wird seit zehn Jahren jeweils vom kleinen Team der Sakralen Oper unter der Leitung der Pianistin und Musikwissenschaftlerin Raminta Lampsatis realisiert. Eingeladen werden junge Sängerinnen und Sänger, die zwischen dem Masterstudium Oper und dem ersten Engagement musikalische Erfahrungen sammeln möchten.

Szene aus der Opernaufführung im Dom

Szene aus der Opernaufführung im Dom.

Quelle: J. Steiner

Natürlich nutzt die Ideengeberin für ihre Projekte vor allem Kirchenräume, die ein entsprechendes architektonisches und spirituelles Umfeld haben. So war der Brandenburger Dom ein beeindruckender Ort, um die „Gespräche der Karmeliterinnen“ (1957) des französischen Komponisten Francis Poulenc aufzuführen.

Es sind sicherlich finanzielle Beweggründe, dass die Sakrale Oper Berlin nur mit reduzierten gestalterischen Mitteln die Werke aufführt. Sparsam ist die Szenerie. Das Ambiente des Raumes muss für sich sprechen. Bei den Kostümen, so schien es, bedienten sich die Mitwirkenden aus ihrem eigenen Kleiderschrank. Für die Ästhetik der Inszenierung von Jacqueline Bruce war das nicht von Vorteil. Szenische Opernaufführungen wollen auch das Auge bedienen. Die Regisseurin hat sich für die gekürzte Fassung, die weniger Darsteller als das Original vorsieht, auf das Wesentliche beschränkt. Doch vieles wirkte statisch, oratorienhaft.

Einprägsam gelöst war jedoch die Schlussszene, in der die Nonnen unter der Guillotine sterben. Nacheinander löschen sie das Licht der Kerze aus und wenden sich vom Zuschauer ab.

Die Musik von Poulenc, die auf Melodik und einen lyrischen Ton romantischer Prägung, aber auch auf dramatische Erregung setzt, kann in den Vordergrund rücken. Vom Klavier aus ersetzt Raminta Lampsatis den Orchesterpart. Freilich kommen dadurch viele sensible Farbgebungen der Musik nicht zum Tragen, doch die Pianistin spielt souverän und immer partnerschaftlich mit dem französisch singenden Ensemble.

Das ist insgesamt großartig besetzt, aus dem vor allem die Kristin Patterson als sterbende Priorin zu erwähnen ist. Die Spuren des schweren Lebensweges der Nonne lässt die Altistin ausdrucksstark hören, ohne Druck zu erzeugen. Dabei war die tief unter die Haut gehende Sterbeszene der Höhepunkt.

Mary Molnar gelingt es, der Blanche natürliches Leben zu verleihen und beeindruckt mit vielfältigen Ausdrucksvarianten ihres schönklingenden Soprans. Der Beifall der rund 50 Besucher war von dankbarer Herzlichkeit geprägt.

Von Klaus Büstrin

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