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Operette: Eine Inszenierung mit Schmackes

Brandenburg an der Havel Operette: Eine Inszenierung mit Schmackes

Die Kollo-Operette „Wie einst im Mai“ geht immer noch. In einer Aufführung des Cottbuser Staatstheaters erlebte das Brandenburger Publikum am Wochenende einen bunten Berliner Bilderbogen. Natürlich mit Happy End.

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Ein wenig Alt-Berlin auf der Brandenburger Bühne.

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg/H. Ein ziemliches Kuddelmuddel. Schon Willi Kollo hatte wohl festgestellt, dass die Berliner Operette „Wie einst im Mai“, die sein Vater Walter Kollo 1913 komponierte, ein ziemliches Tohuwabohu an Handlungssträngen verursacht. Er überarbeitete das Werk gemeinsam mit Walter Lieck, brachte mehr Übersichtlichkeit in das Ganze und gab es zur Wieder-Uraufführung dreißig Jahre später wieder frei, „Vaters Melodien sind die alten geblieben, nur ihr harmonisches Gewand musste erneuert werden“ schrieb er und komponierte eigene Titel noch hinzu.

„Wie einst im Mai“ war nun am Wochenende im Brandenburger Theater in einer Aufführung des Cottbuser Staatstheaters zu erleben. Es hat ebenfalls am Stück fleißig gebastelt und eine Fassung aufgelegt, die mehr Transparenz bietet und der Inszenierung zu mehr Tempo verhelfen kann. Seit zweieinhalb Jahren wird die Operette von Vater und Sohn Kollo mit großem Erfolg in Cottbus gezeigt. Regisseur Matthias Winter hat versucht, das gut 100 Jahre alte Stück, das die Geschichte von Fritze Jüterbog, einem Berliner Jungen mit dem Herz auf dem rechten Fleck, und von Ottilie, einer Tochter aus adeligem Hause, liebt, zu erzählen.

Doch die Eltern wollen den jungen Proletarier nicht in der Familie haben und verhindern eine gemeinsame Zukunft der jungen Leute. Fritze wandert aus und macht große Karriere in der aufkommenden Automobilindustrie. Im lebensfrohen Berlin der 20er Jahre trifft er Ottilie wieder und die beiden müssen erkennen: Ihre Liebe ist stärker als die Zeit...

Immer dicht am Publikum

Immer dicht am Publikum.

Quelle: Jacqueline Steiner

Matthias Winters Inszenierung punktet mit Schmackes. In einen bunten Berliner Bilderbogen blätterte er die Geschichte im atmosphärisch dichten Bühnenbild von Hans-Holger Schmidt und den fantasievollen Kostümen von Nicole Lorenz auf. Neunmalkluge Regietheater-Ambitionen ließ er nicht aufkommen. Anrührend, witzig und spritzig wusste er das Personal durch die Geschichte Berlins zu steuern. Herz und Schnauze waren über den Abend hinweg trefflich verteilt.

Bis zu 20 Darsteller verlangt die Originalfassung. Die Cottbuser Aufführung ist in dieser Hinsicht sparsam. Sie wartete mit drei spiel- und sangesfreudigen Sängerdarstellern des Opernensembles für die Hauptrollen auf (Gesine Forberger, Hardy Brachmann und Heiko Walter), dazu kamen ein gut gelauntes Ballettensemble des Staatstheaters, das mit seinen Darbietungen revuehafte Momente in die Inszenierung brachte, sowie einige Statisten, die mit viel Spaß bei der Sache waren.

Langer Beifall für das Cottbuser Staatstheater

Langer Beifall für das Cottbuser Staatstheater.

Quelle: Jacqueline Steiner

Ein schier endloser Reigen bekannter Evergreens wie „Unter’n Linden, unter’n Linden”, „Die Männer sind alle Verbrecher” oder „Das war in Schöneberg im Monat Mai” erfreute die Zuschauer. Doch sie konnten auch bei den Herz-Schmerz-Einlagen in Melodien-Seligkeit schwelgen. Die Frank Bernard Band brachte die klanglichen Kontraste von knallig-schmissig bis lyrisch-beseelt wirkungsvoll zum Tragen. Nur hin und wieder waren sich Musiker und Sänger bei den Tempi nicht unbedingt einig.

Ein Leierkastenmann sowie das Blasorchester e.V. Cottbus sorgten ebenfalls für musikalischen Pfiff. In der Pause luden die Bläser zu einem Tänzchen ein, das einige Theaterbesucher fröhlich wahrnahmen. Die Cottbuser wurde von den Brandenburgern nach dem Finale langanhaltend und herzlich gefeiert. Alle waren sich einig: Das war mal knorke.

Von Klaus Büstrin

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