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Brandenburg/Havel Das Opfer schreit nicht um Hilfe: Freispruch im Vergewaltigungsprozess
Lokales Brandenburg/Havel Das Opfer schreit nicht um Hilfe: Freispruch im Vergewaltigungsprozess
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10:30 19.08.2018
Gewalt gegen Frauen, Vergewaltigung, Schutz, Symbol, Symbolbild Quelle: Pixabay
Brandenburg/H

Mit einem Freispruch zweiter Klasse endet in dieser Woche der Prozess gegen einen Erlebnispädagogen, der wegen Vergewaltigung vor dem Amtsgericht Brandenburg angeklagt war. Er hatte sich während einer Familienfreizeit über eine Kollegin hergemacht.

Der Angeklagte Christoph F. (39) und die Nebenklägerin Laura S. (28), deren Namen die Redaktion geändert hat, kennen einander seit mehreren Jahren. Der Erlebnispädagoge ist Gründer und Vorsitzender eines Vereins, der Schul-, Ferien- und Familienfreizeiten anbietet. Die Bildungswissenschaftlerin und erlebnispädagogische Trainerin arbeitet für diesen Verein.

Christoph F. hat eine Partnerin und drei Kinder, sieben Monate, zwei und vier Jahre alt. Im Jahr 2015 kommen er und Laura S. sich auf einer Freizeit näher und haben sexuellen Kontakt. Einvernehmlich. Den Flirt setzen beide fort bei einem Teamtreffen im Frühjahr 2016. Die Partnerin von Christoph F. kommt dahinter.

Anfangs einvernehmlicher Sex

In der Konsequenz beenden die beiden Pädagogen ihren sexuellen Kontakt und beschließen, nur noch kollegial miteinander zu verkehren. Christoph F. macht zwar noch einen Vorstoß, blitzt aber sofort ab.

Alles scheint geregelt, als die beiden Pädagogen mit zwei allein erziehenden Müttern und deren Kindern im November 2017 in ein Tagungshaus im Hohen Fläming fahren. Das Thema der vom Berliner Jugendamt finanzierten Familienfreizeit: Gewaltprävention.

Kurze zeit später ein Vorbote: Im Whirlpool, wo Laura S. auf eines der Kinder acht gibt, legt Christoph F. wenig später seine Hand auf ihren Schenkel. Sie weist ihn mit Blicken in die Schranken.

Vereinschef schlüpft ins Bett der Kollegin

Ganz anders in der folgenden Nacht im November 2017. Alle sind zu Bett gegangen, auch Laura S. schläft schon. Da steht plötzlich der Chef im Zimmer und schlüpft gleich darauf zu seiner Mitarbeiterin ins Bett.

Die erschrockene Frau dreht sich schlaftrunken zur Seite. Doch er rückt ihr näher. Sie dreht sich erneut weg, guckt ihn nicht eine Sekunde an. Er gibt nicht auf, streichelt ihren Körper. Sie räumt seine Hand an die Seite. Er zieht ihr T-Shirt hoch, sie zieht es wieder runter. Er liegt schließlich auf ihr, packt mit einer Hand ihren Hals und hält ihn fest.

Es folgt ein sehr intimer Verkehr – schmerzhaft und gegen ihren Willen, wie sie vor Gericht immer wieder versichert.

Zu viel Angst um zu schreien

Laura S. sagt während des Übergriffs die ganze Zeit kein Wort, nicht einmal nein. Sie schreit auch nicht um Hilfe. „Ich habe so große Angst vor schlimmer Gewalt gehabt, diese Angst lähmt den Körper“, erklärt sie der Richterin. „Ich habe mich vorher noch nie so bedroht gefühlt und konnte nichts sagen.“

Aber sie habe deutlich gezeigt, dass „ich nicht will“, betont die Frau als wichtigste Zeugin in dem Prozess. Sie habe in der bedrohlichen Situation keine andere Chance gesehen, als passiv zu sein.

Auf den „erkennbaren Willen“ kommt es an

Das Gesetz zur Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung ist am 10. November 2016 in Kraft getreten. Geregelt werden die Strafbarkeit von sexuellen Übergriffen, sexueller Nötigung und Vergewaltigung. Die Nichteinverständnislösung wurde erstmalig Bestandteil des deutschen Strafrechts.

Strafbar ist danach jede sexuelle Handlung, die gegen den erkennbaren Willen einer Person vorgenommen wird. Der Täter setzt sich also über den Willen des Opfers hinweg.

Frauen müssen, drastisch ausgedrückt, nicht mehr (wie früher) beißen, kratzen oder hauen, damit ein Gericht die Vergewaltigung später erkennen kann. Sie müssen dafür auch nicht ausdrücklich nein sagen.

Den Familien zuliebe habe sie die Freizeit fortgesetzt und sich nichts anmerken lassen, berichtet Laura S. Sie erträgt es sogar, sich von Christoph F. zum Flughafen bringen zu lassen, da ist sie allein mit ihm im Auto.

Staatsanwältin fordert Gefängnis

Erst zwei Tage später wendet die Pädagogin sich an einen Verein, der sich um vergewaltigte Frauen kümmert. Etwa zehn Tage nach dem Übergriff erstattet sie Anzeige.

„Mir ist das Risiko bewusst, dass es nicht zu einer Verurteilung kommt“, sagt die junge Frau vor Gericht. Die Staatsanwältin beantragt eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten wegen Vergewaltigung.

Der Angeklagte äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger plädiert auf Freispruch, denn Christoph F. habe „Null Bewusstsein, dass er sie vergewaltigt hat“.

Partnerin verfolgt den Prozess

Das Schöffengericht hält die Schilderung des Opfers zwar für glaubhaft, sieht sich aber außerstande zu beurteilen, ob Christoph F. erkennen konnte, dass die Frau keinen Sex wollte. Es gebe Anhaltspunkte dafür und dagegen. Im Zweifel sei der Angeklagte eben freizusprechen.

Ungeschoren kommt der Mann gleichwohl nicht davon. Denn sein Opfer hatte die Partnerin über den anstehenden Vergewaltigungsprozess informiert, den sie daraufhin verfolgte. Nach dem Urteil stand das Paar vor dem Amtsgerichtsgebäude und führte ein ernstes Beziehungsgespräch.

Von Jürgen Lauterbach

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