Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Optimales Gespür für die Klangfarben

20. Orgel-Sommer-Nacht in Sankt Katharinen Optimales Gespür für die Klangfarben

Seit 20 Jahren nun gibt Kantor Fred Litwinski seine Sommer-Orgel-Nacht-Konzerte in der Backsteingotik-Kirche Sankt Katharinen. In dem Riesen-Sakralbau holt er das Optimum aus seinem Instrument heraus und nimmt dennoch manchem Werk die aufgedonnerte Pracht.

Voriger Artikel
Sebastian Brendel als Motivator
Nächster Artikel
Im Torfloch beißen die Aale

Kantor Fred Litwinski in Sankt Katharinen.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Mit einem fast unerschöpflichen Klangreichtum können die Orgeln in Brandenburg aufwarten, im Dom, in der St. Katharinenkirche oder in der St. Gotthardtkirche. Es ist legitim, dass ihre Organisten die Instrumente nicht nur zu Gottesdiensten erklingen lassen, sondern auch zu Konzerten.

Am Freitag gab es in der St. Katharinenkirche ein Jubiläum, ein 20-Jähriges. 1996 lud Stadtkantor Fred Litwinski erstmals zu einer Sommer-Orgel-Nacht ein. Seitdem bereitet er jährlich anspruchsvolle Musikprogramme vor, rührige Gemeindemitglieder sorgen für schmackhaften Imbiss und kühlende Getränke, die in der Pause bei anregenden Gesprächen gern genutzt werden. Und wer mehr für die Bildung tun möchte, kann sich über das Innenleben der Orgel informieren. Die Katharinenkirche mit ihrem wunderbaren gotischen Raum, dessen festliche Stimmung durch die von Scheinwerfern angestrahlten Orgelprospekte unterstrichen wurde, vereinte zum Geburtstags-Konzert eine große Anzahl von Musikfreunden

Liwinski wählte für den ersten Teil Werke französischer und englischer Komponisten der Spätromatik. Aus dem schmalen Ouevre des Organisten von Ste. Clotilde in Paris und Komponisten César Franck spielte der Stadtkantor drei Choräle, die in E-Dur, h-Moll sowie die in a-Moll. Sie waren in ihrem pathetischen und innig-lyrischem Gestus für Franck Gebet und Lobgesang zugleich. Litwinski warb eindringlich auf der warm getönten Hauptorgel mit abwechslungsreicher Registrierung, straffen, doch nie übereilten Tempi und klaren Konturen, ohne romantischen Zuckerguss für die von feiner Erfindungsgabe erfüllten Choräle.Mit einem optimalen Gespür für Klangfarben wusste Litwinski drei Sätze aus der Suite Francaise, einem Werk von Francis Poulenc, das vor allem von gegensätzlichen Stimmungen lebt, zu musizieren. Des englischen Spätromantikers Edward Elgars Kompositionen haben fast immer etwas mit großem Gefühl zu tun, auch „The Vesper Voluntaries“. Sie machen fast in jeder Klanggestalt Effekt, auch wenn der Organist die drei Sätze sehr differenziert musizierte und ihnen dadurch dankenswerter Weise die oftmals aufgedonnerte Pracht nahm.

Im zweiten Teil musizierte das Berliner Saxophonquartett Modernsax mit Gerolf Gnausch, Manfred Michel, Rico Wolff und Petra Sauerwald. Nicht das Jazzige stand im Vordergrund, sondern klassisches konzertantes Musizieren. Mit einem abgerundeten Klang bot es einen orchestralen Sound, wobei auch jeder einzelne Musiker seine solistische Prägnanz unter Beweis stellte, so bei der Bearbeitung von Bachs Badinerie aus der Orchestersuite Nr. 2, die mit rasantem Tempo und überzeugender Leichtigkeit von Gerolf Gnausch auf dem Sopransaxophon angestimmt wurde und in die seine drei Mitstreiter sich zu einem perfekten Zusammenspiel fanden. Höhepunkt waren neben den feinfühlig musizierten Stücken „O Northern Star - for an Angel“ von Stephen Pollock und „Summertime“ von Georges Gershwin das Werk „Mountain Roads“ des US-Amerikaners David Maslanka. Die Musik von „Mountain Roads“, so kann man auf dem Programmzettel lesen, sei ein persönliches Statement über die Schönheit des Lebens und die Rätselhaftigkeit des Todes.Gefühlvolle und temperamentvolle Passagen, berührende Choralbearbeitungen von Bach, die mal in der Saxonphonfassung, dann als Original auf der Orgel (Fred Litwinski) geboten wurden, wechselten einander ab und sorgten in der Modernsax-Interpretation für eine bewegend dichte und nachdenkliche Aura. Verstärkt wurde sie durch die großartig atmosphärisch Fotoimpressionen von der skandinavischen Bergwelt, die Thilo Maußer einfing.

Von Klaus Büstrin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Ein neues Geheimdienst-Gesetz steht an: Sollte der BND mehr Befugnisse erhalten?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg