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Brandenburg/Havel Oratorium im Dom: Luther als Superstar
Lokales Brandenburg/Havel Oratorium im Dom: Luther als Superstar
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18:10 18.09.2017
Gut besetzt: Der Brandenburger Dom war am Sonntag Schauplatz des neuen Luther-Oratoriums „Wachet recht auff“. Quelle: Jast
Brandenburg/H

Neues soll und muss gewagt werden. So wie die Reformation vor 500 Jahren Neues aufbrach. Auch in der Musik. Ob die teils aufwendig besetzten Werke, vornehmlich die Luther-Oratorien, die landauf, landab in diesem Jahr zur Uraufführung kommen, jedoch Bestand haben, wird die Zeit entscheiden. Mit Titeln wie „Furchtlos und frei“, „Gaff nicht in den Himmel“, „Des Menschen Wille“ oder nur „Luther“ wird der Reformator regelrecht zum Superstar.

Der Brandenburger Dom war am Sonntag Schauplatz eines weiteren neuen Oratoriums. Die Textdichterin Kerstin Hensel und der Komponist Ralf Hoyer, beide in Berlin beziehungsweise im Brandenburgischen beheimatet, haben sich dem aktuellen Thema zugewandt und ihrem Oratorium den Titel „Wachet recht auff“ gegeben.

Für Hoyer war das Schreiben eines überdimensionierten Werkes mit zwei Chören, fünf Solisten, einem Sinfonieorchester sowie einem Blechbläserensemble eine große Herausforderung, doch auch ein lang gehegter Wunsch. Im Jahr des Reformationsjubiläums gibt es Förderer, die solch ein Projekt finanziell unterstützen. Also konnte er sich an dieses Werk wagen. Und das war gut so.

Das Leben Martin Luthers wird sowohl erzählerisch als auch musikalisch vielschichtig erzählt. Man könnte das Oratorium auch einen Bilderbogen nennen, gefasst in prägnante Szenen und Aussagen in der Sprache unserer Tage, verbunden mit der des Reformators und seiner Zeitgenossen.

Hensel und Hoyer stellen in ihrem Werk den Mönch und Gelehrten in eine Welt mit sogenannten Hexen und Teufel, in der die Inquisition und Scheiterhaufen Realität waren, in der Luther dem Kaiser und seinen Gefolgsleuten die Stirn bot und die Freiheit des Christenmenschen verkündete, der mit dem intellektuellen Erasmus von Rotterdam und dem Revolutionär Thomas Müntzer disputierte, der die Bibel ins Deutsche übersetzte, damit sie jedermann lesen konnte.

Der Franzose Aurélien Bello dirigierte das Konzert im Dom. Sarah van der Kemp sang Mezzosopran. Quelle: Jast

Aber auch das Eheleben zwischen Katharina von Bora und Luther hat seinen Platz gefunden. Der Reformator hat Weltgeschichte geschrieben. Und diese Welt muss man mit großen, starken Bildern und in eine musikalische Sprache fassen. Dies ist den beiden Autoren hevorragend gelungen, auch der Einblick in die Psychologie der komplexen Figur Luthers.

Das groß besetzte Ensemble mit dem Vocalconsort Berlin, der Kantorei Halberstadt, dem Blechbläserensemble des Brandenburger Doms, den Brandenburger Symphonikern sowie den Solisten bewältigte unter der Leitung des exzellent dirigierenden jungen Franzosen Aurélien Bello die enormen musikalischen und interpretatorischen Anforderungen mit ihren Dissonanzen, Rhythmen und auch atonalen Kängen souverän, mal kämpferisch und provozierend, mal einfühlend und untermalend. Spannend und aufklärend vor allem die Auseinandersetzungen des Reformators mit seinen Zeitgenossen.

Auch die große Ausstrahlung der Choräle Luthers auf die Gemeinde kommt zum Zuge.

Zum Schluss gab es aber Längen. Vor allem das Orgel-Interludium 2, von Tobias Scheetz zwar hervorragend gespielt, vor dem „Summa summarum“ mit seinen Frage- und Ausrufezeichen zu Luthers Wirken erwies sich als weitschweifig. Die schwierigen solistischen Partien wurden von dem Bariton Robert Elibay- Hartog als Luther, von Mi-Seon Kim, Sopran, Sarah van der Kemp, Mezzosopran, Johannes Grau, Tenor, Hubert Kowalczyk, Bass, glänzend bewältigt. Elibay-Hartog brachte es teilweise sogar an den Rand seiner gegenwärtigen stimmlichen Verfassung. Als Sprecher fungierte der Schauspieler Christian Steyer. Seinem fast durchweg ironischen Tonfall hätte er hin und wieder eine andere Farbe hinzufügen können.

„Wachet recht auff“ fand bei den Zuhörern weitgehend begeisterte Zustimmung. Gut, dass der alte Luther neu erkundet wurde, mit aufregend bewegender Musik.

Von Klaus Büstrin

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