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Brandenburg/Havel Orkan wird Fall für Geschichtsschreibung
Lokales Brandenburg/Havel Orkan wird Fall für Geschichtsschreibung
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16:08 23.08.2017
Im Marzahner Fenn riss ein Orkan im Juni hunderte Bäume um. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Radewege/Marzahne

Die Sturmschäden im Marzahner Fenn werden zu einem Fall für die Geschichtsschreibung. Um die Wucht des Orkans für die Nachwelt festzuhalten, machte sich in dieser Woche die Radeweger Ortschronistin Gerda Arndt (74) zum nördlichen Teil des Hauptentwässerungsgrabens auf. Dort waren in der Unwetternacht zum 23. Juni an die 400 Birken, Erlen und Pappeln samt ihrer Wurzelteller aus der Grabenböschung gehebelt worden.

Ortschronistin Gerda Arndt am so genannten Russengraben im Marzahner Fenn. Quelle: Frank Bürstenbinder

„Außergewöhnliche Naturereignisse gehören in jede Dorfchronik. Deshalb will ich mir selbst ein Bild von den Ausmaßen der Zerstörung machen“, sagte Arndt der MAZ. Beeindruckt von der auf mehrere hundert Metern umgestürzten Baumreihe, will die Ortschronistin die Katastrophe in ihre Unterlagen aufnehmen. Zwar stößt die Gemarkung Radewege nicht direkt an den vom Sturm getroffenen Teil des Marzahner Fenns, doch entwässert das von Gräben durchzogene Naturschutzgebiet über den so genannten Russengraben in die Radeweger Löcher und den Beetzsee. „Was im Marzahner Fenn passiert, lässt uns in Radewege nicht kalt“, so Gerda Arndt. Möglicherweise bilden die Talwiesen des Fenns eine lokale Wetterküche, in der Sturm- und Regenfronten zu Hochform auflaufen.

Noch in unguter Erinnerung ist das Starkregenjahr 2007, wo es nach Pfingsten bei Radewege zu canyonartigen Ausspülungen auf den Feldern kam. Schlammlawinen ergossen sich in den vom Marzahner Fenn kommenden Russengraben. Außerdem wurden bei Sturm zahlreiche Kiefern auf den bewaldeten Anhöhen zwischen der Radeweger Feldmark und dem Marzahner Fenn entwurzelt. Quelle: Helga Ullrich

Wie Ortschronistin Arndt herausfand, mussten schon die Altvorderen immer wieder mit schlimmen Wetterkapriolen leben. Überliefert ist zum Beispiel der 13. Juli 1763. Ein schweres Gewitter mit Hagelschlag suchte die ganze Gegend heim. Gerste, Hafer und Buchweizen wurden aufs „furchtbarste zerschmettert“. Hagelkörner, so groß wie Taubeneier, schlugen die Fenster in den Häusern entzwei. Schon vier Jahre später machte wieder ein starkes Gewitter das Wintergetreide rund um die Pählbrücke platt. Ein heftiger Sturm ließ 1833 den Gemeindelämmerstall einstürzen. Am 24. September 1834 wurde in Radewege der erste Frost gemeldet. Katastrophal war das Jahr 1865 . Nach scharfen Frösten gab es ein trockenes Frühjahr und einen Dürresommer. Wie aus den Wetteraufzeichnungen des Radeweger Dorfschullehrers und Ortschronisten Max Werdermann (1880-1914) zu ersehen ist, konnte kein einziger Bauer seine Scheunen füllen. Die Folge jeder Missernte waren Hungersnöte. Für die Tiere fehlte Futter.

Nach den Überflutungen 2007 wurde vor der nördlichen Siedlungskante Radeweges mit großem Aufwand ein System von Rückhaltebecken und Dämmen errichtet. Die Bauwerke sollen das von den Hängen des Molkenberges kommende Oberflächenwasser aufhalten. In diesem Sommer hat es funktioniert. Quelle: F. Bürstenbinder

Auch dass die Bauern nicht auf ihre Wiesen kommen, ist kein neues Phänomen. Von Juli bis August 1854 steigt die Havel wegen des andauernden Regens. Die Niederungsgebiete zwischen Brielow und Radewege werden zu einer Zeit überflutet, als die Wiesen abgemäht werden sollen. Das Gras fault im Wasser. Es wird nur wenig Heu für das Vieh geerntet. Dagegen war 1911 ein solch trockenes Jahr mit 35 Grad, dass viele Brunnen in den Beetzseedörfern nicht mehr genügend Wasser gaben.

Diese Reihe ließe sich bis in die Gegenwart fortsetzen. So sorgten Gewitterfronten, Sturmtiefs, Dürreperioden und Hochwasser in den 1980er, 1990er und 2000er Jahren regelmäßig für Schlagzeilen. So wurde von 1987 als dritter kalter Winter in Folge berichtet. Es gab Hochwasser und den schlechtesten Sommer seit 20 Jahren. Nachrichten, die einem bekannt vorkommen. „Wetterkatastrophen hat es schon immer in unserer Region gegeben. Doch scheint die Dichte und Fülle der Extreme zuzunehmen“, vermutet Gerda Arndt. Für die Ortschronistin wird es noch manche Seite über das Wetter zu füllen geben.

Von Frank Bürstenbinder

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