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Ort der Erinnerungen und Geschichten

Bahnhof Ziesar Ort der Erinnerungen und Geschichten

Der Besucheransturm am Bahnhofsgebäude in Ziesar wollte kein Ende nehmen. Wer nicht wusste, was sich hier am Sonntagnachmittag abspielte, hätte meinen können, es sei soeben ein voller Sonderzug eingefahren. Dabei feierten die Zieseraner den 100. Geburtstag ihres Bahnhofs. Züge fahren hier schon lange nicht mehr.

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Gut besucht war der Bahnhof anlässlich seines 100. Geburtstages.

Quelle: Zimmermann

Ziesar. Der Besucheransturm am Bahnhofsgebäude in Ziesar wollte kein Ende nehmen. Wer nicht wusste, was sich hier am Sonntagnachmittag abspielte, hätte meinen können, es sei soeben ein voller Sonderzug eingefahren.

Doch Züge halten hier schon seit langer Zeit nicht mehr. Vielmehr feierten die Zieseraner den 100. Geburtstag ihres Bahnhofs. Eingeladen hatten dazu dessen heutige Besitzer Manfred Sperling und Michaela Senger, die das Gebäude im Jahr 2013 von der Deutschen Bahn AG erworben hatten.

Mit Unterstützung des Kultur- und Heimatvereins Ziesar und des hiesigen Feuerwehrvereins stellten sie ein Fest der Begegnungen und Erinnerungen auf die Beine. „Helga, bitte ein Bier“ war so am Sonntag mehr als nur einmal in Erinnerung an Helga Drost im ehemaligen Gastraum der Mitropa-Bahnhofsgaststätte zu hören. Sie hatte hier einst 15 Jahre lang die Menschen bewirtet. Auch altes Mitropageschirr war zu besichtigen.

Gruppenfoto ehemaliger Bahnangestellter

Gruppenfoto ehemaliger Bahnangestellter.

Quelle: SZ

Die Besucher konnten zudem im ehemaligen Gastraum die eigens vom Kultur- und Heimatverein aus dem Boden gestampfte Ausstellung zur Geschichte des Bahnhofes besichtigen. Eindrucksvoll beschrieb sie den damaligen Wunsch der Ziesaraner nach einem zentralen Bahnhof im Ort, dessen Bau schließlich im Mai 1914 begonnen wurde. 1916 wurde er – vor allem durch die Arbeitsleistung Kriegsgefangener – fertiggestellt. Eine offizielle Einweihung gab es nicht, jedenfalls wurde in den Unterlagen nichts dazu gefunden. Die Geschichte des Bahnhofs bis zur Stilllegung der letzten Verbindung nach Güsen im Jahr 1999 war aber gut nachzuvollziehen.

Filmmaterial von den letzten Fahrten des Triebwagens am 29. Mai 1999 zeigte Hans Gerd Ludwig. Annemarie Wendland brachte sogar einen Linolschnitt des Bahnhofes zur Ansicht mit. Angefertigt wurde dieser 1987 von Karl Wendland. Auch ehemalige Bahnangestellte, Lokführer und Heizer wie Renate und Alfred Mielke, Helmut Franz, Walter Pachulla, Dieter Sehm,  Klaus Stahl, Holger Dietrich, Gerhard Ballerstedt schauten am Sonntag vorbei. „Wir finden es gut, dass der Bahnhof wieder hergerichtet wird. Lange war er dem Vandalismus ausgesetzt“, merkten mehrere Besucher an.

Im Gebäudeinnern wartete eine Ausstellung zur Geschichte des Bahnhofs

Im Gebäudeinnern wartete eine Ausstellung zur Geschichte des Bahnhofs.

Quelle: SZ

Klaus Stahl etwa arbeitete hier 42 Jahre lang als Lokführer. Er wohnt immer noch mit seiner Frau im Bahnhofsgebäude. Nicht nur bei ihnen wurden am Sonntag Erinnerungen wach, viele Besucher gaben ihre Erlebnisse wieder. Ob es von hier aus zum Tanz in die Nachbardörfer ging oder frühmorgens zur Arbeit – jeder Besucher verbindet bis heute ganz persönliche Geschichten mit dem Bahnhof.

Dieser war einst auch Umschlagplatz zahlreicher Güter, die die Zieseraner aus Nah und Fern bestellten. So wie die Steinmetzfirma Gerlach, die ihr Material für Grabsteine liefern ließ oder Rudi Luther, der hier junge Küken für seine Hühnerzucht in Empfang nahm. Auch die vielen Internatsschüler kamen sonntags mit den Zug in Ziesar an.

Gastgeber Manfred Sperling sorgte am Sonntag für den Rahmen der Jubiläumsfeier und spielte mit seinen Freunden auf dem Saxofon, was für ein wenig karibisches Flair sorgte. Auch der kurz einsetzende Regen vermochte da die allseits gute Laune nicht zu verderben.

Von Silvia Zimmermann

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