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Orthopäde prophezeit Wandel in der Ärzteschaft

Medizinische Versorgung in Brandenburg an der Havel Orthopäde prophezeit Wandel in der Ärzteschaft

Frank-Ullrich Schulz betreibt seit den 90-er Jahren eine Orthopädie-Praxis in Brandenburg. Er prophezeit, dass die Zahl der in Versorgungszentren angestellten Ärzten zu- und die der niedergelassenen Mediziner abnehmen werde. Das wäre ein Wandel in der Ärzteschaft.

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Niedergelassener Orthopäde Frank-Ullrich Schulz.

Quelle: STEINER

Brandenburg/H. Der Seniorenbeirat der Stadt Brandenburg schlägt Alarm und beklagt den drohenden Fachärztemangel. Eine Stadt mit 30 Prozent Senioren müsse besser versorgt sein, klagt die Vorsitzende Renate Schneider. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) verneint eine Unterversorgung, räumt aber ein, dass die Bemessungsgrundlage für den Fachärztebedarf einer Region überarbeitungsbedürftig sei. Was meint dazu ein Facharzt, der seit Jahren in Brandenburg eine Orthopädie-Praxis betreibt? Frank-Ullrich Schulz mit seiner Praxis in der Bäckerstraße ist zugleich Vizepräsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie. Um die Fachärzteversorgung in der Stadt sei es noch gut bestellt, meint Schulz.

Sie sei nicht so schlecht, wie es manche Patienten empfänden. Teils herrsche sogar eine Überversorgung. Schulz ist auch Vorsitzender des Beratenden Fachausschusses für fachärztliche Versorgung in der KV. Er beklagt, dass Patienten ihrerseits häufig Termine nicht wahrnehmen würden. An einem normalen Praxistag habe er fünf bis sechs solcher Patienten.

Diese Termine könnten an andere vergeben werden, wenn sie rechtzeitig abgesagt werden würden. Die Bedarfsplanungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses werde im nächsten Jahr überarbeitet, sagt Schulz. Dieser Bundesausschuss ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser in Deutschland.

Künftig sollen die Sozialstrukturen einer Stadt dabei Berücksichtigung finden. Für Brandenburg mit seinem hohen Bevölkerungsanteil von Menschen über 60 Jahren wäre das von Bedeutung. Schulz vermutet jedoch, dass es „keine großen Überraschungen, aber den einen oder anderen Mehrbedarf“ geben werde.

Die Facharzt-Ausbildung

Die Regelstudienzeit eines Medizinstudiums dauert sechs Jahre, oft aber brauchen die angehenden Ärzte länger.

Es folgt eine sechs- bis achtjährige Facharztausbildung. Anschließend bleiben viele Ärzte noch an Kliniken beschäftigt, um weitere Erfahrungen zu sammeln.

Diese lange Ausbildung machte die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg laut ihrem Vize-Vorstand Andreas Schwark mitverantwortlich für einen in vielen ländlichen Regionen herrschenden Fachärztemangel.

Der Mediziner macht keinen Hehl daraus, dass es für einige Ärzte in der Stadt schwierig sei, Nachfolger zu finden. Es sei eine bundesweite Tendenz, dass sich junge Ärzte lieber in Ballungszentren niederließen als in kleinen und mittelgroßen Städten, so Schulz. Immerhin gebe es in Brandenburg an der Havel aber drei neue Internisten in der Stadt und fünf Neuzugänge bei Hausärzten. Vier dieser Praxen seien übernommen und eine sogar neu gegründet worden, so der Orthopäde. Die Tendenz gehe aber dahin, dass Praxen an Krankenhäuser verkauft werden würden, wenn die Ärzte keinen Nachfolger finden würden. Viele Ärzte hätten Angst, sagt Schulz. Sie bräuchten den Verkaufserlös ihrer Praxen oftmals als Altersversorgung. Eine Praxis sei meist zwei Quartalsumsätze wert.

Kliniken würden Praxen aufkaufen, um Schließungen zu verhindern und so die Versorgung der Patienten weiter sicher zu stellen. Schulz glaubt, dass sich die Zahl der niedergelassenen Ärzte verringern werde zu Gunsten der in Versorgungszentren angestellten Mediziner.

Viele Ärzte scheuten nach ihrer langen Ausbildung das finanzielle Risiko, das sie durch den Kauf und die Modernisierung einer Praxis auf sich nehmen würden. Patienten sollten mit den Füßen abstimmen, ob sie zum niedergelassenen oder angestellten Arzt gehen wollten. „Als niedergelassener Arzt bin ich für alles selbst verantwortlich, für das ganze Weh und Wohl einer Praxis.“

Von Marion von Imhoff

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