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Paddeln bis die Arme abfallen

Kanumarathon auf dem Beetzsee Paddeln bis die Arme abfallen

Das ist Ausdauersport in Vollendung, bei dem der lang anhaltende Kampf von Mensch, Boot und Paddel gegen die Zeit im Mittelpunkt steht. Im Gegensatz zum „normalen“ Kanurennsport, wo die Leistungsreserven vor allem über 200 und 500 m zu aktivieren sind, gilt es auf den langen Distanzen, sich sein Rennen intelligent einzuteilen.

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Los geht die wilde Jagd: Start im K 1 der Masters.

Quelle: André Wirsing

Brandenburg/H. Jürgen Eschert lehnt am Geländer vor dem Organisationsbüro, das hier Headquarter genannt wird, und schaut versonnen auf den Beetzsee. „Ein verrückter Hund!“ Gemeint ist Ove Emanuelsson, ein schwedischer Kanute, mit dem Escher 1964 zu den Olympischen Spielen in Tokio im 1000-Meter-Einercanadier-Finale fuhr – der Deutsche wurde Olympiasieger, der Schwede wurde Fünfter.

„Ich könnte noch mitfahren, will mir Wettkämpfe aber nicht mehr antun. Dennoch bin ich beinahe jeden Tag auf dem Wasser“, erzählt der 75-Jährige, der lange Jahre Präsident des Kanu-Clubs Potsdam war und heute Ehrenpräsident ist. Wenn sein Freund Ove fährt, ist er natürlich in Brandenburg an der Havel.

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Eine knappe Woche lang wird der Beetzsee einmal kräftig durchgerührt: Hunderte Aktive messen sich im Masters-Weltcup und bei den Weltmeisterschaften im Kanumarathon auf der Regattastrecke. Beim Masters für die über 35-Jährigen werden Strecken bis zu 22,6 Kilometern Länge im Wettkampf absolviert, bei der WM sind es bis zu 30 Kilometer. Dafür haben 348 Aktive aus 30 Ländern sich zum Start angemeldet. Der Kanumarathon ist nicht olympisch, dem Sport und der Atmosphäre tut das keinen Abbruch.

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Freundschaften sind ein großes, besser gesagt gar kein Thema bei den gerade stattfindenden Masters im Kanumarathon, es gibt sie einfach allerorten. „Unser Zelt steht neben dem der Niederländer, wir verbringen viel Freizeit miteinander , frühstücken auch zusammen und teilen alles“, erzählt Daniel Rupp aus Saarlouis, während sich sein niederländischer Kollege nebenan die Seele aus dem Hals brüllt beim Anfeuern seiner Landsleute. Das wird Rupp auch noch tun am Wochenende, wenn nach dem Masters für die ab 35-Jährigen bis zur Ü 70 auch noch die Weltmeisterschaften für Junioren, U 23, Leistungsklasse und Parkanuten auf dem Beetzsee stattfinden. „Ich unterstütze den Bundestrainer der U 23 und bleibe natürlich auch zum Anfeuern. Für die jungen Leute ist es etwas Besonderes, wenn sie direkt auf der Strecke angebrüllt werden. Sie fahren ja auch 30 Kilometer, wir nur 22,6“, der 36-Jährige lächelt dabei. In Brandenburg an der Havel war er schon viermal zu den Deutschen Meisterschaften und diversen anderen Regatten. Zur Strecke hat er ein gemischtes Verhältnis: „Traumhaft bei diesem Wetter, das niemand im September erwartet hat. Aber sie ist auch ein bisschen eintönig, weil man so viele Runden fahren muss und es ist oft wellig, beispielsweise am Sonntag.“ An diesem Wochenende wird er in seinem Rennkanu „gemütlich die Stadt erkunden“ – das hat er sich fest vorgenommen.

Die WM rückt ins Stadtzentrum

Beim Masters-Weltcup starten Sportlerinnen und Sportler ab 35 Jahre. Sie sind in Altersgruppen eingeteilt, der Abstand beträgt fünf Jahre. Die Ältesten starten in der Gruppe „>70“.

Am Mittwoch, 14. September, starten die Zweier-Wettbewerbe, also K2 und C2. Die Streckenlänge variiert zwischen 14, 19 und 22,6 km.

Bei den Weltmeisterschaften ab Freitag werden ebenfalls Rennen in den Bootsklassen K1 und K2 sowie C1 und C2 ausgetragen. Die Starter sind in drei Altersklassen unterteilt. Je nach Alter und Bootsklasse sind Strecken über 14,4 km, 18,3 km, 22,2 km, 26,1 km oder 30 km zu absolvieren.

Beim Kanu-Marathon wird nicht in Regattabahnen gefahren, sondern auf einem 3,6 Kilometer langen Rundkurs.

Bislang fanden offizielle Eröffnungsveranstaltungen von Welt- und Europameisterschaften immer auf dem Regattaareal statt. Nun werden am Donnerstag die Weltmeisterschaften erstmals auf dem Neustädtischen Markt eröffnet. Ab 16.30 Uhr spielt die Coverband „Atemlos“ zum Aufwärmen.

Der offizielle Akt beginnt um 18 Uhr. Ab 19 Uhr gibt es ein einstündiges Trommel-Feuerwerk mit „Stamping Feet“.

Der Parkplatz Neustadt-Markt ist am 15. September voll gesperrt.

Alle Veranstaltungen sind kostenlos, auf volle Tribünen wird gehofft.

Indes herrscht Gewusel auf dem Beetzsee. Kurz hintereinander wurden drei verschiedene Rennen gestartet. Zudem müssen die Sportler nach jeder Runde raus aus dem Wasser, mit Boot zur so genannten Portage. Da laufen sie 200 Meter direkt vor der Tribüne über einen roten Teppich. Es gibt sogar zwei Gassen, erläutert Norbert Plaul, der für die Stadtverwaltung beinahe jede Regatta mitorganisiert. „Eine ist für Service und Verpflegung – die Boxengasse für Kanuten sozusagen.“ In den 3,6 Kilometer langen Rundkurs ist jeweils eine Portage, ein Umtragen eingebaut zum Schutz der Sportler. Vom langen Sitzen oder Knieen können sie Krämpfe bekommen – das wäre verheerend auf dem Wasser, gerade beim Kentern. Die Tragetechniken sind höchst unterschiedlich: Manche habe eine Handschlaufe am Boot, manche setzen es sich auf die Schulter, andere ziehen die etwas mehr als neun Kilogramm wiegenden Boote hinter sich her. Manche haben eine so ausgefeilte Technik, dass sie die Portage auch zum Überholen nutzen. Die Rennboote sind im Vergleich zum Wanderkanu sehr leicht, trotz ihres GFK-Aufbaus können sie eine Menge ab – andernorts geht es beim Umtragen nicht über den roten Teppich, sondern über Sand oder wie in Kassel über einen Kiesstrand. Da fahren die Sportler voll darauf zu, bis sie aufsitzen und das Boot aus dem Wasser holen können.

Das Kentern gehört auch an diesem Dienstag auf dem Beetzsee dazu: Ein Canadierfahrer fällt um, als er am Ende der Tragestrecke schnell wieder einsteigen will. Er bekommt sein Boot allein wieder aufgerichtet und schiebt es zum Steg, um von dort wieder einzusteigen. Diesmal klappt es, er darf weiterfahren und wird auch gewertet. Wahrscheinlich war ihm die kleine Abkühlung nicht unwillkommen.

Und die Übersicht für Zuschauer und Kampfrichter? Es ist dauernd etwas los auf dem Wasser, der Streckensprecher erläutert alles, was passiert, was gerade spannend oder außergewöhnlich ist. „Macht nichts, weiterfahren“, ruft er dem Gekenterten hinterher. Für die Organisatoren und Schiedsrichter gibt es Hilfen: Alle Boote haben an der Startnummer Transponder, an denen die aktuellen Positionen ermittelt werden. Zudem stehen an den Wendestellen Kampfrichter, die alle Runden zählen. Abkürzen geht also nicht.

Von André Wirsing

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