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Paddeln, zelten, Paella kochen

Kanumeisterschaften auf dem Brandenburger Beetzsee Paddeln, zelten, Paella kochen

Der Himmel über dem Beetzsee ist blau und wolkenlos, der Pavillon schützt vor der heißen Mittagssonne. Das alles wirkt wie beim Campingurlaub mit Freunden. Aaron Wiedermann ist aber nicht nach Brandenburg gekommen, um Urlaub zu machen, sondern nimmt als Kanut an den deutschen Meisterschaften teil. Neben den Rennen geht es jedoch ganz entspannt zu.

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Aaron Wiedermann auf der Regattastrecke.

Quelle: Charlotte Klimas

Brandenburg/H, . Gelassen sitzt der 17-jährige Aaaron Wiedermann vor einem Wohnwagen auf einer Bierbank an der Brandenburger Regattastrecke. Er trägt ein rotes T-Shirt und eine knielange, blaue Hose. Um den Hals hat er an einem weißen Schlüsselband einen Sportlerausweis. Darüber an einer unscheinbaren Kette ein mattsilbernes Kreuz. Die muskulösen Arme und das breite Kreuz stützt er auf den Klapptisch. Auf den Campingstühlen leisten ihm drei junge Männer und eine Frau Gesellschaft. Musik ertönt aus den mitgebrachten Boxen. Der Himmel über dem Beetzsee ist blau und wolkenlos, der Pavillon schützt die kleine Runde vor der heißen Mittagssonne. Das alles wirkt wie bei einem entspannten Festival oder einem Campingurlaub mit Freunden.

Aaron ist aber nicht nach Brandenburg an der Havel gekommen, um Urlaub zu machen, sondern nimmt als Kanut an den diesjährigen deutschen Meisterschaften teil. Er startet als einziger Leistungssportler des Kanu- und Surf- Vereins Schwerte in Nordrhein-Westfalen. Als Unterstützer sind deshalb neben seinem jungen Trainer, Jonas Becker, 27, auch die drei Vereinsmitglieder Jan Brieke, 23, und die Zwillinge Rika und Maik Althoff, 21, mit angereist.

Empfang für Olympioniken

 

Für die deutsche Olympiamannschaft der Kanuten gab es am Freitagabend auf der Regattastrecke am Beetzsee einen Empfang. Anlass sind die derzeitigen Deutschen Meisterschaften im Kanurennsport.

Aus dem Land Brandenburg eingeladern waren die Olympiateilnehmer Franziska Weber, Conny Wasmuth, Stefan Kiray, Jan Vandrey, Sebastian Brendel und Ronald Raue. Martina Willing, die im September zu den Paralympics fährt, durfte sich ebenfalls über eine Einladung freuen.

Die Ruderin Fini Sturm aus Brandenburg an der Havel stand ebenfalls auf der Gästeliste.

Ein Gedenken an den in Rio verunglückten Kajaktrainer Stefan Henze gehörte zu dem Programm.

Angesagt hatten sich auch Sportminister Günter Baaske (SPD) und Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU).

Am Donnerstagmorgen ist der gebürtige Dortmunder um 8.30 Uhr beim 200-Meter-Rennen im Einer-Kanu der Juniorenklasse an den Start gegangen. Noch vor dem Frühstück habe er sich dafür um 6.30 Uhr auf dem Beetzsee in seinem Canadier eingefahren. Auf den 200 Metern im Wettkampf habe er dann aber Probleme mit seinem Paddel gehabt, erzählt er. Der Knauf des Paddels habe sich gedreht, da die Schraube nicht mehr gehalten habe. „In diesem Moment habe ich eigentlich nur gedacht: Schei…!“ Die Gruppe und er lachen. Trotz dieser Panne ist er Dritter geworden und ins A-Finale gekommen, vielleicht gibt es für ihn deshalb auch keinen Grund, mit dem ersten Rennen bei den diesjährigen deutschen Meisterschaften unzufrieden zu sein.

Rennen auf der Regattastrecke

Rennen auf der Regattastrecke.

Quelle: André Wirsing

Gleich fährt er das 500-Meter-Rennen. Nervös scheint er aber nicht zu sein. „Ich denke, das kommt auf die Einstellung des Sportlers an,“ sagt Aaron, „ich versuche bei einem Rennen nicht an die anderen Mitstreiter zu denken, um mich nicht mit ihnen zu vergleichen. Ich habe am Start lieber den Fokus ganz auf mich gerichtet.“ Sein Adrenalin steige aber jedes Mal kurz vor Startschuss. „Da ist es egal, ob ich mich auf einer kleinen Dorfregatta in Nordrhein-Westfalen oder bei der Weltmeisterschaft in Minsk befinde.“

Dort ist der gebürtige Dortmunder nämlich erst kürzlich im Juli im Einer- und Vierer- Kanu angetreten und hat den siebten und achten Platz belegt. Glücklich sei er damit nicht gewesen, da Seitenwind ihn und seinen Teamkollegen ausgebremst hätte: „Am Ende im Ziel zählt für mich aber immer, ob ich mich genug angestrengt habe und meine Möglichkeiten hundertprozentig ausnutzen konnte. Dann bin ich auch gleich wieder etwas gelassener.“

Mit acht Jahren habe er mit dem Kanurennsport angefangen, erinnert sich Aaron. Trainer Jonas Becker hat Aaron das Paddeln beigebracht und erinnert sich, dass er als Junge schon sehr zielstrebig gewesen sei: „Er hat etwas mehr Zeit gebraucht, das Steuern zu lernen, aber er ist immer dran geblieben und hat es immer und immer wieder versucht, bis er es konnte.“ Auch Jan weiß, dass Aaron in jüngeren Jahren nach verlorenen Wettkämpfen immer mehr trainieren wollte, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken. Rika glaubt außerdem, dass neben der Selbstdisziplin auch der Spaß am Paddeln und die Liebe zum Verein Aaron so weit gebracht habe.

Ausgesuchte Rennen und besondere Höhepunkte im Überblick

Samstag, 27. August beginnen die Rennen um 10 Uhr: Schüler und Junioren auf 200 m im Einer sowie der Nationalmannschaftscup der Jugend; 10.50 Uhr: Para-Kanu auf 200 m. Die Olympiasportler Stefan Kiray, Jan Vandrey, Tom Liebscher und Ronald Rauhe sowie Ex-Olympiasieger 2012 Peter Kretschmer starten um 11.10 Uhr in der Leistungsklasse im Einer.

Ab 17.30 Uhr: Leistungsklasse im Zweier auf 500 m für die Damen und 1000 m für die Herren. Mit dabei sein werden auch hier Sebastian Brendel und Jan Vandrey im Zweier. Höhepunkt des Tages ist ab 19.10 Uhr das gemeinsame Rennen Junioren mit der Leistungsklasse im Achter-Canadier. Mit dabei: Sebastian Brendel, Jan Vandrey und Stefan Kiraj.

Sonntag, 28. August ab 9 Uhr: Schüler A auf 2000 m; ab 10 Uhr bis ungefähr 11.15 Uhr Leistungsklasse auf 200 m im Zweier und Vierer, sowie die Juniorenklasse; ab 11.15 Uhr bis 13 Uhr: 5000 m für die Startklassen Jugend, Junioren und Leistungsklasse im Einer, Zweier oder Vierer. Die Siegerehrungen finden jeweils im Anschluss der jeweiligen Rennen statt. Der Eintritt ist frei.

Alle Ergebnisse und genauere Informationen zu den Startzeiten der jeweiligen Startklassen gibt es im Internet unter: www.ergebnisse.regattateam.de/Live/

Seit seinem 15. Lebensjahr besucht Aaron ein Sportinternat in Essen. Auf dem Berufskolleg macht er das Abitur mit Spezialisierung im Maschinenbauwesen. Auf die Frage, ob er in Physik und Mathe gut sei, grinst er ironisch: „Na ja, mein Vater sagt immer: Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss.“ Nach seinem Abschluss möchte er eine Ausbildung bei der Sportfördergruppe der Bundespolizei beginnen. Dadurch hätte er die Möglichkeit, sich in der Saison von Februar bis September intensiv dem Leistungssport zu widmen.

Für die Meisterschaften in Brandenburg an der Havel habe er aber kein spezielles Vorbereitungsprogramm unternommen. „Ich wollte lieber eine Woche mit meiner Familie in den Urlaub fahren, aber ich fühle mich trotzdem ganz fit, ich habe ja die letzte Woche intensiv mit Jonas trainiert“, sagt Aaron entspannt.

Und wie gefällt ihnen Brandenburg an der Havel? Die Stadt kenne die Gruppe bisher nicht wirklich gut, weil sie die meiste Zeit an der Regattastrecke verbringen würden, sagt er. „Die Meisterschaften hier in Brandenburg sind eigentlich immer die besten, die Anlage ist ein wirkliches Schmuckstück,“ findet der junge Trainer und lobt die Sanitäranlagen, „nur die Strecke ist manchmal etwas windanfällig.“ In Brandenburg kämen auch immer ein paar Zuschauer, die die Rennen von der Tribüne aus verfolgen würden. „Nachher werden wir wie jeden Abend grillen. Das ist echt entspannt“, erzählt Becker. Aber jetzt fangen Rika und er erst einmal an, Paella zum Mittag zu kochen

 

Von Charlotte Klimas

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