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Paddler bleiben auf dem Trockenen

Brandenburg an der Havel Paddler bleiben auf dem Trockenen

Weil Unbekannte in der Nacht zum Dienstag die Motore von den Trainerbooten der Kanuabteilung beim ESV Kirchmöser gestohlen haben, fällt vorerst das Wassertraining vor allem für den Nachwuchs aus – ohne Begleitboote gibt es keine professionelle Anleitung, zudem ist Sicherheit nicht gewährleistet. Die Versicherung zahlt nicht den ganzen Schaden.

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Die beiden Trainerboote bleiben vorerst am Ufer des Möserschen Sees liegen.

Quelle: Matthias Nitsche

Brandenburg/H. Am Montag waren beim Training noch elf Kinder auf dem Wasser – in Vierer- und Zweierkajaks sowie in Canadiern. Begleitet wurden sie von zwei Trainern in ihren Motorbooten. Einen Tag später schon war die komplette Abteilung Kanu des ESV Kirchmöser lahmgelegt. In der Nacht zum Dienstag sind Unbekannte in das Bootshaus in der Uferstraße von der Wasserseite aus eingebrochen und haben die Motore von beiden Trainerbooten sowie vom Boot eines Mitglieds gestohlen. „Wir lassen gerade das Bootshaus von Fachfirmen verputzen und neu streichen. Aber Training auf dem Wasser ist vorerst nicht mehr möglich. Das ist schade, weil wir die wärmeren Temperaturen in diesen Tagen noch gerne genutzt hätten“, sagt Kanu-Abteilungsleiter Matthias Nitsche. Er ist vielen Brandenburgern auch außerhalb seines Vereins bekannt, weil er zum Regatta-Team um Michael Kenzler gehört, das zahllose nationale und internationale Wettbewerbe auf der Regattastrecke Beetzsee organisiert.

„Im Verein sind wir auf die Motorboote angewiesen. Der Schaden liegt bei 8000 bis 9000 Euro, die Versicherung übernimmt etwa 5500 bis 6000 Euro. Den Rest müssen wir als Verein selbst aufbringen“, sagt Nitsche, der zudem einen Spendenaufruf starten will.

Von den derzeit 75 aktiven Mitgliedern allein in der Abteilung Kanu sind 25 Kinder und Jugendliche. Sie brauchen nicht nur professionelle Anleitung beim Training, es ist auch eine Sicherheitsfrage, dass sie bei den Fahrten auf dem Wasser begleitet werden.

Geldspenden gesucht

Auf der Suche nach Spenden sind die Kanuten des ESV Kirchmöser.

Einzahlungen sind möglich auf das Konto ESV Kirchmöser e.V.
IBAN: DE06120965970008365520
BIC: GENODEF1S10
Stichwort: Motore ESV Kanu

Wenn die Geldgeber und Spender eine Spendenbescheinigung und weitere Informationen benötigen, wenden sie sich an Matthias Nitschke unter der Telefonnummer 0172/300 90 28 oder per E-Mail: Nitschi@t-online.de

Die Kanufahrer haben in Kirchmöser auch eine lange Tradition: Es gab den „Arbeiter Turn- und Sportbund“ in Kirchmöser. Sportfreunde waren im Begriff eine Wassersport-Sparte aufzubauen. Bis 1928 wurde dann, nach vielen Arbeitsstunden und Spenden vom nicht viel vorhandenen Taschengeld das Bootshaus von 28 Mitgliedern errichtet.

Da man auch einen Namen als Sportverein haben musste, entschieden sie sich bei der Einweihungsfeier für „Freie Wasserfahrer Kirchmöser“, Sparte Kanu im Arbeiter Turn- und Sportbund. Angefangen vom Kanurennsport über Wasserwandern bis hin zum Camping war vieles geboten. Die Mitgliederzahlen stiegen in ganz kurzer Zeit auf mehr als 100. Kanurennsport war in Kirchmöser und Umgebung zu einem Begriff geworden. Im Jahr 1933 versuchten die Nazis das Bootshaus zu zerstören, wurden aber von mutigen Sportlern abgewehrt. Der Arbeiterverein wurde verboten und das Bootshaus zwangsenteignet. Die Gemeinde Kirchmöser erhielt das Besitzrecht. Die Boote durften im Bootshaus verbleiben, es musste aber eine Pacht von 100 Reichsmark pro Monat abgeführt werden. Durch den „Reichsportführer“ wurde ein Vorstandsgremium aus Nazis eingesetzt und ein neuer Verein gebildet: „Wassersportverein Kirchmöser e.V.“

Nach dem Krieg nutzte die russische Armee das Bootshaus als Lagerraum. Zwei Jugendliche und ein Soldat fingen an es auszumisten. Es wurden immer mehr die sich einreihten, alte Sportler und die Jugend, egal ob männlich oder weiblich. Viele Boote, die herrenlos im See umhertrieben wurden noch im Juli 1945 geborgen. Der Kanurennsport im Kirchmöser in der russischen Besatzungszone war geboren. Da die Ausübung des Wassersports von den Russen verboten war, war es ein sehr schwerer Neuanfang. 1949 treten die Kanuten mit vielen DDR-Meistern der BSG Lok Kirchmöser bei. Sie wurde ein Spitzensportverein – insgesamt kamen bis 1990 24 junge Rennkanuten aus Kirchmöser an die Kinder- und Jugend-Sportschule und einige auch in die Nationalmannschaft. Im ESV Kirchmöser wurde nach der Wende 1990 ein brandenburgischer Landesstützpunkt Kanu-Rennsport aufgebaut.

Von André Wirsing

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