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Pannen und Pfusch im Haus der Polizei

Miese Arbeitsbedingungen Pannen und Pfusch im Haus der Polizei

Das neue Polizeigebäude in Brandenburg an der Havel steckt voller Tücken und Gefahren. „Es wurde geschludert und gepfuscht“, bestätigt Inspektionsleiter Mathias Tänzer. Vieles sei gut, vieles aber auch schlecht. Polizisten holten sich an ihrem Arbeitsplatz eine blutige Stirn, eine Sitzbank krachte zusammen, die Umkleide nass – die Liste der Mängel ist lang.

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„Die Deutschen sind sehr offen“

Das Raumklima ist schlecht. Daran ändern auch die Pflanzen wenig.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Das im August 2015 bezogene neu gebaute Polizeigebäude in der Magdeburger Straße 52 steckt voller Tücken, Gefahren und Mängel. „Es ist geschludert und gepfuscht worden“, bestätigt Inspektionsleiter Mathias Tänzer. Er lobt, dass ich vieles inzwischen verbessert habe und in manchen Räumen gute Arbeitsbedingungen herrschen. Was bleibt, reicht aber immer noch für eine elend lange Geschichte mit blutigen Polizistenköpfen und einstürzenden Besucherbänken.

„Wie viele Stunden Zeit haben Sie mitgebracht?“, antwortet Personalratschef Jörg Volkhammer auf die Frage der MAZ, woran es hapert im gläsernen Kastenbau der Brandenburger Polizei. Eine dreiseitige Mängelliste habe das Landesamt für Arbeitsschutz überreicht bekommen. „Man hätte das Haus in diesem Zustand nicht schon im August beziehen dürfen“, bilanziert der Inspektionschef. Trotzdem versichert er, dass die Polizei trotz aller Probleme arbeitsfähig sei.

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Das neue Polizeigebäude in Brandenburg an der Havel steckt voller Tücken und Gefahren „Es wurde geschludert und gepfuscht“, bestätigt Inspektionsleiter Mathias Tänzer. Vieles sei gut, vieles aber schlecht. Polizisten holten sich an ihrem Arbeitsplatz eine blutige Stirn, eine Sitzbank krachte zusammen, die Heizung ist zu kalt oder zu warm, die Umkleide nass.

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Großmangel 1: das Raumklima. In manchen Räumen, vor allem in der oberen Etage, ist das Raumklima unerträglich. Die Luft ist zu trocken. Oben liegt sie bei nur 17 Prozent Luftfeuchtigkeit, im Durchschnitt sind es 23 Prozent. 40 bis 50 Prozent sollten es sein. Jörg Volkhammer: „Fast alle klagen über Kopfschmerzen, haben einen trockenen Hals, trockene Bronchien.

Der Bauherr, der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB), will dem Problem mit einem Begrünungskonzept beikommen. Volkhammer und die Liegenschaftsexpertin der Polizei, Dörte Schmidt, kennen die Zweifel des Arbeitsschutzes, ob das wohl ausreicht. Schon jetzt haben Kripobeamte Grünpflanzen ins Büro mitgebracht, um freier durchatmen zu können.

Bauherr ist das BLB

Das Fenster zu öffnen, bringt jedoch auch keine sichere Erleichterung. Denn es ist schon vorgekommen, dass die sensorgesteuerten Fenster sich nicht wieder schließen ließen und wochenlang offen blieben.

Großmangel 2: die Heizung. Auch auf die Heizungsanlage ist kein Verlass. „Sie macht, was sie will“, sagt Volkhammer. Die Temperatur lässt sich nur in einem Spektrum von 2 Grad Celsius nach oben oder unten verändern.

Gelegentlich beschert das den Beamten Temperaturen im subtropischen Bereich. Tänzer: „Die Kollegen haben dann die Wahl zwischen zu warm oder zu kalt.“ Selbst dem Polizeipräsidenten sei es bei seinem jüngsten Besuch viel zu warm gewesen.

Die Einschätzung des Landesbaubetriebes

Im Neubau der Polizeidirektion West/ Polizeiinspektion Brandenburg liegen keine Baufehler vor, teilt BLB-Sprecher Frank König mit. Derzeit sei mit der Feuchtigkeit im Fußboden des Umkleideraums nur ein geringer Mangel bekannt. Der betroffene Bereich des Raumes wird freigeräumt, der Fußboden getrocknet, der Belag erneuert.

Der BLB bestätigt Beschwerden bezüglich der trockenen Innenraumluft. Dazu heißt es: Das Gebäude wurde in Anlehnung an den Passivhausstandard errichtet, was zu den vorherrschenden raumklimatischen Bedingungen geführt hat.

Die Hinweise der Nutzer werden sehr ernst genommen, versichert die Landesbaubehörde. Derzeit erfolge eine Feinjustierung der technischen Anlagen, um die raumklimatischen Bedingungen im Gebäude zu verbessern.

Noch unklar ist, ob Folgendes realisiert wird: die Erhöhung des Schallschutzes für das Büro des Inspektionsleiters, eine zusätzliche Schlupftür zum Hof und die Videoüberwachung des Vorplatzes.

Großmangel 3: Lärm. In einigen Dienstzimmern und Großraumbüros ist es unerträglich laut. Türen fallen mit einem 70-Dezibel-Knall zu, selbst der BLB-Beamte fuhr bei einem seiner Besuche vor Schreck zusammen. Gespräche vom Flur lassen sich bei geschlossener Tür mithören. Etliche Beamte arbeiten mit ständiger Lärmbelastung und können nicht ohne weiteres vertrauliche Gespräche führen.

Eigentlich sollte es „Flexbüros“ mit schallabsorbierenden Möbeln geben. Doch die wurden weggelassen – aus Kostengründen. Übrig blieb nur ein Musterzimmer, in dem zu erleben ist, wie schön ruhig es sein könnte.

Großmangel 4: Beleuchtung. Die in der Decke nach einem bestimmten Muster eingelassenen Leuchtkörper sehen ganz schön aus, sind aber wenig funktional. Statt mit 500 strahlen sie nur mit 300 Lux Stärke. Zu wenig. Als regelrecht gefährlich erwiesen sich die mehrere hundert Euro teuren Designer-Tischleuchten.

Beleuchtung ist ein großes Manko

Der Personalrat weist auf die scharfen Kanten der Lampen hin, an denen sich Beamte reihenweise die Stirn blutig gestoßen haben. Inzwischen haben sich die Kollegen ihre alten Leuchten geholt oder beim Lidl-Lampen-Sonderangebot für 20 Euro zugeschlagen. An den günstigen Lampen verletzt sich niemand.

Großmangel 5: Handyempfang. Selbst mit ihren Diensthandys können die Beamten nicht ohne weiteres telefonieren, weil der Handyempfang im Gebäude nur eingeschränkt funktioniert. Man versucht, nah ans Fenster zu gehen. Zweimal fiel das Festnetz aus, so dass die Polizeiarbeit behindert wurde. Das Problem ist technisch lösbar. Doch unklar ist, wer für die Lösung bezahlt.

Zu den geschilderten Problemen treten weitere hinzu. Erst tropfte es aus der Decke in den Keller, inzwischen kommt das Wasser von unten hoch. Alle Schränke in der Umkleide müssen raus, ehe die Wände aufgebrochen werden können. Die meisten Besucherbänke sind inzwischen besser befestigt. Nur vor einer weht noch das Trassierband. Sie war aus der Wand gebrochen, der Gast konnte vorher rechtzeitig aufspringen und blieb unverletzt.

Noch unzählige Probleme, aber nicht alles schlecht

Die Bodengitter draußen sind inzwischen ausgetauscht. Die alten waren im Winter so spiegelglatt, dass mehrere Beamte ausrutschten und zu Boden gingen. Anfangs waren die falschen Schließzylinder in die Toilettentür eingebaut. Ein Besucher, der aufs stille Örtchen musste, landete mit dem ausgehändigten Schlüssel auf der Suche nach dem Klo mitten in einer polizeilichen Vernehmung.

Mathias Tänzer betont, dass nicht alles schlecht ist. „Freud und Leid liegen dicht beieinander“, sagt er. Das BLB habe inzwischen offene Ohren und gebe sich redlich Mühe. Bei manchen Problemen müssen die Baufachleute den Fachfirmen hinterherlaufen, dass etwas passiert. Irgendwann gelang es ihnen, dass die Firma die defekte Schließanlage in Ordnung brachte. Eine Frage der Sicherheit. Denn die zentrale Zugangstür hatte zuvor offengestanden.

Von Jürgen Lauterbach

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