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Personalnot: Kreis-Feuerwehr schlägt Alarm

Akute Personalnot in Potsdam-Mittelmark Personalnot: Kreis-Feuerwehr schlägt Alarm

Die Zahlen sind alarmierend: Vergangenes Jahr haben im Kreis Potsdam-Mittelmark mehr als 540 Männer und Frauen die Feuerwehr verlassen. In den vergangenen sechs Jahren hat sich die Zahl der Feuerwehrleute um mehr als 1300 reduziert. In vielen Orten kann keine durchgängige Einsatzbereitschaft garantiert werden.

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Schwere Unfälle halten die Freiwilligen Feuerwehren entlang den Autobahnen in Atem.

Quelle: Picasa

Mittelmark. Alarmstimmung bei den Freiwilligen Feuerwehren: Für die ehrenamtliche Gefahrenabwehr steht in Potsdam-Mittelmark immer weniger Personal zur Verfügung. Allein 2015 haben 542 Männer und Frauen ihren aktiven Dienst quittiert oder sind aus Altersgründen ausgeschieden. Damit kommen alle rund 150 mittelmärkische Feuerwehren zusammen nur noch auf 3384 Mitglieder. Zum Vergleich: 2009 hielten noch 4696 Kameraden ihren Brandschutztruppen die Treue.

„In vielen Orten ist keine durchgängige Einsatzbereitschaft vorhanden“

Neu sind die Personalprobleme nicht. Doch angesichts des rasanten Rückgangs spricht Kreisbrandmeister Herbert Baier erstmals von einer „erschreckenden Entwicklung“. Denn der Aderlass bei den Feuerwehren kann im Notfall schlimme Folgen haben. „Zwar gibt es genügend Feuerwehren, doch in vielen Orten ist am Tage keine durchgängige Einsatzbereitschaft mehr vorhanden“, räumte Baier am Mittwoch vor dem Ausschuss für Ordnung, Sicherheit und Verkehr des Kreistages ein.

Unfälle treiben Einsätze hoch

Einmal im Jahr berichtet Kreisbrandmeister Herbert Baier vor den 56 Abgeordneten des Kreistages wie es um den Brandschutz in Potsdam-Mittelmark steht. Die Zahl der aktiven Kameraden sinkt seit Jahren. Doch einen so rasanten Mitgliederschwund wie 2015 gab es noch nie. Zuständig für den Brandschutz sind die Ämter und Kommunen.

Die Zahl der Brandeinsätze lag im vergangenen Jahr bei 497. Im Vorjahr waren es 535, im Jahr 2012 sogar über 700. Dafür sind die technischen Hilfeleistungen kreisweit in die Höhe geschnellt. Das hat etwas mit den Unfällen auf Bundesstraßen und Autobahnen zu tun. 2367 technische Hilfeleistungen gab es 2015. Etwa 500 mehr als im Jahr zuvor. 2009 waren es 1334 technische Hilfeleistungen.

Weder kann in diesen Fällen die angestrebte Ausrückezeit von 15 Minuten erreicht werden, noch schaffen es kleine Wehren eine Gruppe von sechs Leuten zusammenzubekommen. „Feuerwehren, die tagsüber eine Zugstärke von 12 bis 16 Mann auf die Beine stellen, kann ich an einer Hand abzählen“, so Baier. Der Kreisbrandmeister sieht insbesondere die Träger des Brandschutzes in der Pflicht. Bürgermeister und Amtsdirektoren müssten sich die Karten legen, wie es mit ihren Feuerwehren weiter gehen solle.

Kreisbrandmeister Herbert Baier

Kreisbrandmeister Herbert Baier.

Quelle: Michael Greulich

Mit der Zusammenlegung von Ortsfeuerwehren, gemeinsamen Ausbildungstagen und dem Aufbau von Stützpunktfeuerwehren versuchen Kommunen längst mehr Sicherheit in die Einsatzbereitschaft zu bringen. Jobs in Bauhöfen, Verwaltungen oder als Gemeindearbeiter werden nicht selten mit der Zugehörigkeit zur Feuerwehr verknüpft. Erfreulich ist die steigende Zahl von aktiven Jugendfeuerwehrleuten auf derzeit rund 1260. Das sind hundert Nachwuchskräfte mehr als 2014. Doch die positive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kann den dramatischen Rückgang bei den Erwachsenen nicht wettmachen. „Dieser Nachwuchs sorgt vielleicht in 10 bis 15 Jahren für eine Entspannung“, hofft Debra Reußner, Fachbereichsleiterin für Sicherheit, Ordnung und Verkehr in der Kreisverwaltung.

Rufe nach einer Berufsfeuerwehr werden immer lauter

Angesichts des Personaleinbruchs bei den freiwilligen Feuerwehrleuten werden Rufe nach hauptamtlichen Einsatzkräften für die viel befahrenen Autobahnen in Potsdam-Mittelmark laut. „Auch Bürgermeister können nicht zaubern. Was jede Woche auf der Autobahn passiert, ist ehrenamtlichen Leuten kaum noch zumutbar“, sagte Kreistagsmitglied Uwe Brückner (SPD-Fraktion) aus Kloster Lehnin.

Auch bei größeren Bränden, wie hier an der Herrenmühle bei Ziesar, müssen die freiwilligen Feuerwehrleute ihre Einsatzbereitschaft unter Bew

Auch bei größeren Bränden, wie hier an der Herrenmühle bei Ziesar, müssen die freiwilligen Feuerwehrleute ihre Einsatzbereitschaft unter Beweis stellen.

Quelle: Julian Stähle

Für den Kleinmachnower Bündnisgrünen Henry Liebrenz reicht ein gesponserter Lkw-Führerschein nicht aus, um jungen Menschen die Belastungen in Feuerwehren rechts und links der unfallträchtigen Hauptverkehrsadern schmackhaft zu machen. „Wo es sinnvoll ist, sollte man über professionelle Einheiten nachdenken. Es gibt ja auch keine freiwilligen Polizisten oder Rettungsdienste“, so Liebrenz. Ebenso können sich Peter Weis (FDP/BiK-BiT) aus Kleinmachnow und der Rosenauer Rolf Geelhaar (Freie Bauern und Bürger) eine hauptamtliche Autobahnfeuerwehr vorstellen, um die Freiwilligen Feuerwehren entlang von A 2, A 10 und A 9 zu entlasten. Wer die bezahlen soll, steht in den Sternen. Deshalb seien bis dahin viele dicke Bretter zu bohren, meint Vize-Landrat Christian Stein (CDU) zu den Vorschlägen der Abgeordneten.

Ein hauptberufliche Wache gibt es in Potsdam-Mittelmark bereits. Die Stadt Teltow stellt im 24-Stunden-Schichtsystem den ersten Abmarsch sicher. Den hauptamtlichen Kräften wurde vom Land Brandenburg ein Einsatzabschnitt auf der A 115 in beiden Richtungen zugewiesen. Ein Job, den an anderen Stellen Freiwillige bewältigen müssen.

 

Von Frank Bürstenbinder

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