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Pferde und Wenigfahrer sollen mehr zahlen

Pritzerber Havelfähre mit Verlust Pferde und Wenigfahrer sollen mehr zahlen

Die Pritzerber Autofähre ist für die Stadt Havelsee ein Verlustgeschäft. Kostendeckende Preise sind vor allem mit Rücksicht auf die Bewohner in Kützkow auf der anderen Havelseite unrealisierbar. Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, doch könnten Einzelfahrscheine bald teurer werden. An den Monatskarten für die Einheimischen wird jedoch nicht gerüttelt.

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Sollten die Preise für Einzelfahrscheine auf der Pritzerber Fähre verteuert werden, könnte es auch Touristen und Ausflügler treffen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Pritzerbe. Die Preise für die zwischen Pritzerbe und Kützkow pendelnde Havelfähre bleiben zunächst unangetastet. Eine Beschlussempfehlung über eine mögliche Verteuerung der Einzelfahrscheine hat der Pritzerber Ortsbeirat am Donnerstag vertagt. Deshalb steht das Thema auch nicht mehr auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung in der nächsten Woche. Ortsvorsteher Karsten Schenk stellte klar, dass die Kützkower und andere Käufer von Monatskarten nicht unter einer eventuellen Preisanpassung leiden sollen.

Die seit 84 Jahren von der Kommune betriebene Fähre wird jedes Jahr mit mehreren zehntausend Euro aus der Stadtkasse subventioniert. Derzeit geht es lediglich darum, den Kostendeckungsgrad für bestimmte Nutzergruppen mit Einzelfahrscheinen näher unter die Lupe zu nehmen. So kann sich Amtsdirektor Guido Müller zum Beispiel vorstellen den Preis für Zwei-Achshänger von derzeit drei Euro wenigstens etwas zu erhöhen. Eine kalkulierte Kostendeckung würde hier bei 4,10 Euro liegen. Für Fahrzeuge und landwirtschaftliche Maschinen über 7,5 Tonnen wäre 6,80 Euro ein kostendeckender Fährpreis. Erhoben werden aber nur fünf Euro pro Fahrt. Ein Pferd behält derzeit für einen Euro trockene Hufe. „Auch bei Großtieren sollten wir über angemessene Veränderungen nachdenken“, so der Verwaltungschef.

Gratis-Fahrten sind lange vorbei

Eine Fähre pendelt vermutlich seit dem 14. Jahrhundert zwischen Pritzerbe und Kützkow. Etwa 500 Jahre gelangte man stakend von einem Ufer zum anderen, bis sie mit Handwinde, Holzkellen und Ende der 1950er-Jahre mit Motorkraft ausgestattet wurde. Bevor der Verkehrsverein Pritzerbe-Kützkow die Fähre 1932 an die Stadt verkaufte, hatte sie mehrere Besitzer.

Mit der 2002 in Kraft getretenen Preiserhöhung geriet ein Beschluss aus DDR-Zeiten in die Schlagzeilen. So hatten die Pritzerber Stadtverordneten im August 1969 beschlossen, dass „alle Einwohner des Ortsteils Kützkow die Fähre unentgeltlich nutzen können“. Doch seit 1992 ist es mit den Gratis-Fahrten über der Havel vorbei.

 

Für einen Erwachsenen liegt der Einzelfahrschein seit 2003 unverändert bei 60 Cent. Für zehn Cent mehr könnte die Stadt Havelsee in dieser Position eine Kostendeckung von 85 Prozent erreichen. Der Pritzerber Ortsbeirat legt wert darauf, dass bei der Diskussion um mögliche Preiserhöhungen die Fährleute ein Wort mitreden können. „Auf keinen Fall dürfen die Preise so in die Höhe schnellen, dass sich die Kützkower von Pritzerbe abgeschnitten fühlen“, so Ortsvorsteher Schenk. In der Regel nutzen Kützkower sowie Bungalowbesitzer ohnehin Monatskarten, an deren Preise nicht gerüttelt werden soll. Zum Beispiel zahlen erwachsene Einzelpersonen 15 Euro im Monat, Kinder ab sieben Jahren 7,50 Euro und Autofahrer 35 Euro.

Die Havelfähre ist die Lebensader zwischen Pritzerbe und Kützkow

Die Havelfähre ist die Lebensader zwischen Pritzerbe und Kützkow.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Die aktuelle Preisdiskussion war im Zuge der Haushaltsaufstellung für 2016 aufgekommen. Neu sind die Diskussionen um die Betriebs- und Personalkosten der Fähre nicht. Besonders für die Kützkower sind die Fahrkartenpreise ein sensibles Thema. Ohne Fähre würden sie das Pritzerber Havelufer mit Schule, Apotheke, Ärzte und Dienstleistern erst über einen 30 Kilometer langen Umweg erreichen. Deutschlandweit für Aufsehen sorgten aufgebrachte Kützkower 2002, als sie die Fähre nach einer deutlichen Preiserhöhung für mehrere Stunden anketteten. Vom Land gibt es für die kommunale Fähre keine finanzielle Unterstützung. Der Kreis beteiligt sich mit rund 14 000 Euro Zuschuss aus seinem Topf für den öffentlichen Personennahverkehr.

Einig war sich der Pritzerber Ortsbeirat am Donnerstag auch bei den Fährzeiten am späten Abend. Diese bleiben unverändert. Die letzte Fähre fährt um 22.30 Uhr von Pritzerbe nach Kützkow. Sieben Minuten zuvor trifft der letzte Personenzug aus Rathenow (RB 51) in Pritzerbe ein. Fußgänger sollten es in dieser Zeit bis zur Fähre schaffen. Außerdem ist bislang kein Fall bekannt, wo ein Fußgänger in Pritzerbe zurückgelassen wurde. Die Spätschicht der Fährleute endet nämlich erst um 22.45 Uhr, nach dem sie die Autofähre auf Kützkower Seite festgemacht und mit dem Fährboot zum Pritzerber Anleger zurückgekehrt sind. „Um Nachzügler haben wir uns immer gekümmert“, so Alt-Fährmeister Helmut Polanik.

Von Frank Bürstenbinder

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