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Pferdekrankheit Druse breitet sich weiter aus

Potsdam-Mittelmark Pferdekrankheit Druse breitet sich weiter aus

Die hochansteckende Pferdekrankheit Druse dringt weiter in den Süden des Landes Brandenburg vor. Nach Reiterhöfen im Havelland ist nun ein erster Hof im Landkreis Potsdam-Mittelmark betroffen. Aus Vorsicht ist nun ein Reitturnier abgesagt.

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Druse ist hochansteckend, kann aber wieder völlig ausheilen, wenn die Pferde ausreichend Ruhe erhalten.

Quelle: dpa

Trechwitz. Die hochansteckende Pferdekrankheit Druse dringt weiter in den Süden des Landes Brandenburg vor. Nach Reiterhöfen im Havelland ist nun ein erster Hof im Landkreis Potsdam-Mittelmark betroffen. Das bestätigt Andrea Metzler, Sprecherin der Kreisverwaltung. Nach Angaben von Geschäftsführer Timo Wessels sind sechs der 60 Pferde auf dem Mühlenberg-Reiterhof in Trechwitz an Druse erkrankt. Es handelt sich um eine hochinfektiöse bakterielle Krankheit, die auch der Grund dafür ist, dass die für den 19. bis 21. August geplanten Deutschen Polomeisterschaften in Finkenkrug abgesagt worden sind. Auch in Trechwitz findet das für den 4. September vorgesehene Turnier, zu dem rund 200 Reiter und Pferde erwartet wurden, nicht statt.

Das Warnschild am Trechwitzer Reiterhof

Das Warnschild am Trechwitzer Reiterhof.

Quelle: Marion von Imhoff

Der Krankheitsausbruch trifft den Hof in der Hochsaison der Sommerferien. Der Reitbetrieb auf dem Ferien- und Freizeithof läuft – unter den nun geltenden Hygieneregeln – weiter. Nach Angaben der Kreisverwaltung sind Schulpferde von der Krankheit nicht betroffen. Wessels verweist darauf, dass bei allen Pferden täglich die Temperatur kontrolliert wird, um schnell neu erkrankte Tiere zu erkennen.

Der Pferdehof ist selbst an die Öffentlichkeit gegangen

„Vor 14 Tagen haben wir Druse erstmals auf dem Hof bemerkt. Wir sind über Facebook selbst an die Öffentlichkeit gegangen“, sagt Wessels. „Umliegende Reiterhöfe haben wir angerufen und informiert. Dafür waren sie dankbar. Wir sind ein verantwortungsvoller Hof und weisen auf die Infektionsgefahr hin. Weil andere das nicht gemacht haben, haben wir nun Druse auf dem Hof.“ Auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung rät zum verantwortungsvollen und offenen Umgang mit der Krankheit und zu Wachsamkeit. Nicht selten gehen Reiterhöfe mit Druse nicht offen um. Zur Ausbreitung trägt auch bei, dass infizierte Pferde wissentlich oder noch während der Inkubationszeit vor Krankheitsausbruch zu Turnieren gebracht werden und andere Tiere anstecken.

Die hochansteckende Pferdekrankheit Druse

Druse ist eine bakterielle Erkrankung der oberen Atemwege beim Pferd. Bei Verdacht sollte nach Angaben von Tierarzt und Druse-Spezialist Uwe Hörügel sofort ein Veterinärmediziner alarmiert werden. Pferde sollten bei Druse sechs bis acht Wochen isoliert gehalten werden. Durch Kontakt von Pferd zu Pferd, aber auch durch Kleidung, Eimer, Dreck unter den Schuhen kann sich die Krankheit ausbreiten. Auch Insekten gelten als Überträger. Sie sollten in betroffenen Stellen daher bekämpft werden.

Druse sei gut mit Antibiotika zu behandeln, sagt Brandenburgs Amtstierarzt Knut Große. Die Symptome sind grünlich-gelber Nasenfluss, Fieber, Appetitverlust, Husten und eine Schwellung der Lymphknoten, die sich mit Eiter füllen. Das führt zur Verengung der Atemwege und zu Schluckbeschwerden. Erkrankte Tiere halten oft den Kopf gesenkt.

Die Bakterien können drei Tage bis sechs Wochen überleben. Innerhalb von drei bis acht Tagen entwickeln sich die Symptome. Eine Impfung wird wegen ihrer Nebenwirkungen nach Angaben von Hörügel nicht empfohlen. Sie muss in den Innenbereich der Lippe gespritzt werden und führt oft zu einem Anschwellen dort und Futterverweigerung. Eine Impfung rät der Experte nur als Notfallmaßnahme bei akut gefährdeten Ställen. In 99 Prozent der Fälle heilt Druse völlig aus. Es gelten strengste Hygieneregeln.

Druse ist keine meldepflichtige Krankheit. Gleichwohl plädiert Wessels für eine Meldepflicht. Dies könnte das Ausbreiten der Krankheit verhindern helfen. Er würde sich eine bundesweite Karte wünschen, in der die Lage betroffener Höfe eingezeichnet sei. „Dann ist zu sehen, in welcher Region man an Turnieren teilnehmen kann und in welcher nicht“, so Wessels.

Für Menschen und alle anderen Tiere ungefährlich

„Die Fälle sind für uns als Hof schlimm, für Menschen und alle anderen Tiere ist die Krankheit nicht gefährlich“, sagt Wessels. Das bestätigt der Tierarzt und Druse-Spezialist Uwe Hörügel von der Sächsischen Tierseuchenkasse. Die Krankheit befalle nur Pferde und „99 Prozent von ihnen werden wieder völlig gesund.“ Derzeit „schwappt eine Welle von Druse-Ausbrüchen durch Deutschland.“ Grund dafür könne das feuchtwarme Wetter sein, so Hörügel. Betroffene Höfe haben den Druse-Ausbruch überstanden, „wenn nach dem letzten Krankheitsfall drei Wochen kein neuer hinzukommt“. Insgesamt könne ein Reitstall zwischen einem und drei Monate von Druse betroffen sein. Wichtig sind strenge Hygieneregeln. So weist ein Schild an den Eingängen zum Reiterhof-Gelände in Trechwitz Besucher an, eine Desinfektionsmatte zu benutzen.

Von den sechs Tieren seien drei schon mit der Erkrankung durch, sagt Wessels. Nur bei einem seien die Lymphknoten geschwollen. Alle hätten bisher einen leichten Verlauf der Krankheit gehabt mit nur schwachem Fieber. Nach Angaben der Kreisverwaltung gilt für die kranken Tiere auf dem Pferdehof eine Stallsperre, also Stubenarrest. „Zudem werden die Tiere ständig klinisch untersucht“, sagt Metzler.

Von Marion von Imhoff

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