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„Schwarz hätte nie Chef werden dürfen“

Stadtwerke-Skandal in Brandenburg an der Havel „Schwarz hätte nie Chef werden dürfen“

Im Prozess um den Stadtwerke-Skandal in Brandenburg an der Havel sind am Donnerstag die Plädoyers gehalten worden. Geht es nach der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte und Ex-Stadtwerke-Chef Wolfgang-Michael Schwarz lange ins Gefängnis. Ihm wird Bestechung vorgeworfen. Auch Schwarz’ Verteidiger sieht eine Gefängnisstrafe als angemessen an.

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Wolfgang-Michael Schwarz (links) im Potsdamer Landgericht.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Im Fall des ehemaligen technischen Geschäftsführers der Stadtwerke Brandenburg Wolfgang-Michael Schwarz will die 5. Große Strafkammer am Landgericht Potsdam unter Vorsitz von Richter Andreas Dielitz in der kommenden Woche das Urteil verkünden. Schwarz werden Untreue in besonders schwerem Fall sowie Bestechlichkeit vorgeworfen - die Zahl der Straftaten liegt bei 122. Den Stadtwerken ist bis zum Auffliegen der Machenschaften im Juni 2013 ein Millionenschaden entstanden. Schwarz hat zugegeben, der Initiator aller dieser Handlungen gewesen zu sein und Geschäftspartner sowie Freunde in das Netz aus Scheinrechnungen und Vorteilsannahme hineingezogen zu haben.

Staatsanwältin Dagmar Stürmer plädiert deshalb auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten, Verteidiger Ursus Koerner von Gustorf sieht eine Obergrenze von drei Jahren als eine genügende Strafe an.

In der vorausgegangenen Beweisaufnahme ist allerhand Absurdes zutage getreten. Der Ex-Chef der Brandenburger Dienstleistungen Lars Büchner hat zwar Jagdzubehör für Schwarz über die BDL bezahlt und dafür Scheinrechnungen an die Stadtwerke gestellt, selbst jedoch keinen Cent genommen. Er sei von Gewissensbissen geplagt gewesen, habe schließlich Schwarz zur Rede gestellt. „Er hat mir gesagt , dass er im Waffenschrank, drei Dokumente habe, die ihn gegen alle Unannehmlichkeiten absichern.“ Solche Dokumente gab es nie. Eine anonyme Anzeige gegen Schwarz wegen Korruption habe er auch gestellt, gibt er auf Nachfrage der Staatsanwältin zu. Schließlich sei er aber aus Furcht vor den Konsequenzen zurückgeschreckt, sich zu offenbaren.

Der Elektromeister Fritz Belitz aus Bad Belzig riskierte sogar, sämtliche Aufträge von Stadtwerken und Eon-Edis zu verlieren – so sehr schämte er sich anfangs, dem Druck von Schwarz nachgegeben zu haben. Dabei hat er doch mehr als 30.000 Euro aus der eigenen Firmenkasse bezahlt, um dessen Forderungen zu erfüllen. Rechnungen an die Stadtwerke dafür hat er nie abgeschickt. Aber er hatte sich an einer wettbewerbswidrigen Ausschreibung beteiligt. „Ich hatte nicht den Schneid gehabt, mich dagegen aufzulehnen.“ Schwarz entschuldigte sich noch in der Verhandlung bei Belitz – dieser nahm nur halbherzig an: „Das alles hat mich ganz viel Nerven gekostet“, seufzte er. Zuvor illustrierte er seine Seelenpein mit zwei einfachen Sätzen: „Wo sollte ich denn hinrennen? Schwarz hätte nie Geschäftsführer der Stadtwerke werden dürfen.“ Das schamlose Ausnutzen der Abhängigkeiten von einem solch großen Auftraggeber warf auch Staatsanwältin Stürmer dem Angeklagten immer wieder vor. „Er suchte Partner, die mittelbar oder unmittelbar ein Abhängigkeitsverhältnis zu den Stadtwerken hatten, als Vertragspartner fügten sie sich. Und bei der Mehrzahl der Beschuldigten gab es nicht nur geschäftliche, sondern auch private Kontakte. Er war sich nicht zu fein, auch Freunde und am Ende die eigene Ehefrau in sein kriminelles Geflecht hinein zu ziehen.“

Von André Wirsing

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