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Selbstständig mit Stich und Faden

Textilunternehmerin aus Vietnam Selbstständig mit Stich und Faden

Modische Veränderung steht auf den beiden Schaufensterscheiben in der Steinstraße. Herzlich willkommen begrüßt Thi Thien Nguyen über der Eingangstür ihre Kunden. Die aus Hanoi stammende Vietnamesin hat sich im Oktober verändert, ist mit 58 Jahren Geschäftsfrau geworden, hat die Imbissküche gegen Textilgeschäft und Änderungsschneiderei eingetauscht.

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Thi Thien Nguyen

Quelle: J. Lauterbach

Brandenburg/H. Modische Veränderung steht weiß-rot auf den beiden Schaufensterscheiben in der Steinstraße, vor dem Laden grüßen halbe Schaufensterpuppen mit Beinkleidern. Herzlich willkommen heißt Thi Thien Nguyen ihre Kunden über der Eingangstür.

Die aus Hanoi stammende Vietnamesin hat sich im Oktober verändert, ist mit 58 Jahren Geschäftsfrau geworden, hat Imbissküche gegen Textilgeschäft und Änderungsschneiderei eingetauscht. Die Tische im Laden mit den aufgereihten Nähmaschinen verraten, dass die Inhaberin nicht nur Kleidung verkauft, sondern auch repariert. Und das geht sehr flink.

Thi Thien Nguyen ist gewandt mit Stich und Faden. In ihrer fernöstlichen Heimat hat sie als junge Frau den Beruf der Schneiderin erlernt. Mit geübtem Blick prüft sie die großen und kleinen Malheurs an den Sachen ihrer Kundschaft. Für jedes Problem an Mantel, Hemd und Kleid scheint sie eine Lösung zu haben. „Morgen um 12 Uhr können Sie kommen“, verspricht sie und bohrt eine Stecknadel mit buntem Kopf an die kritische Stelle.

Seit 30 Jahren in Deutschland

Drei Monate nach der Eröffnung haben die Brandenburger die Reparaturwerkstatt für alles Stoffliche offenbar entdeckt. „Ich bin sehr, sehr zufrieden in der Stadt Brandenburg“, versichert Thi Thien Nguyen. Mit ihrer Textiltätigkeit ist sie zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Damit hatte ihr Leben in Deutschland vor knapp 30 Jahren begonnen.

Apolda und deren Textilindustrie waren 1987 die erste Station, für die sie ihre Familie in Vietnam zurückließ. Ihr Ehemann kam etwas später nach, als Thi Thien Nguyen bereits Fuß gefasst hatte in Thüringen. 1990 wurde der Betrieb, in dem die Vietnamesin zu DDR-Zeiten beschäftigt war, allerdings geschlossen. Die Familie suchte ihr Glück weiter nördlich. „Eine Bekannte hat uns gesagt, dass Brandenburg eine gute Stadt ist“, erzählt die Unternehmerin.

„Brandenburg ist eine gute Stadt“

Tatsächlich lebte sich die Familie an der Havel gut ein. Die erste Tochter wurde in Potsdam geboren, die zweite in Brandenburg. Beide Mädchen sind aufs Brecht-Gymnasium gegangen und inzwischen aus dem Haus. Die Ältere studiert Sozialwissenschaft in Magdeburg, die Jüngere Archivwissenschaft in Potsdam. Die Mutter ist stolz.

Während sich Thi Thien Nguyen selbstständig gemacht hat, arbeitet ihr Mann weiter als Koch. Kontakte bestehen vor allem zu den Landsleuten in der Stadt. Wie viele der dort lebenden rund 200 Vietnamesen sie kennt? Die Frau hinter der Nähmaschine strahlt: „Ich kenne sie alle.“

Heimweh,, Gedanken an die ferne Heimat, keimt vor allem an Wochenenden auf, „wenn ich zu Hause bin und Zeit habe“, sagt die Vietnamesin. Eine Rückkehr ist gleichwohl kein Thema mehr. Thi Thien Nguyen: „Die Leute hier sind sehr nett. Ich möchte in Brandenburg bleiben und, wenn ich das Geld habe, in Vietnam Urlaub machen.“

Von Jürgen Lauterbach

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