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Post-Renates Glück auf dem Görden

Ausstellung zur Post der Einheit Post-Renates Glück auf dem Görden

Am 25. September wird die Ausstellung „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört!““ im Museum für Kommunikation in Berlin eröffnet. Der Brandenburger Historiker Veit Didczuneit hat die Ost-West- Postausstellung als Kurator vorbereitet. Erinnerungsstücke hat Renate Zittlau geliefert. Die Brandenburgerin wurde in fast 40 Jahren als Paketzustellerin nie gebissen.

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Rund drei Jahrzehnte lang war Post-Renate mit ihren Paketen ein vertrautes Gesicht auf dem Görden.

Quelle: unbekannt

Brandenburg an der Havel. Wer schon lange auf dem Görden wohnt, kennt sie immer noch als die Post-Renate. Heidemarie-Renate Zittlau (71) ist als Paketzustellerin „fast 30 Jahre lang den Görden gefahren“. Als Überbringerin ungezählter West-Pakete war Post-Renate zu DDR-Zeiten heiß ersehnt und so beliebt, dass ihr ständig jemand etwas zusteckte, der Fleischer ein Wurstpaket, die Baustoffhändler .

Die Fotoerinnerungen der Brandenburgerin sind eingeflossen in die Ausstellung „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört!“ Kommunikations- und Logistiknetze der Einheit“, die das Museum für Kommunikation in Berlin vom 25. September bis zum 21. Februar 2016 zeigt. Heidemarie-Renate Zittlau hat zudem noch einen Plüsch-Rolf beigesteuert, also jenes Maskottchen, das die Deutsche Post in den 90er Jahren als Sympathieträger eingeführt hat.

Ausstellung mit unzähligen Devotionalien

Die erwähnte Ausstellung hat ebenfalls ein Brandenburger geplant und vorbereitet. Der Historiker Veit Didczuneit aus der Altstadt leitet die Sammlungen des Museums in der Leipziger Straße und ist Kurator der Ausstellung, die an das Zusammenwachen von Post und Fernmeldewesen in Ost und West erinnert.

Kernaufgabe des „Aufbau Ost“

Zum Jubiläum 25 Jahre Deutsche Einheit widmet sich die Sonderausstellung dem Aufbau des Post- und Telekommunikationsnetzes in den neuen Bundesländern nach 1990, einer der Kernaufgaben des „Aufbau Ost“. Sie ist

Mehr als 200 Objekte sowie Installationen und Medienstationen zeigen, wie moderne Telefon- und Logistikinfrastrukturen, neue digitale Möglichkeiten sowie eine unabhängige Medienlandschaft Ost und West zusammenrücken ließen.

Die Ausstellung erzählt auch die Geschichten der Menschen und Institutionen, die unter großem persönlichen und arbeitstechnischen Aufwand das Zusammenwachsen Deutschlands möglich machten.

Die Arbeit bei der Deutschen Post war an vielen Stellen weder produktiv, noch attraktiv, schreibt Ausstelungskurator Veit Didczuneit.. Die meisten Postler erhielten für ihre schwere Arbeit eine im DDR-Vergleich geringe Entlohnung. In der Einkommenshierarchie aller Wirtschaftsbereiche lag die Post an vorletzter Stelle

Als Paketzustellerin war Heidemarie-Renate Zittlau dennoch zufrieden. Sie habe oft Trinkgeld erhalten, zum Beispiel wenn sie Westpakete auslieferte, die den Empfänger 30 Pfennige Gebühr kosteten. Die Brandenburgerin hat die Post zu Ost- und Westzeiten als für sie guten Arbeitgeber erlebt.

Dieses Zusammenwachsen erlebte Renate Zittlau als relativ fließend und wenig spektakulär. In der Übergangszeit der Wende sei rasch klar geworden, dass sie und ihre Postkollegen weiter gebraucht würden und daher fest im Sattel sitzen. Eine einschneidende Veränderung war die Umstieg beim fahrbaren Untersatz. Die neuen Autos machten viel seltener schlapp als die alten B 1000 und ersparten den Zustellern viel Bückerei und Plackerei, weil sie mit den neuen Wagen direkt an die Rampe heran fahren konnten.

Renate Zittlau hat ihre Arbeit bei der Post zu Ost- und Westzeiten geliebt. Schließlich freuten sich die meisten Leute, wenn sie kam. „Das war meine Welt, mein Leben, wenn ich im Postauto saß, war ich glücklich und auf dem Görden herumzufahren war sowieso das Schönste für mich“, erinnert sie sich. Denn Post-Renate kannte fast jeden der Kunden, war willkommen, wenn sie mit dem gelben Wagen um die Ecke bog. Schon am Morgen wurde sie auf der Straße angesprochen, ob sie wohl am Nachmittag das erwartete Westpaket liefere. „Ja, gegen 13 Uhr bin ich bei euch“, lautete dann die vergnügte Antwort.

Nach der Wende ist der gute Kontakt zur Paketnachbarschaft zwar geblieben.„Aber die Freude war dann nicht mehr so da, denn niemand musste mehr gespannt sein auf den Inhalt seiner Pakete, die Leute wussten ja, was sie bei Quelle Bader oder dem Ottoversand bestellt hatten.

Weihnachtspaketausgabe in der heimischen Garage

Renate Zittlaus Postlaufbahn begann 1961, als sie 17 Jahre alt war. Als Aushilfe in ihrem Heimatdorf Päwesin war sie auf den Geschmack gekommen und hatte Glück, dass alsbald eine Stelle. bei der Bahnpost frei wurde. Schwere Arbeit auf der Rampe im Drei-Schicht-Betrieb. Trotzdem fühlte sich die junge Frau wohl, auch wegen des guten Arbeitsklimas. Lächelnd erinnert sie sich noch an die Elektrokarren, die sich nur mit den Füßen lenken ließen.

Ihr Glück auf dem Görden fand die heutige Rentnerin, weil sie die Pkw- und Lkw-Führerscheinprüfung schaffte und ihr damaliger Chef Herr Brust ihr danach den attraktiven Zustellbezirk schmackhaft machte. Wenn manchmal allein 300 Pakete ins Gefängnis zu liefern waren, haute sie das ebenso wenig um wie die Weihnachtszeit, als sie nach Dienstschluss in der heimischen Garage die Nachbarschaft empfing, die brav Schlange stand, um ihre Pakete bei Post-Renate persönlich abzuholen.

„Mir hing es nie schlecht“, sagt die Frau, der der Abschied nach 37 Berufsjahren schwer fiel. So erinnert sie sich heute an den sechsjährigen Jungen vor 40 oder mehr Jahren in der Haydnstraße, der sie regelmäßig fragte, ob er einsteigen und mal lenken dürfe. Durfte er. Jahrzehnte später revanchierte er sich, hielt mit seinem Linienbus neben Renate Zittlau an und sagte: „Jetzt dürfen Sie mal einsteigen.“

Die erste Begegnung mit Kieler Sprotten

Die politische Einbindung der Post ins DDR-System, die Ausstellungsmacher Veit Didczuneit beschreibt, hat Renate Zittlau nicht selbst erlebt. „Ich habe meine Arbeit lang hingemacht, das war’s“ erzählt sie. Ihr beinahe schlimmstes Erlebnis war die Teilhabe eines Westpakets. Die Zustellerin war eingeladen, von den Kieler Sprotten zu probieren. „Erst habe ich Kopf und Schwanz entfernt, bis man mir sagte, dass ich alles mitessen muss“, erinnert sich die Brandenburgerin noch heute mit einigem Schrecken.

Die Wade der Postbotin blieb Zeit ihres Berufslebens unversehrt. Denn die Hunde hatten gar keine Chance zuzuschnappen. Sobald Heidemarie-Renate Zittlau aufkreuzte, hupte sie einfach und prompt kamen die Leute zur Paketübergabe vor bis an den Gartenzaun.

Von Jürgen Lauterbach

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