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Brandenburg/Havel „Potsdam-Mittelmark ist ein Kunstgebilde“
Lokales Brandenburg/Havel „Potsdam-Mittelmark ist ein Kunstgebilde“
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15:58 12.10.2016
Havelsee-Bürgermeister Günter Noack am Ortsschild seines Heimatortes Pritzerbe. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Havelsee

Günter Noack (60) hat 30 Jahre als Bürgermeister hinter sich. Der Pritzerber ist nicht grundsätzlich gegen einen Wechsel des Amtes Beetzsee in das Havelland. Doch im MAZ-Interview stellt das Gemeindeoberhaupt von Havelsee Bedingungen.

Herr Noack, mit der nächsten Kreisgebietsreform soll das Amt Beetzsee dem Havelland zugeschlagen werden. Knallen in Kützkow die Sektkorken?

Günter Noack: Keine Ahnung. Doch wahrscheinlich hätten die Kützkower wegen der geografischen Lage auf der anderen Havelseite mit einem Kreiswechsel die wenigsten Probleme. Ich sehe derzeit aber auch keine Vorteile. Kützkow wird weiter zu Pritzerbe und damit zur Stadt Havelsee gehören.

Aus historischer Sicht wären die Gemeinden von der Havel bis zum Beetzsee bei einem Wechsel wieder dort, wo sie bis 1952 zu Hause waren. Was wäre schlimm daran?

Noack: Eine Zugehörigkeit aus historischer Sicht ist durchaus gegeben. Die ältere Generation in der Beetzsee-Region ist noch im Landkreis Westhavelland mit einer Kreisstadt Rathenow aufgewachsen. Dagegen ist Potsdam-Mittelmark von Anfang an ein Kunstgebilde gewesen. Man hat sich mit dem neuen Landkreis arrangiert, doch die Herzen der Menschen hat die Idee einer Mittelmark nicht erobert. Dennoch sollten wir Kommunalpolitiker wachsam sein, wenn es um die Verschiebung der Kreisgrenzen geht.

30 Jahre Bürgermeister

Günter Noack (60) war vor der Wende sechs Jahre hauptamtlicher Bürgermeister in Pritzerbe. Mit kurzer Unterbrechung folgten 24 weitere Jahre als ehrenamtliches Oberhaupt in Pritzerbe und seit 2002 in Havelsee.

Mit rund 3300 Einwohnern in fünf Ortsteilen ist Havelsee die einwohnerstärkste und flächenmäßig größte Kommune im Amt Beetzsee. Zur Landratswahl gab es in Havelsee eine Wahlbeteiligung von 32,4 Prozent. An der Stichwahl nahmen nur noch 18,4 Prozent teil.

Das Amt Beetzsee hat seinen Sitz in Brielow. Die Verwaltung ist zuständig für die fünf Gemeinden Havelsee (Briest, Fohrde, Hohenferchesar, Pritzerbe, Marzahne), Beetzsee (Brielow, Radewege), Beetzseeheide (Butzow, Ketzür, Gortz), Päwesin mit Riewend, Bagow und Bollmannsruh sowie Roskow (Roskow, Weseram,Lünow).

Was meinen Sie konkret?

Noack: Bekanntlich soll auch die Stadt Brandenburg dem Landkreis Havelland zugeschlagen werden. Das Amt Beetzsee liegt genau dazwischen. Es bleibt uns gar nichts anderes übrig als mitzuziehen. Doch als Gemeinden müssen wir Forderungen artikulieren. Die Situation unserer Menschen aber auch unserer kommunalen Haushalte darf sich nicht verschlechtern. Das fängt bei den Müllgebühren an und hört bei der Kreisumlage auf. Auch kann es keine mögliche Teilentschuldung Brandenburgs zu Lasten der anderen Kommunen in einem Kreis Havelland geben. Ich gehe davon aus, dass der Amtsausschuss und die Bürgermeister Anfang 2017 gemeinsam Stellung beziehen werden. Dann besteht das Amt Beetzsee 25 Jahre.

Wäre die Kreisgebietsreform nicht Anlass über eine Großgemeinde Beetzsee nachzudenken?

Noack: Es kann keine große Gemeinde von Briest bis Roskow geben. Angesichts der geografischen Zerrissenheit ist das Amt mit fünf selbstständigen Kommunen für uns das bessere Modell. Eine große Gemeinde würde nur den weiteren Verlust an Demokratie bedeuten. Außerdem sehe ich weit und breit keine politische Mehrheit für einen Abschied vom Amt. Wir haben mit dem Amt Beetzsee eine funktionierende Verwaltung und mit dem jetzigen Amtsdirektor Guido Müller eine Person, die uns Bürgermeister versteht.

Worüber ärgern Sie sich mehr, über die Planspiele der Landesregierung oder das gekünstelte Erstaunen von Landrat Wolfgang Blasig wegen der Beschneidung seiner nördlichen Kreisgrenze?

Noack: Vor allem stört mich, dass an den Kreisgrenzen gefummelt wird, ohne im Amt Beetzsee mit einem Menschen zu reden. Die neue Landkarte habe ich erst in der MAZ gesehen. Darauf hätte der Landrat entsetzt statt erstaunt reagieren müssen. Ich bin gespannt, wie Blasig um das Amt Beetzsee kämpfen will. Uns Bürgermeister hat er jedenfalls noch nicht in seine Pläne eingeweiht.

Die Beteiligung an der Landratsstichwahl am 9. Oktober war im Amt Beetzsee unterirdisch. Eine Quittung für die Politik?

Noack: Beim zweiten Wahltermin ist die Beteiligung von über 30 Prozent in den einzelnen Orten auf 17 bis 19 Prozent abgesackt. Das ist in der Tat nicht gerade eine Liebeserklärung an die mittelmärkische Verwaltungsspitze.

Die CDU im Landtag will eine Volksinitiative gegen die Kreisreform starten. Was halten Sie davon?

Noack: Vor diesen Karren lasse ich mich nicht spannen. Es gab mal einen CDU-Innenminister Schönbohm, der mit harter Hand die Gemeindereform 2002 durchgesetzt hat. Hätte die CDU heute noch Regierungsverantwortung, würden wir ebenso vor einer Kreisreform stehen.

Was spricht für einen Wechsel des Amtes Beetzsee ins Havelland?

Noack: Die Region würde von ihrer Randlage am nördlichsten Ende Mittelmarks mitten in die Achse Brandenburg-Rathenow rutschen. Das dürfte positive Auswirkungen auf die Attraktivität der Gemeinden zwischen Havel und Beetzsee haben. Die Buga 2015 war dafür ein gutes Beispiel.

Sie wohnen in Pritzerbe und besuchen wöchentlich die havelländische Kreismusikschule in Rathenow. Warum eigentlich?

Noack: Ich lerne im dritten Jahr Trompete spielen. Ich fahre auch nach Döberitz einkaufen. Alles ganz normal. Das Havelland tut nicht weh. Aber in der Politik werden wir noch hart verhandeln müssen.


Von Frank Bürstenbinder

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